Blog 2 vom Weltcupfinale Las Vegas: Flugzeuge, die durchstarten und das Lebensmotto „The Show must go on“

Showtime! Welcome to Las Vegas, geritten wurde auch

(© Pauline von Hardenberg)

Aktive Lebenshilfe vom Busfahrer, Sandstürme, Lederhosen und morgendliches Training plus eine Version der Nationalhymne, die selbst die Eingeborenen zur Toleranz mahnte und eine bayerische Reiseleiterin

Ich dachte ja, ich hätte eine turbulente Anreise gehabt, aber da lag ich wohl falsch. Ich musste zwar rennen, um den jeweiligen Flieger nach Las Vegas zu bekommen, aber immerhin landete der letzte der Flüge dann auch tatsächlich in diesem Glühbirnenparadies. Dann ging es einigen, die einen halben Tag früher ankamen anders. Ganz anders. Der Grund: ein Sandsturm. Einige Maschinen wurden umgeleitet, unter anderem auch die Maschinen, in denen Springbundestrainer Otto Becker und der Brite Carl Hester saßen. Becker traf es besonders hart, er war schon fast unten, dann startete die Maschine durch, landete in Ontario, zum Tanken, und dann schließlich in Los Angeles. Dort gab es von der Fluggesellschaft äußerst präzise Angaben. Schon möglich, dass es ein Hotel gibt, nicht vollkommen auszuschließen, dass eventuell ein Sitzplatz auf der nächsten Maschine nach Las Vegas am kommenden Morgen frei sein. Mal sehen. Derart vage Aussagen verpflichten zum Handeln. Becker schnappte sich einen Mietwagen und fuhr in Richtung Vegas, Fahrzeit: vier Stunden. Ähnlich verfuhr Hester, der aber dem Vernehmen nach etwas hektisch wurde, als nach zwei Stunden Fahrtzeit immer noch kein Schild auftauchte, das auf Las Vegas hinwies. Immerhin hat die Spielerstadt in Nevada, in der man erst mit 21 Jahren Alkohol trinken darf, zwei Millionen Einwohner. Diese Info verdanke ich Jonathan. Er war gestern Nacht mein Busfahrer, er fuhr den letzten Shuttle. Ich war allein. Der Rest der Kollegen war schon vorher los. Ein Bus für mich alleine, kein schlechtes Gefühl in einer Stadt, an der an jeder Straßenecke Stretchlimousinen (mein Sohn würde vor Verzückung jauchzen und frohlocken) unzählige Menschen ausspucken, die dann eines der Casinos und eine der Shows ansteuern. Jonathan findet Germany toll, seine Schwester war mal da. Da gibt es doch diese komplett vergoldete Kirche, erzählt er. Hmm?, denke ich. Das könne sein, sage ich, vermutlich läge die dann aber im Süden, Bavaria you know!? Klar kennt er das, schließlich gibt es ja auch in Las Vegas ein Hofbräuhaus mit Original German Bierfest. Und seine Schwester habe ihm auch eine, how do you say? Lädierhooßie?. Yes, Lederhose, thats Bavaria. We in Hamburg dont wear this! Findet Jonathan sympathisch, er fand sie doch sehr unbequem. Sagts und tritt auf die Bremse. Vor uns stöckelt eine junge Dame, die recht weit entfernt von Size Zero ist in einem viel zu kurzen Hauch von einem Nichts über den Boulevard. Schulterfrei. Aber ausreichend dekoriert, die Tatöwierer müssen schon viel Geld an der Dame verdient haben. You know, man, the more tatoos the bigger the butt je mehr Tatoos, desto dicker der Hintern. Von Jonathan lernen, heißt fürs Leben lernen.

Der Sandsturm muss für die Pferde beängstigend gewesen sein. Jessi v. Bredow-Werndl hat ein Video gezeigt, in dem man sieht wie die Dachplanen des Abreitezelts bedenklich flattern. Aber wir sind in Las Vegas, The show must go on. Das ist das Motto, das wird durchgezogen. Knallhart. Vor jeder Prüfung intoniert ein Showstar die Nationalhymne. Gestern war ein Lady Gaga-Double dran, die knödelte und phrasierte so dermaßen anstrengend, dass man sich die Performance bei Deutschland sucht den Superstar und vor allem die Beurteilung durch Kunstkritiker Dieter Bohlen gewünscht hätte. Das war zumindest wenig Lady und viel Gaga!

Feuerwerk, Lasershow und in den Pausen fängt die Kiss Camera Paare auf der Tribüne ein, die, sobald sie sich auf dem Videowürfel in der Hallenmitte sehen, hemmungslos knutschen, angefeuert von den euphorisierten Maßen. God bless America!

Das Ehepaar Werndl war noch nicht bei der Kiss Camera, aber Micaela Werndl, Jessicas Mutter stöhnt. Unseren Tross zusammenzuhalten, ist nicht einfach. Immer fehlt einer, ich übernehme jetzt die Reiseleitung! Noch hat man sie zwar nicht mit einem kleinen Pappschildchen am Stiel gesehen, Werndl Travels oder Aubenhausen Adventures, aber was nicht ist, kann ja noch kommen. Alle sind zumindest ganz aufgeregt, denn Platz vier trotz Patzern im Grand Prix sind eine super Ausgangssituation. Heute morgen war schon der Soundcheck für die morgige Kür. Erstmals waren Zuschauer, aber nur die Besitzer von VIP-Karten zugelassen. A historic event, historisch, nennt das die Ansagerin. Da hat sie nicht unrecht, ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mich morgens beim Welrcupfinale in s-Hertogenbosch semi-illegal in die Halle vorgekämpft habe, um dort die handwerkliche Vorbereitung der späteren Sieger zu erleben. Das war nicht historisch sondern unterirdisch. Hier hat die Ansagerin vor allem damit zu tun, den bereits morgens um sieben auf den Plätzen sitzenden VIPs zu erläutern, dass eben nicht alle Reiter zum Soundcheck reiten, sondern viele auch einfach nur zu Fuß durch die Halle gehen, um zu hören, wie sich die Musik anhört und wie laut sie sein soll. Jessi ist aber geritten, hat gleich zum Anfang der Kür noch eine Pirouette zusätzlich eingebaut. Sie wills wissen. Die anderen sind lieber draußen geritten. Knallblauer Himmel, durch den nur alle zwei Minuten ein Flugzeug donnert. Der Flughafen ist fünf Minuten entfernt. Das ginge in Deutschland gar nicht, sagt Madeleine Winter-Schulze und schmunzelt bei dem Gedanken an ihre Geburtsstadt Berlin, deswegen werden die Flughäfen bei uns ja auch gar nicht erst fertig. Die Stimmung am Morgen ist entspannt. Warum nur, so die viel gestellte Frage, muss man denn in der Halle reiten.

Einer, der gestern Abend eine der großen Shows besucht hat, ist der Niederländer Edward Gal. Er war bei einer Künstlerin, die auch irgendwie mit Pferden zu tun hat. Vorname: Diana, Nachname: Ross.


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