Saut Hermès in Paris. Die Springreiter-Elite ist zu Gast beim Meister der Taschen und Tücher im Hermès-Stammhaus in der Pariser Rue Faubourg. Und ich auch.
Dass es eine Ehre ist, hier eingeladen zu sein ("Wir wollten das exklusiv mit dem ST.GEORG machen" - recht so!), wird mir spätestens klar, als mein Taxi 50 Meter vor dem Hoteleingang von zwei breitschultrigen Menschen in Anzug und mit Knopf im Ohr angehalten wird. Leider enden meine Frazösisch-Kenntnisse bei "Bon soir ..." und "à l'hotel ...". Anscheinend wollen die Gorillas wissen, was wir in diesen heiligen Gassen zu suchen haben. Man traut uns offenbar nicht wirklich. Der Absperrpömpel versinkt zwar im Asphalt, aber einer der Männer begleitet uns per Pedes bis vor den Hoteleingang. Ich klettere aus dem Auto und stehe vor einem eleganten Jugendstil-Gebäude. Neben dem Eingang prangt in güldenen Lettern ein Schild: Luxuary Hotel. Wow! Die beiden Gäste, die gerade aus dem Hotel heraustreten, kenne ich sogar: Marcus Ehning zündet sich und seiner Begleiterin ( die nicht Ehefrau Nadja ist) eine Zigarette an und Parcourschef Frank Rothenberger nimmt die beiden am Arm und zuckelt mit ihnen von dannen.
Mir fällt derweil ein, dass mein Taxifahrer wohl auch noch Geld haben möchte. Ich drehe mich um und wundere mich, dass beiderseits des Taxis jeweils ein Hintern aus der Tür zur Rückbank ragt, einer in Jeans und einer in Sakkohose. Nanu? Endlich zerrt die Sakkohose keuchend meinen Koffer aus dem Wagen. Der war doch im Kofferraum?! Anscheinend hat dessen Deckel geklemmt. Egal. Ich checke ein und gehe dann zum Empfang in die Heiligen Hermès-Hallen. Anscheinend finde nicht nur ich das Entrée einschüchternd. Mir entgegen kommen drei Mädchen in Jeans, Turnschuhen und Sweatshirts, die sich fluchtartig zwischen den Türstehern im Anzug hervordrängen. Später erfahre ich, dass auch die Pferdepfleger eingeladen waren. Offenbar mochten sie das Ambiente nicht und verzichteten auf "VIP for a day". Ich finde mich in der Rolle heute mal ganz gut, werde aber verunsichert angesichts dessen, dass die schwarze Schönheit an der Garderobe sich kaum von dem Mantelständer hinter ihr unterscheidet. Frankreichs next Topmodel?
Im ersten Stock tummeln sich bereits Jan Tops und Lebensgefährtin Edwina Alexander. Michel Robert und Begleitung bewundern die Auslage mit den Gürteln, Ludger Beerbaum springt da rum und Rolf-Göran Bengtsson entdecke ich auf Höhe des Sushi-Buffets. Ich selber werde von der deutschen Pressereferentin in Beschlag genommen und durch den Laden geführt. Wobei "Laden" die Sache nicht wirklich trifft. Vom Sattel bis zur Bandage, vom Handtuch bis zum Hochzeitsgeschirr, vom Armband bis zum Seidentuch - ich würde am liebsten alles einstecken! Star des Abends ist allerdings ein Sattel: der brandneue "Talaris" (was der lateinische Name der kleinen Flügel an den Stiefeln des Götterboten Hermes ist, wie ich erfahre.). Morgen werde ich das Prunkstück genauer unter die Lupe nehmen. Jetzt gönne ich mir erst mal ein paar Jakobsmuscheln.