Die Zahl 28 verfolgt mich. Gestern 28 Kilometer Stau auf der A1, heute morgen 28 Tritte Piaffe. Mindestens so viele Tritte zeigte Sterntaler mit Matthias Alexander Rath heute im Training genau an der Stelle, auf der Mittellinie, vor den Richtern, wo er sonst gerne mal den Gewerkschaftsanhänger raushängen lässt. Mal sehen, wie das so nachher im CDI-Grand Prix klappt. Die Prüfung ist hochkarätig besetzt. Neben Sterntaler gehen auch Satchmo und Salinero. Isabell Werth schien zufrieden, auch die fliegenden Wechsel, die in Dortmund nicht funktioniert hatten, waren kein Problem.
Anky van Grunsven sah man an, dass sie alles andere als glücklich ist, dass sie beim Weltcupfinale in „ihrer“ Halle nicht bzw. nur die CDI-Tour reiten darf, also beim Weltcup kein Wort mitsprechen kann. Immerhin hat sie in 25 Jahren Weltcup die Finalkür neunmal gewonnen, davon dreimal allein in der nach ihrer Heimatprovinz benannten Brabanthalle.
Gesprochen wurde auch. Ein Stewart sprach Patrik Kittel an. Der hatte zwar nicht auffällig brutal geritten, aber sein Fuchs Scandic war eng eingestellt, wenig Platz zwischen Kinn und Brust. Das also ist kein LDR (low, deep, round), wie der Weltreiterverband FEI es will. Ein Zeichen. Vorher diskutierten schon die Funktionäre am Rand. Wie weit darf das Kinn von der Brust entfernt sein. Und: Man müsse mal noch genauer hinschauen bei den Nasenriemen hinschauen. Die wäre ja teilweise derart fest geknallt, das sei ja nicht mehr schön. Und das Problem gäbe es ja schon beim Bundeschampionat – hat da einer
den aktuellen ST.GEORG als Bettlektüre gehabt??
Abgeritten wurden ansonsten wenig auffällig. Zwar gab es kaum ein Pferd, das die Nase vor der Senkrechten hatte. Aber auch wenige, die wirklich eng gezogen waren. Totilas ging unter Edward Gal viel Galopp, Sunrise mit Imke Schellekens-Bartels pinselte wie gewohnt mit dem Schweif und wollte nicht so recht still stehen. Carola Koppelmann und Rom sehen im Galopp mitunter so aus, wie die Springreiter vor 20 Jahren – da geht der Hals viel hin und her. Eine tolle Runde zeigte Ellen Schulten-Baumer mit River of Joy. Der Rubinstein-Enkel geht seine dritte Grand Prix-Saison und zeigte gute Piaffen mit gelungenen Übergängen und einige sehr gute Pirouetten. Dazwischen galoppierte Schulten-Baumer im leichten Sitz und der Braune bockte ein bisschen. Ganz anders das Paar Digby und Nathalie zu Sayn-Wittgenstein. Der brave Däne mit seiner im sechsten Monat schwangeren Reiterin zog extra gehorsam seine Runden. Ein Verlasspferd, das zu wissen scheint, dass es doppelte Verantwortung trägt.