LPO, WBO und Aufgabenhefte 2018 – es wird sich einiges ändern

Abreiteplatz

(© www.toffi-images.de)

Okay, es ist noch ein bisschen hin, aber man kann sich ja bekanntlich nicht früh genug informieren. Darum wird die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) von jetzt an sukzessive die Änderungen der wichtigsten Regelwerke bekannt geben. Hier kommen die ersten.

Es geht um die Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO 2018), die Wettbewerbsordnung (WBO 2018) sowie die Aufgabenhefte Reiten/Fahren/Voltigieren. Alle Neuerungen treten am 1. Januar 2018 in Kraft. „Der Vorlauf von der Beschlussfassung bis zur Umsetzung wurde erstmals auf ein Jahr verlängert, um ausreichend Zeit zu haben, die Neuerungen nun auf allen Ebenen auf die Umsetzung vorzubereiten“, erklärt Friedrich Otto-Erley, Leiter der FN-Abteilung Turniersport.

Mit eingeflossen in die Neuerungen sind unter anderem mehr als 150 Anträge und Verbesserungsvorschläge sowie die Ergebnisse der FN-Umfrage zur pferdegerechten Ausbildung und der Tierschutztagung 2015. Jetzt wurden die Neufassungen der Regelwerke dem Beirat Sport bei der FN zur Abstimmung vorgestellt. Im Beirat Sport sitzen die Vertreter der Landessportverbände, des Deutschen Reiter- und Fahrer-Verbandes, der Deutschen Richtervereinigung sowie weiterer angeschlossener Verbände.

Das bringt die neue LPO

Die LPO 2018 wird erstmals eine klare Definition des Begriffs „Amateur“ geben. Darüber hinaus wird aus der Leistungsklasse 0 die Leistungsklasse 7. International ist sie bereits fest etabliert, national kommt sie 2018: die Altersklasse Children für Spring- und Dressurreiter bis 14 Jahre. Das Problem der Startplatzbegrenzung will man ins Visier nemen, indem von nun an die „Leistungsprüfungen mit Maximalzahlen der zulässigen Nennungen“ mit wenigstens zwei Handicaps versieht bei der Ausschreibung. Gemeint sind eine räumliche Einschränkung (z.B. Regionalverband) sowie ein weiteres Handicap (z.B. Mindesterfolge). Außerdem dürfen Reiter je Veranstaltungstag maximal für zwei Turniere gleichzeitig Prüfungen mit Startplatzbegrenzung nennen.

Kein Schlaufzügel mehr bis einschließlich M*

Auf die Springreiter kommen Regeländerungen in Sachen Ausrüstung zu. Ab 2018 dürfen Schlaufzügel auf dem Abreiteplatz erst am der Klasse M** verwendet werden. Dasselbe gilt für beliebige Zäumungen. Thies Kaspareit, Leider Abteilung Ausbildung und Wissenschaft bei der FN erklärt: „Damit wird deutlich, dass beides nur in die Hand höher qualifizierter Reiter gehört. Auf ländlichen Turnieren, deren Ausschreibung in der Regel bei Klasse M* endet, ist der Schlaufzügel dann nicht mehr zulässig.“

Reithalfter und Aufsichtspflicht

Die Frage, wie das Reithalfter richtig zu verschnallen ist, hat in der Vergangenheit für manche Diskussion gesorgt. Auch dafür gibt es nun eine Klarstellung: „Das Reithalfter soll leicht anliegen und darf weder die Atmung beeinträchtigen, noch die Maultätigkeit (Kauen) des Pferdes unterbinden.“ Damit soll klargestellt werden, dass weder das festgezurrte noch das viel zu locker sitzende Reithalfter seinen Zweck erfüllt, für eine ruhige Lage des Gebisses im Pferdemaul zu sorgen. Gleichzeitig wird die Aufsicht auf dem Vorbereitungsplatz intensiviert. Durfte ein Richter bisher zwei benachbarte Vorbereitungsplätze beobachten, muss ab 2018 für jeden Platz ein eigener Richter eingeteilt werden.

Änderungen in den Disziplinen

In der Dressur dürfen künftig M-Prüfungen für sechs- bis achtjährige Pferde sowie S-Prüfungen für sieben- bis achtjährige Pferde sowie für alle Pferde in Dressureiterprüfungen der Klasse M auf Trense ausgeschrieben werden. Außerdem müssen Qualifikations- und Finalprüfungen nicht zwangsläufig auf dem gleichen Turnier stattfinden.

Im Springen wird es neue Prüfungsformen geben, die Stil-Spring-LP mit Zeitpunkten, das Springen mit steigenden Anforderungen, die Spring-LP mit Mindeststilnote, die Springprüfung mit Geländehindernissen sowie die bislang nur von den Bundeschampionaten bekannte Springpferdeprüfung Klasse M** für sechs- und siebenjährige Pferde.

Im Voltigieren können Veranstalter ab 2018 auch Prüfungen der Klasse E anbieten, ein entsprechendes E-Programm findet sich dazu im neuen Aufgabenheft. Ebenfalls neu in beiden Regelwerken ist die Einführung des Junior-Doppelvoltigierens.

Der Teil Fahren wird weitgehend an das internationale Regelwerk angepasst. Im Marathon können die ersten Phasen entfallen und durch einen entsprechenden Vorbereitungsplatz ersetzt werden, ähnlich wie es in der Vielseitigkeit seit Jahren der Fall ist. Bei Überschreiten der erlaubten Zeit in der Gelände-LP gehen ab 2018 pro angefangene Sekunde 0,25 Strafpunkte (zuvor: 0,2) auf das Konto des Fahrers. Außerdem dürfen ab 2018 Ponys bis zu einem Stockmaß von 1,10 Meter nicht mehr in Einspänner-Geländeprüfungen der Klasse M und S eingesetzt werden, ferner kann bei allen Einspännern der Beifahrer auf dem Vorbereitungsplatz auch vom Boden aus unterstützen.

WBO ab 2018 auch gebisslos

Neben der LPO 2018 wurde auch die Wettbewerbsordnung (WBO 2018) vom FN-Beirat Sport verabschiedet. Wichtigste Neuerung sind spezielle Wettbewerbe, in denen ausschließlich mit gebissloser Zäumung/Halsring geritten wird. Als gebisslose Zäumung für die Wettbewerbe – Geschicklichkeits- oder Rittigkeitswettbewerb, Trail oder offene Kür – sind Sidepull, Bosal (kalifornisches Hackamore) und Knotenhalfter zugelassen, also Zäumungen ohne Verengungsmechanismen und ohne Hebelwirkung. Ansonsten finden sich in der neuen WBO 2018 Neuaufnahmen von Wettbewerben in den WB-Blöcken wie „Umgang mit dem Pferd“, „Gerittene/Geschicklichkeits-Wettbewerbe“, „Kombinierte Wettbewerbe“ und „Neue Schaubilder-Wettbewerbe“. Ebenfalls neu aufgenommen wurden Wettbewerbe mit dem Leitseil und Working-Equitation-Wettbewerbe. Übergeordnet wurden alle Teile der WBO inhaltlich an die Änderungen der LPO 2018 angepasst.

Im Laufe des kommenden Jahres werden die wichtigsten Neuerungen /Änderungen auf der FN-Homepage unter www.pferd-aktuell.de/lpo2018 vorgestellt. Die endgültige Fassung der neuen Regelwerke ist dann ab September 2017 in gedruckter Form erhältlich.



  1. BALUMA

    Na dann wollen wir mal hoffen, dass wir bei einem Wettbewerb mit gebissloser Zähmung auch einen guten Rettungsdienst mit genügend Kapazität dabei haben.
    Es ist eine Sache Zuhause mit einem Halsring durch die Halle zu gondeln. Es ist etwas völlig anderes dies auf einem fremden Platz unter Wettkampfbedingungen zu machen.
    Ich glaube, dass 90% der Teilnehmer an WBO Wettbewerben noch Kontrollprobleme mit ihrem Pferd haben wenn es sich mal etwas aufregt, und dass dann eine gebisslose Zäumung sehr schnell gefährlich werden kann.

    • Corriba

      Gebißlos ist nicht gleich Halsring. Da gibt es Hackamore, Bosal, Glücksrad …. Komisch einige erfolgreiche Springreiter reiten gebißlos, die altkalifornische Reitweise wird häufig mit Bosal geritten, … Versteh einer die Welt derer die alles in einen Topf werfen ohne zu differenzieren. Und bei der Qualität einiger Reiter im ländlichen Gebiet braucht es eher mutige Richter die Teilnehmer disqualifizieren weil sie mit einem Gebiß nicht umgehen können.

    • amena rauf- vater

      Kein Pferd der Welt ist mit einem Gebiss zu halten , wenn es in Panik gerät- wohingegen manches Pferd deutlich entspannter ist, wenn ihm in einer aufregenden Situation nicht auch noch im Maul Schmerzen zugefügt werden. Es gibt kein Bremspedal im Maul! Daher reiten wir junge Pferde ausschließlich gebißlos an – erst wenn alle GGA so klappen, lernt das Pferd das Gebiß kennen und verstehen.
      Und der Rettungsdienst musste ja wohl auf Frau van Grunsven aufpassen- seinerzeit als Weltmeisterin in der Dressur- als sie eine Runde im Galopp zu bewältigen hatte- mit Kandare…
      Und vom Halsring ist überhaupt keine Rede! Schade, dass sich sowenige Reiter mit der Wirkung von Gebiss oder Halfter beschäftigen- den Pferden würde so manches erspart bleiben, wenn da mehr Schulung erfolgen würde!


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