Beim CHIO werden nicht nur die neuesten Hüte und Pferde zur Schau getragen, auch die menschlichen Neuzugänge haben ihren ersten öffentlichen Auftritt. Da sah man FN-Sportchef Reinhard Wendt mit Klein Wilma, der Babytochter von Frank Ostholt und Sara Algotsson scherzen, die kleine Yula Ehning feiert in Aachen ihren ersten Geburtstag, mit ihrem niedlichen rötlichen Schopf kann sie Vater Marcus Ehning nicht verleugnen. Der findet sie mehr blond. Und Ingrid Klimkes jüngste Tochter Philippa wurde wie schon in Luhmühlen von Oma Ruth über die Wiese geschoben.
Brianne Victoria Beerbaum ist schon Turnierprofi, kennt vermutlich den LKW ihrer Eltern besser als ihr Kinderzimmer in Stuhr. Sie ist eindeutig die Stilikone der Pampersgeneration, gestern in Chanel, heute in Burberry. Mama Meredith überraschte modisch mit gelben Kniestrümpfen zur weißen Reithose, auf denen sich Schmetterlinge und Blumen tummelten. Sie reitet wieder wie in alten Zeiten, hat die Frage „Stille ich vor dem Stechen oder nach dem Stechen“ bestens im Griff und auch Shutterfly wieder gut in Gang. Und der Satz, dass der hannoversche Braune nie mehr ein WM-Finale mit Pferdewechsel mitmachen muss, klingt auch nicht mehr ganz so entschlossen...
Samstag Nachmittag an der Reiterbar unter der Tribüne: Hier trifft sich alles, hier muss man sich blicken lassen, wenn man dazu gehören will. Das weiß auch Henk Rottinghuis, der Kandidat für die Kandidatur zum FEI-Präsidenten, einer der beiden mögliche Herausforderer von Prinzessin Haya. Er arbeitet hier heftig an seinem Bekanntheitsgrad, der ist nämlich noch steigerungsfähig. Der smarte blonde Holländer, der auf eine erfolgreiche Karriere in der Industrie verweisen kann, war zum ersten Mal als 16-Jähriger in Aachen. Damals noch per Anhalter, das VIP-Bändchen hat er sich aus rotem Plastik selbst gebastelt. Damit käme er heute nicht mal am ersten Parkwächter vorbei, da sei Turnierchef Frank Kempermann vor.
Strenge Sitten herrschen hier, das gilt auch für Reiter. Zu mitternächtlicher Stunde nach dem Nationenpreis wurden sie zum Sponsoren-Empfang abkommandiert. Ludger Beerbaum, noch im Gespräch mit den Berichterstattern der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Deutschen Presseagentur und des Sportinformationsdienstes, also drei der wichtigsten Medien des deutschen Sportjournalismus, eilte nach Ansicht einer für den Zusammentrieb der Reiter abgestellten Pressedame nicht geflissentlich genug Richtung VIP-Zelt . „Jetzt aber schnell, Sie müssen jetzt zum Empfang“, unterbrach sie die Runde. Doch da war sie an den Falschen geraten. „Ich muss gar nichts“ sagte er. Das hatte die Dame wohl ganz vergessen.
Morgen erleben wir eine Premiere. Isabell Werth und Satchmo präsentieren eine neue Kür, es singt Roberto Blanco, etwa „ein bisschen Spaß muss sein“ und andere Ohrwürmer. Nicht live natürlich, das ist ja verboten, aber immerhin, er wird vor Ort sein. Am Dienstag zur Media Night war er auch schon da und hatte ein erstes Rendezvous mit Satchmo. Der war allerdings ziemlich genervt, tanzte durch die Gegend, sodass Roberto Blanco iSicherheitsabstand wahrte. „Die Kürmusiken in den letzten Jahren waren doch reichlich ernst,“, sagt Isabell Werth, „wenn ich schon nicht gewinnen kann, will ich wenigstens Spaß haben.“
Gabriele Pochhammer