Aaaaaaaachtundzwanzig Kilometer. In der Zeit vor der Kreditkarte gab es ja mal Schecks. Die Älteren kennen das noch aus eigener Erfahrung, die Jüngeren aus Filmen, Filmen in schwarz/weiß. Bei einem Scheck reicht es nicht irgend eine Nummer einzugeben, da muss man den Wert auch noch mal ausschreiben – „in Worten“. Daran fühlte ich mich erinnert, als ich heute den halben Tag auf der Autobahn A1 verbrachte. Wenn man in aaaaaaachtundzwanzig Kilometern Stau steht und die Radiomoderatoren über den herrlichen Frühlingstag säuseln hört, hat man Zeit über so etwas nachzudenken. Auch warum wohl so viele Fasanen tot auf der Autobahn liegen. Der harte Winter? Frühlingsgefühle? Winterdepressionen? Egal!
Irgendwann war ich in Holland. Endlich. Der Routenplaner von Google Maps ist heute auch mal besonders witzig: Hinter der holländischen Grenze sagt er rechts ab, 5,6 Kilometer bis zur Lonessestraat, dort wenden und 5,6 Kilometer zurückfahren. „Sie erreichen jetzt die Autobahn Richtung Amsterdam“. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil … Vor allem weiter als bis zum nächsten Satz. Wer reist, sollte sich mit dem Gastland auseinandersetzen. Also: Autoradio an. Wenn man glaubt, der Lautsprecher sei kaputt, oder der Moderator habe sich verschluckt, ist man richtig. Nach einer gewissen Zeit hat man sich eingehört. Dann versteht man die Meldung von den 130 Al Quaida-Männern in Saudi Arabien sogar. Irgendwann dachte ich dann doch, das Radio habe das Zeitliche gesegnet. In einem Werbeblock. Doch auch hier kam schnell die Auflösung: Es war eine Peugeot-Werbung und der Niederländer sprach mit französischem Akzent. Kurz vor ’s-Hertogenbosch war ich dann aber sicher, dass entweder das Radio oder mein Hirn leichte Aussetzer hat. Ich meinte immer wieder (Werbepausen gibt es in den Niederlanden mindestens so häufig wie in den deutschen Radiostationen, die einem 80er, 90er und das Beste von heute verprechen) zu verstehen, dass die Rede war von Kondomen, die nachts leuchten. Gerade wollte ich den Gedanken als Hirngespinst wegwischen, da kam die Bestätigung aus dem Radio. Eine männlich markante Stimme sagte: „Condoms that glow in the night.“ In welchen Farben sagte die Stimme nicht, vermutlich orange, wie alles hier.
Vielleicht wären die Leuchtobjekte ganz nützlich gewesen auf dem Weg vom Hotel zum Brabanthallenkomplex. Es ist nur eine knappe Viertelstunde. Den Weg kann man sich auch im Dunkeln merken. Hier ein Sportplatz, auf dem Kicker unter Flutlicht Fußball spielen, dort eine große Wasserfläche, auf der sich Straßenlaternen spiegeln. Einmal links, einmal rechts, schon da. Auf dem Rückweg musste ich feststellen, dass Niederländer a) äußerst sportbegeistert sind (was sich in nächtlichen Fußballtrainingseinheiten auf diversen Fußballplätzen manifestiert) und b) Wasser ein wichtiges Gestaltungsmittel bei der Stadtplanung ist. Grachten, Grachten, Seen und Grachten.
Zurück habe ich 45 Minuten gebraucht. Praktischerweise liegt das Hotel direkt neben einem Kirchturm, der nachts angestrahlt wird. Das ist auch akustisch etwas, an das man sich länger wird erinnern können. Es ist ein kleines Dorf, in dem ich untergekommen bin. Es hat nicht nur besagte Kirche, sondern auch ein lokales, äußerst engagiertes Blasorchester. Wie schön, dass der Wirt des Hotels noch weiß, was gelebter Gemeinschaftssinn ist. Er hat den Musikern einen Saal zum Üben angeboten. Apropos – morgen ab halb acht ist die große Halle für das Training der Weltcuppferde (einige habe ich schon gesehen, kauten Stroh dösten in ihren Boxen) frei. Ich hab mir den Wecker mal entsprechend etwas früher gestellt.