Blog 1 aus Luhmühlen über Olympia-Hoffnungen, ungebetenen Besuch und Eindrücke vom Gelände

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Olympiamaskottchen meets Willberry Wonder Pony … (© Herrmann)

Gabriele Pochhammer ist im Gelände der Vielseitigkeits-EM von Luhmühlen auf verborgene Schätze gestoßen. Weniger verborgen waren – leider! – die Schätze, die man bei Olympiareiterin Dr. Annette Wyrwoll auf dem Campingplatz fand.

Das war ja schon mal ein guter Anfang. Nach zwei Pferden rangieren die Deutschen an zweiter Stelle bei der Europameisterschaft Vielseitigkeit in Lühmühlen und die starken Paar, Michi Jung mit Chipmunk und Ingrid Klimke mit Hale Bob kommen ja noch. Das Wetter hat sich eingependelt, von glühender Hitze gestern nachmittag, Sturzregen heute morgen zu nettem Spätsommerwetter mit Wölkchen und Brise.

Luhmühlen ist in diesen Tagen der Szene-Treff der Buschwelt. Nicht nur Europäer tummeln sich in der Heide, Ich traf auch Andrew Nicholson, den ja die Schweizer als Trainer den Deutschen vor der Nase weggeschnappt haben. Sie versuchen hier noch, sich mit Hilfe des Neuseeländers für Tokio zu qualifizieren. Zwei Plätze werden hier vergeben.

Auch Australier Andrew Hoy (6O), vor zwei Wochen noch in Tokio beim Test Event unterwegs, schaut sich in der Heide um, er ist bester Dinge, freut sich über die Geburt seines Sohnes, der auf die geradezu royalen Namen Oscar Louis Frederic getauft werden soll. Wird ja auch nicht jeder im letzten Lebensdrittel nochmal Vater.

Nicht zu gut drauf ist Dr. Annette Wyrwoll. Während sie zum Duschen war, wurde aus ihrem Wohnmobil ihre Handtasche gestohlen. Die Tasche wurde wenig später auf dem Gelände gefunden mitsamt Ausweisen und Karten, aber die 700 Euro Bargeld waren futsch. Auch in andere Wohnmobile wurde eingebrochen. „Ich übernachte seit 40 Jahren hier auf dem Campingplatz in Luhmühlen“, sagte Annette. „Nie ist was passiert.“

Übrigens hatte sie einen Hund dabei, aber der gab keinen Mucks von sich. Mit dem würde ich mal ein ernstes Wörtchen reden.

Erste Eindrücke aus dem Gelände

Heute über Mittag fuhr uns – eine kleine Journalistentruppe – der britische Parcourschef Mike Etherington-Smith zu den Hotspots der Geländestrecke. Es geht genau andersherum als beim Fünfsterne-Event im Juni.

Alles sieht sehr schmuck aus, aber bei näherer Betrachtung sind doch knifflige Aufgaben zu lösen, vor allem an den drei Wasserstellen. Viele Hecken, die oben nachgeben. „Forgiving“, sagen die Briten, Fehler werden nicht so gnadenlos geahndet wie bei festen Balken.

Wer heute verantwortlich einen Geländekurs gestaltet, steht unter Beobachtung. „Sicherheit und das Wohlergehen der Pferde hat erste Priorität“, sagte Mike, Aufbauer zweier Olympischer Spiele, 2000 in Sydney und 2008 in Hongkong. „Es muss immer noch Spielraum sein, falls Reiter Fehler machen.“

Sechs Hindernisse sind mit dem Sicherheitssystem MIM ausgestattet, auch ein Tisch. Bei diesem System löst sich bei hartem Aufprall die Befestigung des Hindernisses, dadurch soll ein Sturz verhindert werden. Wenn es nach Mike ginge, hätte jedes Hindernis, bei dem das technisch möglich ist, das MIM-System. Er ist Mitglied der „Risk Managing Steering Group“, die sich damit beschäftigt, wie man Unfälle in  der Vielseitigkeit verhindern kann.

Dazu gehört außer einem pferdegerechten Aufbau auch die Einschätzung der Kompetenz eines Reiters. Da ist der selbst ja oft die schlechteste Adresse. Konkret heiß das, dass Reiter, die häufiger stürzen oder Unzulänglichkeiten erkennen lassen, erst mal wieder heruntergestuft werden.

Neben den drei Wasserstellen ist auch die Wellenbahn wieder reaktiviert worden. Als letztes Element steht dort ein Tiefsprung über eine Mauer hinweg. Einst von Wolfgang Feld für die WM 1982 konstruiert, hat Felds Nachfolger sie einfach vergraben. Jetzt ließ Mike sie wieder ausbuddeln – ein echter Hingucker.

Interessant auch immer wieder das Coffin, ein schmaler trockener Graben mit Hindernis davor und dahinter, mit dem sich merkwürdigerweise viele Pferde schwer tun, dabei könnten sie über den Graben traben.

Das Coffin darf in England nicht mehr so heißen, sondern wird jetzt einfach „Loch“ (Hole) genannt. Coffin heißt ja zu deutsch „Sarg“ und irgendwie war das nicht mehr pc, also political correct. In Deutschland ist es egal, da kennen die wenigsten die makabere Bedeutung des Wortes „Coffin“.

Trainerfragen

Die Deutschen, die ja mit zwölf Leuten eine starke Truppe bilden, werden gleich von drei Trainern betreut. Außer Bundestrainer  Hans Melzer gehen auch der Aachen-Parcourschef Rüdiger Schwarz und Peter Thomsen mit den Reitern den Kurs ab. Der Name von Peter Thomsen fällt immer öfter, wenn von der Nachfolger-Suche für Hans Melzer die Rede ist, der ja bekanntlich nach Tokio aufhören will. Und dass der 58-Jährige vielfache Championatsreiter Thomsen junge Leute motivieren kann, sieht man ja an seiner eigenen Tochter Kaya, eine der besten deutschen Nachwuchsreiterinnen im Busch.

Als Trainerin der Holländer versucht Bettina Hoy, ihr Team noch für Tokio zu qualifizieren, wie sieben andere auch. Persönlich muss sie gerade den Verlust ihres Vaters verschmerzen, der vor einigen Wochen im Alter von 90 Jahren verstorben ist. Wer lange genug in der Szene unterwegs ist, weiß wie sehr Eduard Overesch seine Tochter im Sport begleitet hat, als Ausbilder und als Pferdebeschaffer. Sie weiß, dass sie ohne ihn womöglich niemals diese außergewöhnliche Karriere hätte einschlagen können.

 


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  1. Horst Müller

    Trainerfragen-Nachfolge-Suche

    Wie wichtig es für die deutschen Kaderreiter ist einen Geländetrainer zu bekommen, hat sich seit dem Weggang des Erfolgstrainers Christopher Bartle gezeigt.

    Bis heute haben es die Verantwortlichen nicht geschafft für einen Ersatz zu sorgen.

    Einen Nachfolger für den Motivator und Organisator Hans Melzer zu bekommen, dürfte nicht so schwierig sein.

    Das diesen „Job“, wie Frau Pochhammer schon einmal andeutet, auch der vielfache Championatsreiter Peter Thomsen ausüben könnte, mag sein, bestehen doch viele Paralellen zu seinem Vorgänger, was Pferdehandel und die Ablieferung von Streichergebnissen bei Championaten betrifft.

    Bei der Teilnahme an 14 (in Zahlen: vierzehn) Championaten hat er nie zu anrechenbaren Ergebnissen beigetragen, lässt sich aber immer gern als „Doppelmannschaftsolympiasieger“ betiteln, was ihm natürlich nach Reglement auch zusteht.

    Dieser „Spaß“ ist dann in Tokio bei drei Mannschaftsteilnehmern je Nation und dem Wegfall von Streichergebnissen vorbei.

    • H. Sieg

      Hallo Herr Müller, ich schlage Sie als Bundestrainer-Nachfolger vor. Sie können in der von Ihnen so herzlich beklagten Misere des deutschen Reitsports es einfach nur besser machen.

      Sie bewerben sich doch hoffentlich, oder?

      • Horst Müller

        Sehr geehrte Frau Sieg,
        Ihr Einsatz mich als Bundestrainer vorzuschlagen ehrt mich, doch ich erfülle nicht das Anforderungsprofil.
        Erkenne leider nur die nicht reglementkonformen Verstöße, von denen eine Vielzahl von Pferdeleuten betroffen ist.

    • A.Wachsmann

      Wenn man als Einzelreiter startet, liegt es in der Natur der Sache, dass man zum Mannschaftsergebnis nichts beiträgt.
      Selbst wenn man in der Endabrechnung auf Platz 5 (EM 2013 Malmö), Platz 6 (WM 2014 Caen), oder Platz 10 (EM 2015 Blair Castle) landet.

      • Horst Müller

        Ganz richtig Frau/Herr? Wachsmann.

        Streichergebnisse entstehen nur in einer Mannschaft.

        So wie in dem von Ihnen beschriebenen Fall 1994 bei der WM in Den Haag als die Mannschaft die Bronzemedaille gewann und das Pferd bzw. der Reiter durch Sturz ausscheiden musste.

        Dann beim Gewinn der Mannschaftsgoldmedaille bei den OS in Hongkong 2008 mit einem 37. Platz und nochmals bei den OS in London 2012 mit einem 31. Platz.

        Oh, Entschuldigung hätte fast die Mannschaftssilbermedaille bei der EM 1999 vergessen, wo Reiter und Pferd ebenfalls ausgeschieden waren.

        Dieses bedeutet summa summarum den Gewinn von vier Championatsmedaillen alle als Streichergebniss ohne eigenes Zutun.

        Verstehen Sie bitte richtig, Sie haben gefragt, ich habe geantwortet.

  2. Luisa

    Muss man denn immer gleich selbst Olympiasieger sein, nur weil man mal unverblümt
    sagt was Sache ist?
    Er hat doch recht und ich finds gut, dass mal einer Deutsch redet.

  3. Gitte

    … Luisa, Sie haben völlig recht.
    (Nicht nur) Im Pferdesport wird so mancher lukrative Job „unter Freunden“ vergeben bzw. verteilt. Eine Hand wäscht eben die andere.

  4. Rainer Leymann

    Traurig, dass Herr Müller seine persönlichen Differenzen mit Peter Thomsen immer wieder offentlich austrägt.
    Es wird nie einen zweiten Chris Battle geben, seien wir dankbar, dass er die deutsche Vielseitigkeit an die Weltspitze geführt hat.
    Andrew Hoy war in Luhmuhlen mit dem spanischen Team. Das wäre für mich ein interessanter Kandidat

  5. I.B.

    Was Herr Müller in diversen einschlägigen Foren betreibt, ist oftmals nah an übler Nachrede und Verleumdung. Da trollt ein – zugegeben mit gewissen Fachkenntnissen und Hintergrundwissen ausgestatteter – frustrierter Ex-Pferdebesitzer aus Langeweile und Rachegelüsten die Szene im Internet, weil er es sich im Reallife scheinbar so mit allen Leuten verdorben hat, dass er dort kein Gehör mehr findet. Teils anonym, teils nach Account-Sperren mit dem x-ten Neu-Account, ab und an sogar unter Echtnamen. Aber zuverlässig an seiner Art erkennbar. Immer gegen die Verantwortlichen bei der FN, immer gegen den aktuellen Bundestrainer und aktuell immer deutlicher und klarer – wie von Rainer Leymann thematisiert – im persönlichen Kleinkrieg gegen Peter Thomsen. Vielleicht kann man ja bei der St. Georg mit gutem Beispiel vorangehen und eben diese persönlichen Angriffe auf einzelne Personen schnellstmöglich aus den Kommentaren entfernen und nur sachlich-objektive Beiträge von Herrn Müller, gerne auch seine informativen Statistiken – sofern diese nicht wie üblich mit vernichtenden Kommentaren „gewürzt“ sind – stehen lassen?

    • Horst Müller

      L.B. der anonyme Ankläger?

      Beweisbare, klare nachvollziehbare Fakten, die dem Sport nicht förderlich sind, lassen sich nicht verleugnen, sind nachvollziehbar und können helfen Unzulänglichkeiten zu verhindern.

    • Horst Müller

      Noch eben eine Anmerkung zu dem anonymen Schreiberling.

      Mir hier anonym einen Straftatbestand (üble Nachrede/Verleumdung) unterstellen zu wollen, ist ungehörig.

      Da erscheint es doch weitaus harmloser, wenn man mich als frustrierten Ex-Pferdebesitzer, der aus Langeweile und Rachegelüsten die Szene im Internet trollt, bezeichnet.

      Bin übrigens immer noch im Pferdebesitz habe kaum Langeweile und freue mich ständig noch über die Erfolge meines jüngst verschenkten Pferdes, was absolut nicht zu Frust führt.
      Über meine alten Freunde, die ich auch immer noch besitze, gebe ich jetzt einmal keine Auskünfte, kommen diese vielleicht durch diesen anonymen Schreiberling ebenfalls in Misskredit.

      Ist ein Account-Wechsel in Foren nicht zugelassen, habe ich wirklich etwas falsch gemacht. Hatte tatsächlich schon mal von HM (Anfangsbuchstaben meines Namens, übrigens auch die des Bundestrainers) zu longhorst (meine E-Mail-Adresse) gewechselt.

      Die verantwortlichen der FN, wozu auch der Bundestrainer zählt und wohin „mein“ früher einmal unterstützter Reiter „aufsteigen“ könnte, haben wiederholt gegen Reglement/Bestimmungen verstoßen.

      Dieses ist keine üble Nachrede und keine Verleumdung, sondern Fakt, hatte ich die verantwortlichen Personen auch persönlich davon informiert. Der Schriftverkehr liegt mir fein säuberlich abgelegt immer noch vor.

      Über die gemachten Ausführungen des anonymen Schreiberlings kann man nur lachen, wären die Sachverhalte nicht so ernst.


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