Blog 2 aus Luhmühlen: K.o.-Spray, Vorbereitungen auf den großen Tag und mehr

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Teamwork makes the dream work – morgen wird es ernst für die Deutschen, die nach der Dressur in Führung liegen. (© Pauline von Hardenberg)

Gabriele Pochhammer leistet Abbitte und hat sich mit den Reitern über ihre Vorbereitungen fürs Gelände und ihre Meinung zum Kurs unterhalten bei den Vielseitigkeitseuropameisterschaften in Luhmühlen.

Als erstes muss ich mich bei dem Hund von Dr. Annette Wyrwoll entschudigen. Ich habe ja bemängelt, dass er kein bisschen angeschlagen hat, als sich der Räuber nachts in den Wohnwagen der Tierärztin geschlichen und die Handtasche entwendet hat. Jetzt liegt die Vermutung nahe, dass der Täter mit Betäubungsspray gearbeitet hat. „Als ich morgens aufwachte, hatte ich einen fürchterlichen Brummschädel“, sagt Anette. „Ich dachte noch, soviel hast Du doch gar nicht getrunken ….“ Und auch der Hund schien etwas beduselt. Dann hörte Anette von einem Campingplatz-Nachbarn, dass auch sein Hund, der als rattenscharf und laut gilt, keinen Mucks gesagt hat, als die Räuber kamen. Besser k.o gesprüht als k.o. geschlagen, dachte Annette, die coole Socke, pragmatisch.

Am Rande des Vierecks stand Betty Hallwag mit ihrer Videokamera und filmte jeden Galoppwechsel. Als Videobeweis. Falls ein Reiter meint, die Richter hätten nicht richtig hingeguckt und ihr Pferd sei hinten gar nicht nachgesprungen. So können fruchtlose Diskussionen vermieden werden. Betty Hallwag aus Gummersbach übrigens ist selbst Vielseitigkeitsreiterin, bekam vor ein paar Wochen ihr Goldenes Reitabzeichen für Erfolge in Springen und Vielseitigkeit.

Die Zeit entscheidet

Wenn man den Reitern zuhört, freuen sie sich auf den Kurs morgen. Er wird als championatswürdig aber machbar eingeschätzt. Wie so oft, wird die Zeit entscheiden. Manche finden, es gebe zu viele Tiefsprünge bei der 5800 Meter langen Strecke mit 26 Hindernissen und 40 Efforts. Was es gar nicht mehr gibt im internationalen Geländesport, sind In-Out-Hindernisse, also zwei Sprünge so dicht hintereinander, dass das Pferd keinen Galoppsprung dazwischen macht. „Sie sind eindeutige Unfallquellen“, sagt Chefrichter Martin Plewa und zählt mindestens fünf Fälle auf, in denen Reiter und/oder Pferd bei In-Outs schwer zu Schaden gekommen sind.

Wer die Sightseeing-Tour über die Alternativen macht, wird deutlich länger unterwegs sein als 10:10 Minuten erlaubte Zeit. Deswegen heißt bei den meisten Reitern Plan A: Geradeaus und rüber. Aufbauer Mike Etherington-Smith rechnet mit sechs Nullern, Michi Jung mit mehr.

Individuelle Vorbereitungen

Jeder bereitet sich anders vor auf den großen Geländetag morgen. Ingrid (Klimke) ist schon viermal durch den Kurs gelaufen, einmal ganz früh morgens, nur begleitet von einer Freundin. Ein Fitness-Programm hat sich damit ja erübrigt. Morgen verfolgt sie die ersten Ritte auf dem Fernseher , geht dann zu Bobby und schaut ihm nochmal tief in die Augen, bevor es losgeht. Druck lastet auf allen, die morgen für Deutschland ins Gelände gehen.

„Aber es ist auch schön zu wissen, wie viele Menschen hier mitfiebern“, sagt Michi. Zwar hat er seinen Chipmunk erst ein paar Monate, „aber schon jetzt haben wir toll zusammen gefunden“, sagt er von dem elfjährigen Contendro I-Sohn. „Ein tolles Pferd, toll ausgebildet.“ Wie wir wissen von Julia Krajewski, die das Feld nach der Dressur bei den Weltreiterspielen in Tryon anführte, mit 19,7 Punkten. Auch wenn ein Pferd von einem Weltklassereiter zum nächsten wechselt, muss es sich umstellen.

„Der Stall ist anders, das Training ist anders“, sagt Michi. „Wir haben ein hügeliges Gelände, anders als in Warendorf.“ In der westfälischen Reitermetrople ist es nämlich topfeben. Als Chipmunk im Stall Jung ankam, ging es vor allem darum, dass er sich wohlfühlt. „Erstmal haben wir nur ein paar Cavaletti gesprungen oder über einen kleinen Baumstamm ins Wasser. Man muss herausfinden, ist das Pferd schüchtern oder voll Power – das Pferd gibt das Tempo vor.“ Das muss bei Chipmunk ziemlich flott gewesen sein. Erst war ja gar nicht von der EM, sondern nur von einer Saison des gegenseitigen Gewöhnens die Rede gewesen. Aber dann wurden die beiden jetzt schon gebraucht.

Shoppingspaß

Zwischen den Dressurritten habe ich die Zeit genutzt, einmal die Ausstellung entlang zu bummeln. Viele alte Bekannte, alles, was des Reiters Herz begehrt, nicht nur, wenn er auf dem Pferd sitzt. Endlich ist auch meine Freundin Öne v. Lancken mit ihrem schönen Porzellan wieder hier, beste Gelegenheit für die ersten Weihnachtsgeschenke. Zu ihr gesellt hat sich ihre Freundin Johanna v. Gilsa, die von Öne entworfene Stoffe zu abgefahrenen Taschen und Täschchen gestaltet. Da muss ich nochmal hin. Jetzt ist aber Schluss, soeben wurde mir von meiner Lieblingskollegin, die mir verboten hat, ihren Namen im Blog zu erwähnen, ein Pimm’s Number one gereicht. Original Englisch mit Gurken, Äpfeln und einem kleinen Zweig Pfefferminz.


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