Blog 2 aus Göteborg: 23. Stockwerke, ein Fohlen von Belladonna und hübsche spanische Väter

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Gabriele Pochhammers Notizen vom Weltcup-Finale 2019 Göteborg (© Pauline von Hardenberg)

Beim Absacker im 23. Stockwerk hat St.GEORG-Herausgeberin Gabriele Pochhammer gestern Nacht noch das ein oder andere interessante Gespräch geführt.

Gestern war ein langer Tag, bis fast in die Nacht wurde im Scandinavium gesprungen. Im „Heaven 23“ dem Restaurant im 23. Stock traf sich die Szene dann noch auf einen Absacker. Etwa die große Mäzenin des Pferdesports Madeleine Winter-Schulze, bestens aufgelegt nach dem planmäßigen Sieg von Isabell Werth im Grand Prix, begleitet von den Bundestrainern Monica Theodorescu und Jonny Hilberath. Die mussten zu ihrem Leidwesen schon heute morgen wieder um sechs in der Halle stehen, so war die Trainingszeit fürs deutsche Team eingeteilt.

Den Spanier Eduardo Alvarez Aznar, der jetzt im Springreiter Weltcup vorne liegt, hatte keiner so richtig auf der Pfanne. Dabei war er im letzten Jahr schon Vierter in Paris. Die Grufties unter uns erinnern sich noch an den wahnsinnig gutaussehenden Vater Luis Alvarez Cervera. Da kommt, ehrlich gesagt, der Sohn nicht ganz mit. Alvarez Cervera ritt bei den Olympics 1992 in Barcelona Springen und Vielseitigkeit, war im Busch Siebter mit Mr. Chrisalis. Habe nie einen eleganteren Menschen zu Pferde gesehen. Jetzt trainiert er die Neuseeländer. Gute Wahl.

Beim Frühstück im Hotel schaute FEI-Tierarzt Gerrit Matthiesen vorbei, Spezialist in Sachen Wärmebildkamera. Da gab es hier nämlich eine Fortbildung für die Kollegen aus fernen Ländern, damit auch sie mit dem Gerät umgehen können, das zeigen soll, ob die Pferdebeine künstlich sensibilisiert wurden. Ob der ganze Aufwand was bringt, hat sich mir noch nicht erschlossen. Aber vielleicht wirkt ja schon die Ankündigung der Kontrollen. Gerrit Matthiesen gab seinem Unmut Ausdruck, dass das Hahnentritt-Pferd Pebbles der Belgierin Gudrun Patteet bei der Vet-Kontrolle überhaupt noch in die Holding Box kam und nicht gleich nach Hause geschickt wurde. Noch besser wäre gewesen, er wäre gar nicht erst gekommen, dann hätte Marcus Ehning noch nachrücken können.

Hatte auch eine nette Tasse Kaffee mit Karl Schneider aus Bonn-Rodderberg. Dort wo früher jedes Jahr eine große Vielseitigkeit stattfand und die Buschis wegen der konditionsfördernen Hügel immer noch gerne vor Championaten üben, hat er seinen Stall, in dem inzwischen auch der Schwede Henrik von Eckermann und seine Schweizer Verlobte Jannica Sprunger trainieren. Beide wollen irgendwann was Eigenes auf die Beine stellen. Wahrscheinlich auch im Großraum Rheinland – Belgien– Holland, dort wo sich der Springsport immer mehr konzentriert, wo jede Woche internationale Turniere veranstaltet werden. Karl Schneider ist inzwischen eine feste Größe im internationalen Pferdehandel, hat unter anderem Mary Lou, die er auch selbst geritten hat, an Eckermann gegeben. Er hat auch Belladonna von Meredith Michaels-Beerbaum an einen jungen Reiter aus Katar vermittelt. Die Holsteiner Baldini-Tochter ist inzwischen in der Zucht, auf einem Gestüt der Kataris in der Nähe von Euskirchen. Soll ein gutes Fohlen von Cornet Obolensky haben (per Embryo-Transfer).

Eine Handvoll von Händlern in Europa lebte von den wohlbetuchten Reitern aus anderen Kontinenten. Auch in Göteborg finden sich prominente Namen, wie die von Eve Jobs, jüngste Tochter des 2011 verstorbenen Apple-Erfinders Steve Jobs. Wenn die bildhübsche 20-Jährige nicht reitet, studiert sie in an der Eliteuni in Stanford Wirtschaftslehre. Sie gilt als höchst durchsetzungsfähig. Wenn sie ihren vielbeschäftigten Vater sprechen wollte, bestand sie darauf, dass seine Sekretärin es in seinem Terminkalender vermerkte, berichtet ein Jobs-Chronist. Sie wird von Eddie Macken, der irischen Ikone der 1980-er Jahre trainiert. Die Vorstellungen in Göteborg laufen wohl noch unter Erfahrung sammeln, in die Entscheidung eingreifen konnte Eve auf der 14-jährige Venue d’Fees des Hazalles noch nicht. Genauso wenig wie Georgina Bloomberg, auch eines der Golden Girls des internationalen Springsports. Sie ist die Tochter des früheren New Yorker Bürgermeisters, der in den einschlägigen Listen auf Platz elf der reichsten US-Bürger geführt wird Die 36-Jährige gibt als Beruf außer Profi-Reiterin auch „Philanthropin“ an. Das äußert sich unter anderem darin, dass sie einen ganzen Zoo hilfebedürftiger Tiere ihr Eigen nennt, Hunde, Katzen und eine Ziege. Sie gehört zu den einflussreichsten US-Reiterinnen, finanziert ein Team der Global Champions League, das Team New York Empire. Fünf Millionen Euro müssen berappt werden, wenn eine Mannschaft zwei Jahre lang an der internationalen Serie teilnehmen will.

Bevorzugter Tummelplatz der springreitenden Jeunesse Doree sind die Turniere in Wellington, Florida, die im Winter auch gerne von europäischen Reitern besucht werden. Hier können die reichen Töchter in vielen Parcours Erfahrungen sammeln. Doch mit dem wirklichen Leben werden sie erst auf den großen europäischen Turnieren konfrontiert. Wie beim Finale der Weltcup-Serie, in das man sich nicht einkaufen, sondern nur hineinreiten kann. Und manchmal stellt man fest, dass der professionelle Spitzensport doch noch eine andere Welt ist. Die Pferde zeigen jedem, wo er steht. Vielleicht ist das ihre Faszination für die, sie sonst alles haben.


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