Aachen-Blog: CHIO zu Pandemie-Zeiten fast wie immer

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Moment mal! Die Kolumne von St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer (© Foto Bugtrup/Montage: www.st-georg.de)

Aber nur fast, alles ist ein wenig heruntergefahren, aber keinen scheint es zu stören, außer vielleicht die Organisatoren, die von einer schwarzen Null am Ende der Woche nur träumen können. Bei der Media Night trabte erstmals der neue Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), Hans-Joachim Erbel, vor.

Noch ist nicht alles wie immer in der Soers, noch lässt Corona allerorten grüßen: Maskenpflicht, außer beim Arbeiten, Essen und Trinken. Nur wer sich am Eingang ein grünes Bändchen abholen kann, weil er geimpft, genesen oder getestet ist, darf rein. Im Pressezentrum gibt es wieder wie schon im Vorjahr beim Drei-Sterne-Turnier einen eigenen Tisch für jeden, große Belüfter sollen etwaigen Viren, die sich noch herumtreiben, den Garaus machen. Die Tribünen sind mehr als halbleer, man hat irgendwie nicht den Eindruck, dass das reduzierte Kartenangebot den Aachenern aus den Fingern gerissen wird. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass am Mittwoch viele Leute noch arbeiten.

Fünfkampf nach wie vor in aller Munde

Auch die Ausstellung ist zusammengestrichen, leider – oder zum Glück? ­– vermisse ich diesmal die schicken kleinen Stände, die einen zum Geldausgeben verführen. Viele Stände mit Reitsportzubehör, ansonsten habe ich noch nie so viele hässliche Schals und Tücher an einem Ort gesehen. Aber sei’s drum, Aachen bleibt Aachen und alle sind froh über das Wiedersehen in der Soers. Natürlich gab es am Dienstag abend wieder die Media Night, diesmal nicht mit Buffet, sondern am Tisch serviert und köstlich wie eh und je. Keine wilde Sause, ein gepflegter Empfang mit Essen, auch toll. Ich saß mit FN-Generalsekretär Sönke Lauterbach am Tisch. Er versuchte, unseren Mitessern zu erklären, warum die FN nichts für die Regeln im Fünfkampfreiten kann. Die Leute fragen einen ja immer wieder danach, ich hoffe, dass sich im nächsten halben Jahr da was tut, also entweder das Reiten aus dem Fünfkampf fliegt oder die Regeln so renoviert werden, dass sie den heutigen Standards im Pferdesport entsprechen, mit Dopingproben der Pferde und Reitabzeichen für die Reiter.

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Auch der neue FN-Präsident Hans Joachim Erbel wird in Aachen immer wieder mit dem Thema konfroniert. Nach Balve, Riesenbeck und Hagen hat er nun seinen Antrittsbesuch in der Soers absolviert. Ein bisschen zögerlich trat er auf den roten Teppich zum VIP-Palast, wollte lieber hinter der Wand reingehen, um die Fotografen zu vermeiden, die auf die ankommenden Promis lauerten. Damit kam er bei Sönke Lauterbach aber nicht durch. „Das geht jetzt nicht mehr“, sagte der. „Das ist der neue Breido“ stellt er Erbel vor und alle wissen Bescheid. Den „alten“ Breido kannte jeder, nach 16-jähriger Amtszeit hat sich Breide Graf zu Rantzau vom Präsidentenamt bekanntlich verabschiedet, Erbel wurde als einziger Kandidat im Juli als Nachfolger gewählt. Der Neue ist ein ganz anderer Typ, Trachtenjoppe statt englischem Zwirn, schwäbische Wurzeln statt Holsteiner Urgestein, mehr aus der Ecke der Wirtschaftsfachleute als der Landwirtschaft.

Eindruck des Neulings

FN-Pressesprecherin Julia Basic hatte ein Pressegespräch für uns organisiert, um den neuen Präsidenten ein bisschen kennen zu lernen. Wir waren nur zu fünft gekommen, das fand ich wenig, schließlich hatte Julia alle einschlägigen Medien eingeladen. Erbel spricht schnell und leise, aber hat was zu sagen: Kinder aufs Pferd zu bringen, bevor sie zehn sind und bevor andere Sportarten sie abgeholt haben, die Ganztagsschule als Einstieg für den Reitunterricht nutzen. Und wenn er sich von einer Sache noch kein Bild gemacht hat, dann sagt er einfach noch nichts dazu. Auch ok. Kein Selbstdarsteller, ein ruhiger Macher, so jedenfalls war der erste Eindruck. Und vielleicht nicht verkehrt, wenn der Mann an der Spitze erstmal unten bei denen anfängt, die Förderung am nötigsten haben.