Aachen: Von Gegrilltem, Ramschware und Meerschweinchen

Aachen Soers 06.07.2012 CHIO Ausstellungsbereich Soerser Eck: der Stand mit Totilas-Fan-Bekleidung offeriert Sonderpreise Foto: Julia Rau Am Schinnergraben 57 55129 Mainz Tel.: 06131-507751 Mobil: 0171-9517199 Rüsselsheimer Volksbank BLZ 500 930 00 Kto.: 6514006 Es gelten ausschliesslich meine Allgemeinen Geschäftsbedingungen (© )

Das T-Pferd spielt sportlich keine Rolle mehr, die Diskussion um ihn wird lediglich von der Bild-Zeitung aufrecht gehalten. Die anderen Medien wissen: Sport ist, was in der Arena passiert. Das findet auch ein Olympiasieger, der ein bemerkenswertes Interview gegeben hat.

Es ist schon interessant: Die Absage von Matthias Rath wegen seiner Erkrankung ist überhaupt kein Thema mehr unter denen, die hier in Aachen am Dressurviereck den Sport verfolgen. Hin und wieder fällt der Name, aber mehr als ein Achselzucken als Antwort gibt es nicht. Und Tränen hat man auch noch keine gesehen. Vielmehr freuen sich alle, wie hochklassig der Sport im Viereck ist in diesem Jahr. Dass man allen Platzierten mit großem Genuss auch beim Abreiten zusehen kann. Das sind die Momente, die alle gefallen.
Ausgerechnet ein Springreiter hat in einem Interview Dinge ausgesprochen, die so deutlich sonst noch niemand gesagt hat: Ludger Beerbaum hat dem Tagesspiegel ein Interview gegeben, in dem er aus seinem Herzen alles andere als eine Mördergrube gemacht hat. Man könnte auch, um im medizinischen Kontext zu bleiben, sagen, frei von der Leber weg hat der Mann aus Riesenbeck seine Einschätzung gegeben. Etwas, dass Totilas kein Wunderpferd sei. „Er ist ein ganz normales Pferd. Das Wunder war in Holland„. Beerbaum hat sich gegen den Gebetsmühlen-Standard, wonach Totilas soooo gut für den Sport sei, ausgesprochen. „Ich habe nicht gesehen, dass sich mehr Leute für unseren Sport begeistern“. Am meisten wird aber gesprochen über ein Zitat: „Halten die Besitzer den Druck wirtschaftlich aus? Ja, natürlich. Die könnten es sich sogar finanziell leisten, das Pferd morgen auf den Grill zu legen und aufzuessen. Zweitens: Halten sie das mental aus? Das weiß ich nicht.“ Da sind dann einige not amused. Die Vorstellung eines Totilas am Spieß ist ja auch nicht schön. Wobei es schon stimmen gibt, man könne ihn ja auch zu einem „Linsenhoff-Eintopf“ reichen. Ihgitt! Gut, dass es die Bild-Zeitung gibt! Denn ohne sie wäre der schwarze Hengst ja kein Thema mehr. Das Blatt fragt sich heute: „Klaut Desperados Totilas das Gold?“ Ich frage mich, ob die das ernst meinen. Ach ja, die Totilas-Kollektion gibt es auch wieder in Aachen. Gut zu erkennen, weil da immer recht viel Platz ist zum Stöbern. 15 Euro soll ein Polohemd jetzt kosten, der Rest wird als „Retro-Kollektion“ angeboten – Grabbeltisch würde ja auch nicht schön klingen.
Kommen wir lieber zu den Sportlern, die über Leistung den Weg nach Olympia schon in der Tasche haben: die Buschreiter. Sie sind die allerersten Athleten, die nach London fahren. Präziser: Ihre Pferde sind die ersten, die in den Stallungen einziehen. Allein der Weg der LKW bis nach Greenwich ist ein buchfüllendes Thema. Spediteur Martin Atock trug das sehr amüsant vor. Man weiß beispielsweise noch nicht, ob vor den Stallzelten überhaupt genug Platz ist, zu drehen. Gegebenenfalls muss also ein Transporter leicht abschüssig herunterfahren, nur um dann wieder rückwärts sich den Weg zu bahnen. Die Deutschen seien die „Guineapigs“, die Versuchskaninchen. Der Landschaftsschutz im Greenwich Park ist das Thema Nummer eins. Um jeden alten Baum – „davon gibt es viele, glauben Sie mir“, sagt Martin Plewa, der als Technischer Delegierter in London für das Eventing verantwortlich ist – gibt es eine Sicherheitszone. Damit die Pflanzen nicht „erschüttert“ werden. In Luhmühlen könne man ja schon mal eine Kreissäge mit ins Gelände nehmen, um passend zu machen, was passend gemacht werden muss, an den umstehenden Bäumen. Ein solches Kettensägenmassaker solle man sich aber in London lieber nicht vornehmen, sagt Plewa. Auch die Zuschauer dürfen nur ganz ausgesuchte Wege nehmen. Es gibt eine Extrafirma für „Crowd Control“ – frei nach David Bowie „Crowd control to Major Tom“.
Schnell noch dies: Der Freund von Kristina Sprehe kann sich jetzt um ein neues Fahrrad kümmern. Er hatte gesagt, er wolle per Rad nach London kommen, wenn Kristina dabei wäre. Man sieht: Schwarze Hengste und Sportler im Umfeld – das geht ganz hervorragend!