Achaz von Buchwaldt – Vertrauen ist das Beste!

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Moment mal! Die Kolumne von St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer (© Foto Bugtrup/Montage: www.st-georg.de)

Diverse Springreiter starten mit ihren Pferden Woche für Woche bei einem anderen großen Turnier. Diese Woche USA, nächste Woche Asien. Alltag. Es geht mitunter um Millionenbeträge. Und doch sind ihre Pferde für sie viel mehr als Sportgeräte. Einen Beitrag zum Thema lesen Sie in St.GEORG 3/19. Hier ein kleiner Vorgeschmack mit einer besonderen Reiter-Pferd-Beziehung aus früheren Zeiten.

Es klingt ein bisschen nach der große Liebe, wenn Reiter über das „Pferd ihres Lebens“ sprechen. Es heißt ja, dass jeder Reiter davon nur eines bekommt. Dass auch in langen Karrieren ein besonderes  Pferd in der öffentlichen und privaten Erinnerung bleibt, das untrennbar mit dem Namen seines Reiters in Verbindung bleibt, das den Umschlag der Memoiren schmückt. Für Winkler war es Halla, für Fritz Thiedemann Meteor, obwohl beide in ihrem langen Reiterleben viele gute Pferde hatten. Die heutige Reitergeneration ist kaum anders.

Am Rande des Leipziger Weltcup-Turniers fragte ich einige Springreiter nach diesem einen Pferd, dass ihre Laufbahn geprägt hat. Die Antworten – manche verblüffend, manche anrührend, aber alle prompt ohne lange zu überlegen – können Sie im nächsten St.GEORG-Heft nachlesen. Es war bzw. ist natürlich meist das Erfolgspferd, aber der Erfolg alleine zählte nicht, es war/ist stets auch die besondere Beziehung, die diesen Reiter mit jenem Pferd verband.

Der Lausbub

So war es auch zwischen Achaz von Buchwaldt, Reitmeister, zweifacher Derbysieger, Championatsreiter und Trainer internationaler Spitzenreiter. Sein Lebenspferd Lausbub war schon 18, als er mit ihm das Spring-Derby in Hamburg gewann. „Es war, als wüsste er, worum es ging“, sagt Achaz heute, „das hat man als Reiter gespürt. Er hat alles gegeben.“

Der Stil der beiden war speziell und der für Österreich reitende Hugo Simon meinte dann auch, er müsste ein paar gute Tipps loswerden. „Hugo hat bei mir Pferde probiert und gesagt, ich will Dir mal zeigen, wie Du deinen Lausbub reiten musst.“ Achaz hatte damit kein Problem, ließ den Landgraf-Sohn satteln und sagte: „Bitte, hier ist er, du kannst ihn ruhig reiten.“ Hugo Simon, bekannt dafür, dass sich jedes Pferd unter ihm in einen Feuerstuhl verwandelte, setzte sich drauf, fing an, den Braunen auf seine Art „zusammenzustellen“. Schon beim Abtraben wurde Lausbub sichtlich nervös, fing an zu schwitzen und sich zu verkrampfen. Die paar Sprünge, die er machte, waren, so Achaz, „eine Katastrophe, weil er nur losrannte und wegschoss.“ Hugo Simon war Pferdemann genug, um das Experiment nach zwei, drei Versuchen abzubrechen. „Reit’ ihn mal so weiter, wie du das immer machst“, riet er dem Kollegen. „Du machst das schon ganz ordentlich.“ Zu so einer Einsicht gehört ja auch eine gewisse Größe. Und die Erkenntnis, dass auch Pferde sich verstanden fühlen wollen, bevor sie einem Reiter ihr Vertrauen schenken.

Indianer in Unterhosen

Achaz von Buchwaldt und Lausbub, kein Wunder, dass der Mann zum Reitmeister ernannt wurde!

Das Vertrauen zu seinem Reiter war bei Lausbub tatsächlich ungewöhnlich ausgeprägt. Das bewies er bei einem Kostümspringen in Hannover. Achaz von Buchwaldt hatte sich eine gewagte Nummer ausgedacht: Nur in Socken, Turnhose und T-Shirt preschte er in die Halle, die Teenies auf den Rängen johlten: „Ausziehen, ausziehen!“ Tatsächlich entledigte Achaz von Buchwaldt sich während des Parcours auch noch des Hemdes und ritt mit nacktem Oberkörper weiter.

Der tosende Beifall der jugendlichen Fans auf den Tribünen war dann für Lausbub, der ohnehin ein dünnes Nervenkostüm hatte, doch zu viel. Er geriet in Panik und ging durch. „Um Gottes Willen, was soll ich bloß machen“, fragte sich Achaz und überlegte, wie er sich einen einigermaßen verletzungsfreien Abgang verschaffen konnte. „Ich habe mich dann wie ein Indianer an die Seite gehängt, die Hand auf seinen Nasenrücken gelegt und bin bei passender Gelegenheit abgesprungen. “ Im selben Moment blieb Lausbub stehen. „Das war typisch für dieses Pferd“, sagt Achaz heute, „er hatte einen unglaublich guten Charakter.“

Das Publikum tobte und dachte, die Extraschaunummer gehöre zum Programm. Turnierveranstalter aus ganz Deutschland riefen an und fragten, ob sie die Nummer buchen könnten. Eine Wiederholung (ohne den Indianer-Abgang) gab’s nur in Kiel, das war zu der Zeit, als Lausbub auch in regulären Springen startete, noch vor seinem Derby-Sieg. Er konnte übrigens noch mehr Kunststückchen: einen Diener machen und vor allem hinter seinem Reiter herlaufen wie ein großer Hund.

Ludger Beerbaum und Classic Touch

Eine ähnlich dramatische Situation wie in Hannover habe ich als Berichterstatterin nur einmal bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona im Nationenpreis erlebt. Bei Ludger Beerbaums Pferd Classic Touch brach das Hackamore, die Stute geriet ebenfalls in Panik und preschte führungslos durch die Arena. Beerbaum gelang es abzuspringen, bevor sie volles Tempo aufgenommen hatte und im selben Moment blieb Classic Touch stehen und trottete hinter ihrem Reiter zum Ausgang, als sei nichts gewesen. Auch ein Vertrauensbeweis. Zwei Tage später waren die beiden Olympiasieger, aber das ist eine andere Geschichte.

 

 


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