Blog 2 aus Tryon: Was für ein Tag!

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Grußaufstellung von Julia Krajewski und Chipmunk in Tryon. Die beiden lieferten heute im Dressurviereck eben so ab, wie Isabell Werth und Bella Rose. Aus deutscher Sicht ein rundum gelungener Tag. (© Pauline von Hardenberg)

Dressurgold für die Mannschaft und eine Sternstunde von Isabell Werth und Bella Rose – es gibt Tage, da können einen weder Baukräne noch Hurrikans schrecken, die sind einfach nur schön. Das war heute so ein Tag.

Zu sehen, wie Isabell Werth mit dem Pferd ihres Herzens einritt und die Stute durchs Viereck tanzen ließ, das sind dann nicht nur Höhepunkte für die Sportler, ein bisschen auch für die Reporter, die dies hautnah miterleben dürfen. „Ist doch schön, wenn der Plan aufgeht“, grinste Bundestrainerin Monica Theodorescu. Der Plan, statt der braven, sicheren Weihegold die kapriziöse Bella Rose mitzunehmen. Und je mehr Zweifel an dieser Taktik im Hintergrund gegrummelt wurden, umso motivierter war Isabell, das Gegenteil zu beweisen. Jetzt erst recht! Das muss eigentlich jeder wissen, der sie kennt.

Die Tribüne wimmelte von Rothemden. Die Reiner waren da, die Buschis, die Paras und natürlich die ganze Warendorfer Clique. Alle hatten Fähnchen dabei und wollten miterleben, wie Isabell Werth ihren Traum verwirklichte, noch einmal mit diesem Pferd ganz oben zu stehen. Zwei Entscheidungen kommen ja noch, Freitag der Grand Prix Special und dann die Kür. Sie war ursprünglich für Sonntag angesetzt, aber es wird gerade überlegt, sie auf Samstag zu verlegen, weil die Ausläufer von Hurricane Florence drohen in Form von tagelangem Regen. Und der Boden kann nicht mehr viel vertragen, es hat hier im Frühjahr und Sommer schon soviel Wasser gegeben. Für die Buschreiter könnte das katastrophal werden, wenn am Samstag am Geländetag der Himmel seine Schleusen öffnet.

Was sah ich als erstes, als ich heute morgen im Pressezentrum ankam? Eine Luhmühlen-Fahne auf der Veranda des Restaurants „Legend“ gegenüber. Sie sind da, die Busch-Fans aus Deutschland, es kann also losgehen. Rolf und Ulla Seidel, Anna Melzer, Albertine von Barsewisch. Heute waren Kai Rüder und Julia Krajewski dran, haben sich toll geschlagen, vor allem Julia. Morgen sind die anderen drei dran, Andreas Dibowski, Ingrid Klimke und Sandra Auffarth. Die Strecke wollen wir uns heute ansehen. Unser Parkplatz steht mal wieder unter Wasser, wie gesagt, wenn es hier regnet, dann richtig.

Und dabei ist Hurricane Florence noch nicht mal da, obwohl ständig vom ihm gesprochen wird. Zwar heruntergestuft von Stärke 4 auf 3, wird ihm doch noch Übles zugetraut, neben Starkregengüsse und Wind bis 100 Meilen/Stunde, das sind 170 Stundenkilometer. Ich bin ja von Schleswig-Holstein einiges gewöhnt, aber ab 120 km/h fallen bei uns die Bäume um. Einigen bricht jetzt schon der Angstschweiß aus, wenn sie an die Bilder denken von Leuten, die inmitten einer Wasserwüste hilfesuchend auf den Dächern ihrer Häuser stehen. Erste Devise: Handy immer vollladen und gucken, ob genügend Kerzen da sind. Rund um die Uhr werden im Fernsehen die Leute gewarnt, die nächsten Flughäfen, Charlotte und Greenville haben bereits Flüge gestrichen.

Unsere kleine Holzhütte, die wir in 15 Kilometer Entfernung bei einem pferdezüchtenden Ehepaar mieten konnten, steht zum Glück auf einem Hügel. Gestern haben wir den Haushalt vervollständigt. Es gab nämlich weder Wasserkocher noch Heizplatte. Plus Fön waren das 37 Dollar, da kann man nicht meckern. Da wir konsumtechnisch in einer Wüste leben, wenn auch in einer sehr malerischen, bewaldeten, hat der Kollege von sid die Einkäufe übernommen. Im Walmart. Dort kaufen die deutschen Dressurreiter das Wasser für Cosmo und Dalera. Das gechlorte Leitungswasser lehnen die nämlich ab und rümpfen die Nüstern. Was man verstehen kann, wir trinken auch nur Wasser aus Flaschen und wollen keine Chlorhähnchen essen.

Wir warten immer noch auf die Ergebnislisten vom abgebrochenen Distanzritt. Denn irgendwelche Ergebnisse gab es ja zu dem Zeitpunkt, vor allem wie viele und welche Pferde bis zum Zeitpunkt des Abbruchs schon ausgeschieden waren und aus welchem Grund. Kein Mensch fühlt sich zuständig, es verdichtet sich der Verdacht, dass man die Listen verschwinden lassen will. Was einen ja auch nicht wundern würde.


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