Bilder mit Symbolkraft von Jacques Toffi

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Moment mal, Gabriele Pochhammer zu Jacques Toffis Buch "Hommage Equipment" (© st-georg.de)

Der Hamburger Fotograf Jacques Toffi hat in seinen Bildern die Requisiten des Erfolgs im Pferdesport festgehalten. Nicht glatt und glänzend, sondern mit Rissen, Falten und Patina zeugen sie von Arbeit und Schweiß, von Fleiß und Erfolg – wie im richtigen Reiterleben.

Er ist das Auge, das hinter die Kulissen des Pferdesports guckt. Er fotografiert nicht nur den Riesensprung über den Oxer oder die metronom-artige Piaffe. Das natürlich auch,  aber Jacques Toffi, mit dem der St.GEORG seit mehr als 30 Jahren das Vergnügen hat, zusammen zu arbeiten, sieht noch viel mehr, was dem Auge des Normalbetrachters verborgen bleibt. Er sieht die Menschen und ihre Geschichten und erzählt sie uns mit seinen Fotos.

Jacques Toffi: Immer eine neue Idee

Die Idee zu seiner Fotosammlung unter dem Titel „Hommage Equipment“ kam ihm bei einer St.GEORG Reportage bei Karsten Huck im holsteinischen Borstel. Der Olympiadritte von 1988, inzwischen  ein renommierter Springtrainer, trug ein paar zerbeulte schwarze Stiefel, die sichtbar viel erlebt hatten. Jaques war fasziniert und fragte, ob er die Stiefel fotografieren dürfe, unter Studiobedingungen. Also pur, mit neutralem Hintergrund perfekt ausgeleuchtet.

Karsten Huck, selbst in seiner Jugend ein passionierter Pferdesportfotograf, stimmte sofort zu. Das Bild war der Anfang. Es entstand die Idee, aus den Requisiten des Reitsports eine Ausstellung zu machen, ein Foto kam zum nächsten, immer mit viel Liebe und Zeitaufwand inszeniert. Jedes für sich ein kleines Kunstwerk, das Zeugnis ablegt von den Spuren, die sich im Laufe eines erfüllte Reiterlebens wie von alleine einstellen.

Nicht immer war es so einfach wie bei Huck, die Besitzer der Requisiten zu überzeugen. Herbert Blöcker zum Beispiel, Holsteiner Urgestein und dreifacher Olympiamedaillengewinner. Kurz vor seinem Tode 2014 entdeckte Jacques Toffi in der Sattelkammer einen alten Springsattel, gut geputzt, mit einem Ledergurt, an einigen Stellen ein wenig ausgefranst, an den Sattelblättern drückten sich die darunter liegenden Nähte ab. Nur sehr schweren Herzens gab Blöcker den Sattel Toffi für die Fototermin in seinem Hamburger Studio mit, schließlich hatte die Springreiterlegende Fritz Thiedemann ihn bei seinen vielen internationalen Einsätzen benutzt. Toffi musste das gute Stück gleich am nächsten Tag wieder zurück bringen.

Im Pferdemuseum in Münster fand er ein ähnlich abgeliebtes Teil, den Sattel, den Halla unter Hans Günter Winkler bei ihren olympischen Goldritten getragen hatte. Und dort konnte er auch den Zylinder mitsamt lederbezogener Zylinder-Box des großen Dressurmeisters Dr. Reiner Klimke ablichten.

Eine Idee kam zur anderen, Gehör fand Jacques Toffi, wie er heute sagt, öfter bei Dressurreitern als bei ihren Kollegen aus dem Parcours. Und Helfer, die Türen öffneten, gab es auch, in Ruth Klimke, ihre Freundin Anka Jansen und Tina Schockemöhle, der jüngsten Tochter des Olympiasiegers von  1976, Alwin Schockemöhle. Auf diese Weise kamen die Stiefel der beiden Schockemöhle-Brüder in die Sammlung, die von Paul hatten drei Europameisterschaftstitel mitgewonnen. Und seine verbeulten Chaps mit den Initialen P.Sch. waren damals die ersten, die in Deutschland gesichtet wurden. Inzwischen sind die  umschnallbaren Lederhosen für den schnellen Proberitt, die ruckzuck über die Jeans gestreift werden konnten, schon wieder die Mode von vorgestern.

Nur wenige Stiefel sind ordnungsgemäße auf Blöcke gezogen, von Polospieler Addi Darboven und von Achaz v. Buchwaldt, dem zweifachen Derbysieger zum Beispiel. Ein hanseatischer Gentleman weiß halt, was er seinem Ruf und seinen  Reitstiefeln schuldig ist.

Ein großer Reisekoffer bietet die Kulisse für die vielgetragenen Stiefel von Multi-Olympionikin Isabell Werth. „Sie ist ja wirklich viel in der Welt herumgekommen“ sagt Jacques Toffi. Die Risse im Leder zeugen von Schweiß und Trainingsfleiß und haben einen gewissen Kultstatus erreicht. Auch Isabell gab sie nur ungern für das Foto aus der Hand, Jaques versprach, sie zum Turnierbeginn in Neumünster wieder mitzubringen. Als er in die Holstenhalle kam, flog ihm schon ganz aufgeregt Isabells Mäzenin Madeleine Winter-Schulze entgegen. „Wo sind die Stiefel?“, rief sie schon von weitem. „Ich glaube, ich habe sie vergessen“, sagte Jaques, um, kurz bevor Madeleine in Ohnmacht fiel, sie zu beruhigen und die guten Stücke aus dem Auto zu holen.

Ein besonders Foto ist dem 2016 im Alter von 100 Jahren verstorbenen Reitmeister Paul Stecken gewidmet. Ein paar Jodhpur-Stiefel auf einem Stapel von Büchern, Standardwerke der Reitkunst. Sie erzählen von einem Mann der Reitsportgeschichte geschrieben hat, als Mahner und Warner, als Verteidiger der klassischen Reitkunst.

So erzählt jedes Foto eine Geschichte. Eigentlich sollte eine Ausstellung daraus werden, aber Corona kam dazwischen. Jetzt liegen die 31 Bilder als Fotowerk vor, für das der Titel Coffee Table Book viel zu banal ist. Soviel Kreativität und handwerkliche Sorgfalt haben ihren Preis.


Hommage Equipment kostet 270 Euro und ist hier zu beziehen, oder über
Jaques Toffi
Beselerstr. 27A
2607 Hamburg
Telefon mobil: +49 (0)172 40 21 43 6,
E-Mail: [email protected]



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