Dominique Wehrmann, Redakteurin
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03.04.2010
Stil und Style
Hand aufs Herz, irgendwie haben wir uns doch alle schonmal gefragt, warum man für eine Tasche oder ein Tuch von Hermès eigentlich so viel Geld ausgibt. Auf den ersten Blick ist ja noch nicht mal zu sehen, dass es aus edlem Hause stammt. Das "H" ist im Gegensatz zu einem Produkt vergleichbarer Preiskategorie mit den Buchstaben "LV" oder "D&G", die man selbstverständlich mitbezahlt, schliesslich kaum zu sehen. Ich weiss es jetzt.
Das hat etwas mit Stil zu tun. Altes Geld kauft Hermès, neues Geld setzt auf eher "lautere" Marken. Bei Hermès bezahlt man dafür, dass jedes Stück handgefertigt aus der Werkstatt in der Rue Faubourg kommt. Und dafür, dass auch ein ausgelernter Sattler nach seiner Einstellung erst mal vier Jahre weiter geschult wird, ehe er selbst ans Leder darf. "Wir sind Handwerker. Das ist unser Ursprung", erklärt Axel Dumas, Leiter des Bereichs Leder im Hause Hermès. "Unsere Produkte zeichen sich durch handwerkliche Qualität und
aussergewöhnlich hochwertige Rohstoffe aus." Das Wort Luxus hört man bei
Hermès offenbar nicht so gerne, denn darauf angesprochen zuckt er mit
den Achseln: "We can't help it." Naja, es gibt wohl schlimmere
Begleiterscheinungen. Und noch etwas ist Dumas wichtig: "Ich will keine Ausstellungsstücke produzieren. Wir legen Wert auf Authenzität. Deshalb machen wir dieses Event. Das Pferd war unser erster Kunde und
deshalb widmen wir ihm diese Veranstaltung."
Dafür hat Hermès einiges investiert. Seit Jahren versucht die Firma den Ursprung des Grand Palais wieder aufleben zu lassen. Das imposante Gebäude war einst nämlich für Pferdesportveranstaltungen gebaut worden. Als das Pferd auf der Strasse vom Automobil abgelöst wurde, hat man auch das Grand Palais für Autoausstellungen statt für Pferderennen genutzt. Das soll wieder anders werden. "Ab jetzt werden wir hier jedes Jahr ein Turnier veranstalten", erklärt Fabrice Crespel, der Chefsattler bei Hermès.
Die Reiter wird's freuen. Es gibt viel Geld zu gewinnen und die Kulisse ist etwas Besonderes. Unmittelbar hinter dem Place de la Concorde gelegen, die Luxusabsteige um die Ecke und ein Empfang bei dem nicht die Sponsoren hofiert werden, sondern bei dem die Akteure allein im Mittelpunkt stehen. Hat man sonst auf den meisten Turnieren auch etwas von Jahrmarktsatmosphäre, geht es hier eher leise zu. Es sind nicht 14 Prüfungen ausgeschrieben, sondern vier. Hier sieht man keine reichen Russen im Pelzmantel (Obwohl man den gebrauchen könnte. An der Temperaturregelung muss im nächsten Jahr noch mal gefeilt werden.). Edel gekleidete Pariser bestimmen hier das Bild. Und auf der Bande des 30 mal 70 Meter grossen Vierecks unter der Glaskuppel sieht man statt schätzungsweise 50 Sponsorenlogos nur ein einziges : das Hermès'sche Pferd vor der Kutsche. Luxus ist eben das Gegenteil von Kommerz.