Auszeichnungen, Blogger-Allüren und zu fälschende Pässe

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Einen Blick in die heiligen Hallen, die Ställe der Sportpferde, durften eingeladende Blogger genießen. Camalita und Silverstone, die Pferde von Laura Klaphake, schauen neugierig dabei zu (© Pauline von Hardenberg)

Über neue Medien, Bloggerinnen mit Allüren und Journalistenprobleme. Außerdem: Michael Jungs Mutter mit einer Idee, um Wunderpferd Sam länger im Sport zu halten.

Der Traum von der Million Euro war für Pedro Veniss schon vor dem Großen Preis von Aachen ausgeträumt; den Namen des Gewinners der Grand Slam Station in Genf suchte man auf der Starterliste vergebens. Der Brasilianer hatte sich nicht in den Prüfungen zuvor für den Großen Preis qualifizieren können – das hätte er aber müssen, wie die meisten anderen auch. Wegen einer Hautverletzung seines Pferdes konnte er nicht am NRW-Preis teilnehmen, um die erforderlichen Punkte zu sammeln. Dann hätte ihm bei einem weiteren Sieg zum Preisgeld von 330.000 Euro eine satte Zusatzprämie von 500.000 Euro gewunken, und dasselbe nochmal, beim möglichen dritten Sieg in Calgary. Jetzt muss er wieder ganz von vorne anfangen.

Nur eine Handvoll von Reitern war vorqualifiziert, wie die aktuellen Olympiamedaillengewinner, etwa Eric Lamaze. Der musste von seinem Vorrecht aber gar keinen Gebrauch machen, weil er ja auch am Mittwoch den Preis von Europa gewonnen hatte. Ansonsten waren die Sieger der vergangenen CSIO (also Turniere mit Nationenpreis) vorqualifiziert, wie Scott Brash (Calgary), Steve Guerdat (Falsterbo und Lummen) Philipp Weishaupt (Aachen 2016), Bertram Allen (St. Gallen), Cian o’Connor (Sport). Aber Genf zählte eben nicht, weil kein O-Turnier. Pech für Pedro Veniss.

Auszeichnungen für Fotografen und Peter Hofmann

Ludwiga v. Korff

Breido Graf zu Rantzau verleiht Peter Hofmann das Goldene Reiterkreuz. (© Ludwiga v. Korff)

Die Journalisten-Zunft wurde ja zu Turnierbeginn mit dem Silbernen Pferd ausgezeichnet. Zum letzten Mal, dann geht die Trophäe an Beiträge in den neuen Medien. Gestern waren die Fotografen dran, die durch ihre eingesandten Fotos gezeigt haben, dass sie auch im Zeitalter der Snapshots und Selfies die Amateur-Konkurrenz nicht zu fürchten brauchen. Alle prämierten Fotos hatten das CHIO Aachen zum Thema. Die Kamera wurde in diesem Jahr der Neuseeländerin Libby Law im Hauptstadion vor vollem Haus überreicht für ein Foto vom Franzosen Philipp Rozier auf Rahotep de Toscane, wobei Reiter und Pferd gleichermaßen ihre Freude über den gelungenen Parcours anzusehen ist. Platz zwei ging an den auch den St.GEORG-Lesern wohl bekannten Arndt Bronkhorst aus den Niederlanden für ein Wassergraben-Foto aus ungewöhnlicher Perspektive, der dritte Preis an den Franzosen Eric Knoll mit einer Szene vom Geländeritt.

Eine goldene Ehrung gab es in Aachen, auch für den langjährigen Springausschuss-Vorsitzenden des Deutschen Olympiadekomitees für Reiterei (DOKR), Peter Hofmann, der mit dem Mannheimer Maimarktturnier ja auch einer der profiliertesten Veranstalter des Landes ist. Er erhielt das deutsche Reiterkreuz in Gold.

Aufgeschnappt in der Blogger-Lounge

Fotos machen natürlich auch andere immer mehr. Zum ersten Mal wurde ja eine Blogger-Lounge auf dem Aachener Turniergelände eingerichtet, für die Jungstars der neuen Medien. Es handelte sich zu einhundert Prozent um Bloggerinnen, die dann auch unter Führung von Turnierleiter Frank Kempermann einen Stallrundgang machen durften. Das war das Mindeste, was sie erwartet hatten: „Voll Scheiße, ich kam hier gestern gar nicht rein.“ klagte eine über den versperrten Zugang zum Stallbereich. Ganz so drastisch hätten wir Dinosaurier uns vielleicht nicht ausgedrückt, aber auch wir kämpften gegen prinzipientreue Ordner, als wir zur Verfassungsprüfung der Buschpferde wollten und uns mal wieder dem Argwohn ausgesetzt sahen, Journalisten hätten nur eins im Sinn, nämlich Pferde im Stall heimlich mit Doping-Mitteln zu füttern. Aber angesichts dauergezückter Smartphones kann man verstehen, dass Reiter, Pfleger und sonstige Szene auch mal ganz unbeobachtet und ungefilmt sein wollen. Ansonsten musste Frank Kempermann wenige Fragen der aufstrebenden Internetstars – die Jüngste war elf – beantworten, genauer gar keine. Muss erholsam gewesen sein für den viel beschäftigten Turnierchef. Leider musste die Bitte um ein Kuschelvideo mit Sam abschlägig beschieden werden. Bei Usain Bolt kann man ja auch nicht ins Schlafzimmer platzen und mit dem Smartphone wedeln. Denk’ ich jedenfalls mal.

„Wir müssen einfach mal den Pass fälschen“

Pauline von Hardenberg

Der von scheinbar ewiger Jugend gesegnete Sam genießt seine Dusche (© Pauline von Hardenberg)

Apropos Sam. Der 17-jährige Doppelolympiasieger verrät sein Alter höchstens noch auf dem Dressurviereck, aber einmal im Gelände blüht er auf und wirkt zehn Jahre jünger. „Wir müssen einfach mal den Pass fälschen“, sagt Michael Jungs Mutter Brigitte. Ich finde die Idee auch gut.