München: Will gewinnt Großen Preis, Meyer die Riders Tour

David Will auf Mic Mac du Tillard gewann den Großen Preis in München und machte damit Janne Friederike Meyer auf Goja zum „Rider of the Year“. Nur Christian Ahlmann hätte ihr den Titel mit einem Sieg noch entreißen können, das klappte nach einem Abwurf von Codex One nicht, aber alle drei durften sich ans Steuer eines nagelneuen BMWs setzen.

Mic Mc du Tillard und David Will, Sieger im Großen Preis von München 2015

Er hat es verdient! Mit seinem Sieg im Großen Preis von München gelang David Will auf Mic Mac du Tillard nach längerer Durststrecke wieder ein ganz großer Erfolg. Foto: www.toffi-images.de/von Korff (© Mic Mc du Tillard und David Will, Sieger im Großen Preis von München 2015)

33,27 Sekunden brauchte David Will auf der 15-jährigen französischen Stute Mic Mac du Billard in der Münchner Olympiahalle. Als erster Starter in der Siegerrunde, zu der die 13 besten von 49 Reitern zugelassen waren, setzte er die Konkurrenz mächtig unter Druck. Zur Belohnung gab es eine Siegprämie von 20.000 Euro und mit 20 Punkten einen Sprung auf den dritten Platz in der Gesamtwertung der Riders Tour, für die München als letzte von sechs Stationen zählte.

Michael Jung und Sportsmann, Zweite im Großen Preis von München 2015.

Michael Jung und Sportsmann, Zweite im Großen Preis von München 2015, haben sich noch einmal nachdrücklich als Nationenpreispaar für die kommende Saison empfohlen. Foto: www.toffi-images.de/von Korff (© Michael Jung und Sportsmann, Zweite im Großen Preis von München 2015.)

Ein für ihn hervorragendes Turnier rundete Michael Jung mit dem zehnjährigen Schimmelwallach Sportsmann mit Platz zwei im Großen Preis ab. Er hatte bereits am Freitag ein Springen gewonnen und war Samstag in der Qualifikation zum Großen Preis Zweiter geworden. Jung ritt in der Siegerrunde deutlich verhaltener als Will, blieb aber mit 38,32 Sekunden Zweitschnellster. Der Weltmeister, Europameister und Olympiasieger in der Vielseitigkeit machte erneut auch im schweren Springparcours eine gute Figur. „Über die reiterlichen Qualitäten von Michi brauchen wir uns nicht zu unterhalten“, sagte Co-Bundestrainer Heinrich Hermann Engemann. „Wir haben schon besprochen, dass er im Frühjahr mit auf ein paar Nationenpreisturniere soll.“ Der Doppelkarriere steht offenbar nichts mehr im Weg.

Carsten-Otto Nagel und Holiday by Solitour

Carsten-Otto Nagel und Holiday by Solitour. Foto: www.toffi-images.de/von Korff (© Carsten-Otto Nagel und Holiday by Solitour)

Dritter im Großen Preis wurde Carsten-Otto Nagel auf Holiday by Solitour. Anders als Will und Jung, die jeweils einen Abwurf kassiert hatten, war er im Umlauf ohne Hindernisfehler geblieben, hatte lediglich einen Zeitfehler bekommen. Aber in der Siegerrunde starteten alle wieder bei Null, eine Besonderheit dieser Prüfungsform.

In der Gesamtwertung der Riders Tour hatte Janne Friederike Meyer mit 53 Punkten die Nase vorne und durfte, wie auch die beiden nächstplatzierten Christian Ahlmann (43) und David Will (40) mit einer Limousine bayerischer Machart aus der Halle brausen. Am Ende musste nicht nur geritten, sondern vor allem auch gerechnet werden. Für Janne Friederike Meyer, die mit 51 Punkten im Gepäck zum Münchner Finale gereist war, ging es nur noch drum, ob sie mit dem größten, dem zweitgrößten oder dem drittgrößten Auto nach Hause fahren würde.

Der Entscheidung konnte Janne Friederike Meyer nur von der Tribüne aus zusehen, nach einem Abwurf ihres neunjährigen Fuchses Goja verpasste sie als 14. die Siegerrunde. „Natürlich ist es schöner, wenn man das Ergebnis selbst in der Hand hat. Ich hätte den Sieg lieber mit einer eigenen Platzierung dingfest gemacht. Und ich habe lange mit niemandem so mitgefiebert wie mit David, denn Christian im Nacken zu haben, ist alles andere als angenehm.“ Nur Christian Ahlmann auf Codex One hätte ihr noch gefährlich werden können und das nur mit einem Sieg. Ahlmann, der lange überlegt hatte, an welcher Ecke er David Will noch ein paar Sekundenbruchteile würde abnehmen können, kam aber nach einem Abwurf in diesem Springen nicht über Platz sieben hinaus. Damit war der Hamburgerin Janne Friederike Meyer zum ersten Mal der Titel „Rider oft he Year“ sicher. Sie stürmte bei der Siegerehrung derart begeistert aufs Podium, dass sie auf der anderen Seite wieder herunterfiel und sich im Sand wiederfand. „Ich war halt lange nicht mehr auf einem Podium“ erklärte sie. Keinesfalls will sie den Purzelbaum als schlechtes Omen werten, im Gegenteil. „Als ich das letzte Mal bei der Riders Tour auf dem Treppchen stand, war das der Startschuss für eine tolle Saison. Sie brachte mir gewissermaßen den Durchbruch im großen Sport.“

2016 gibt es für Janne Friederike Meyer nur ein Ziel: „Ganz klar Rio.“ Bei der Europameisterschaft in Aachen blieb der erst neunjährige Goja als Reservist noch im Stall, aber schon bei der Auswahl für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro wird Bundestrainer Otto Becker bei der zur Zeit recht dünnen Decke an Spitzenpaaren auf den springgewaltigen Fuchs womöglich nicht verzichten können. Doch jetzt ging es erst mal darum, den Sieg des Tages zu feiern: mit einer Schampus-Orgie nach Formel I-Manier.

Gabriele Pochhammer