Blog 3 aus Aachen: Pauls 1,40-Meter Pferd springt höher und Ursula von der Leyen ab

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Ein Pferd, das nicht nur durch seine eigenwillige Springmanier mit manchmal weit ausgreifender Vorhand auffällt: Calisto Blue und Daniel Deußer. CHIO Aachen Nationenpreis 2019 (© von Korff)

Platz zwei im Nationenpreis – das ist mehr, als Paul Schockemöhle dem zwölfjährigen Calisto Blue ursprünglich mal zugetraut hatte. Ein anderes Pferd kam in der gleiche Prüfung erst gar nicht bis zum ersten Sprung. Und auch Ursula von der Leyen war Gesprächsthema in Aachen.

Manchmal ist ein zweiter Platz fast so schön wie ein Sieg, und so war es gestern Abend beim Nationenpreis in Aachen. Da sah man, dass sich auch vermeintlich abgebrühte Profis freuen können wie die kleinen Kinder. Ich habe Christian Ahlmann noch nie so strahlen sehen, wie nach dem zweiten Platz im Nationenpreis. Genauso fröhlich Marcus Ehning darüber, dass seine beiden langjährigen Kumpel wieder mit im Team sind.

Daniel Deußer hatte die Pressekonferenz ganz schnell verlassen, er hatte wohl keine Lust mehr, ständig auf seinen Zeitfehler angesprochen zu werden. Eine Erklärung fiel ihm auch nicht ein, dafür aber Paul Schockemöhle, wie immer in Aachen ein kritischer Beobachter. „Er hat’s verpennt“, sagt der dreifache Europameister, der Deußer Calisto Blue übrigens verkauft hat. „So als 1,40 Meter-Pferd“, sagte er. So was nennt man wohl verkanntes Genie. Die Hindernisse im Nationenpreis waren bis 1,60 Meter hoch.

Amerikanerin muss Absitzen

Für die Richter war der Nationenpreis eine echte Herausforderung, vor allem, als die US-Amerikanerin Nicole Shahinian-Simpson angesagt wurde, aber nicht erschien. Sie versuchte, wie berichtet ihre Stute Akuna Mattata zu überreden, die Soers zu betreten. Vergebens, da sich die Diskussion am Einritt direkt unter dem Richterturm abspielte, konnte die Jury nicht sehen konnte, was los war.

Per Anruf bat Equipechef Robert Ridland um die Erlaubnis, dass das Pferd hereingeführt wird und die Reiterin erst dann aufsitzen darf. Das wurde genehmigt, aber noch immer erschien niemand. „Wir wollten nicht gleich die Glocke läuten, nicht zu streng sein. Es hätte ja auch sein können, dass der Einritt durch einen Kinderwagen oder ähnliches blockiert war,“ sagte Chefrichter Stefan Ellenbruch.

Doch das einzige, was der Stute im Weg stand, war ihr Dickkopf. Aber vielleicht hatte sie auch ihre Gründe. Als sie schließlich tänzelnd, bockend und mit den Vorderhufen nach ihren Betreuern schlagend hereinkam, wollte die Jury den 45-Sekunden Countdown anläuten und zwar in dem Moment, in dem die Reiterin im Sattel saß. Doch dazu kam es nicht, der Aufstieg in den Sattel gestaltete sich schwieriger als die Erklimmung des Mount Everest. Nach entnervenden Minuten schließlich kam per Glocke das Aus, Akuna Mattata verließ die Soers als Sieger und bewies: Wenn ein Pferd nicht will, dann kann kein Mensch es zu irgendwas zwingen. War für viele auch mal nützlich, das zu sehen.

Robert Ridland verbot der Reiterin alle weiteren Starts beim CHIO mit dem Pferd. „Sonst hätte ich dafür gesorgt, dass sie nicht mehr reitet“, sagte Ellenbruch. „Das Pferd war eine Gefahr für das Team, die Reiterin, sich selbst und auch die Zuschauer.“ Übrigens war die Stute zwei Tage zuvor bereits einmal gestartet, mit ähnlichen Anlaufschwierigkeiten. Aber dann hatte sie brav ihren Kurs absolviert. Man wundert sich, wie so ein Paar den Wegs ins US-Team gefunden hat.

Gesprächsthemen am Rande

Andere Themen wurden im VIP-Zelt diskutiert. Dort wurde die Wahl von Ursula von der Leyen zur Chefin der Europa-Kommission mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Schließlich hatten die FN-Oberen still und heimlich alles eingestielt, um die ehemalige Verdener Auktionsreiterin und Mutter reitender Töchter zur Nachfolgerin von FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau wählen zu lassen. Dafür hat sie wohl erstmal keine Zeit. Die Suche geht also weiter…..

Am Sonntag gibt’s wohl ein Ständchen auf dem Dressurviereck geben, Isabell Werth wird 50. Feierpläne weist sie weit von sich, keine Zeit und vielleicht auch keine Lust. Reiten in Aachen, abends nach Hause, dann vielleicht ein kleiner Sekt mit der Familie. Vielleicht zum 60., unkte sie. Aber auch dann muss man sie wohl erst aus dem Sattel holen, bevor angestoßen wird.


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