Blog aus Aachen 2018: Wappen auf Hinterteilen und jugendliche Fans

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Ingrid Klimke bei der Verfassungsprüfung in Aachen 2018 (© www.st-georg.de)

Was hat ihr Pferd auf der Kruppe in der Öffentlichkeit? Tragen Sie Fransenstiefel beim Vortraben? Hier ein paar Style-Anregungen von St.GEORG-Herausgeberin Gabriele Pochhammer und Hintergrund-Geschichtchen aus Aachen.

Seit gestern sind die Buschreiter eingeflogen, man hat hier in Aachen den Eindruck, dass sie das elegante Ambiente besonders genießen. Sie sind ja nicht sooo verwöhnt wie die Spring- und Dressurkollegen. „Aachen ist einzigartig, wie bei einem Championat“, sagt Bundestrainer Hals Melzer. Gestern war die Verfassungsprüfung im Stallbereich, für Medien nur zu erreichen durch eine Art Hintertürchen. Ich liebe die Verfassungsprüfungen, neudeutsch Vet-Check, weil man die Pferde einmal „nackt“ sieht und sich an den edlen trockenen Typen erfreut. „Naturbelassen“ kann man nicht sagen, weil ja nichts unversucht bleibt, den Vierbeiner im schönsten Kleide zu präsentieren. So prangte bei den beiden Pferden von Kai Steffen Meier und seiner belgischen Frau Lara de Liederkerke ein edles Wappen auf dem Hinterteil. Man kennt das ja von den Royals. Queen-Enkelin Zara (Phillips) platziert auch immer ein Krönchen auf der Kruppe, bevor sie ihr Pferd vortrabt.

Auch die Reiter geben alles, wenn sie ihre Pferde vorführen und dabei in eine Art Fashion-Wettbewerb treten. Style Queen war für mich diesmal Ingrid Klimke, im beige gemusterten Top mit hellen Jeans und Fransenstiefeln im Westernlook. Bettina Hoy diesmal Richtung Gothic, schwarz mit Glitzer dran, Rock wie immer superkurz.

Bei den Herren fand sich alles, vom Konfirmationsanzug bei Claas Romeike über das übliche T-Shirt mit Jeans. Besonders schick die Herren aus Frankreich in roten Hosen, beziehungsweise, noch schicker in der schmucken Uniform des Cadre Noir. Ganz gewagtes Schuhwerk vermisste man, beziehungsweise vermisste es nicht wirklich. Der Trend geht zum praktischen Sneaker oder Slipper. Daran nicht ganz unschuldig ist Chefrichter Martin Plewa. Als beim Viersterne-CCI in Burghley 2017 eine Reiterin mit Mörderhighheels mit ihrem Pferd heranstöckelte, und damit sich, die Jury und das Pferd in Lebensgefahr brachte, nahm er sie sich zur Seite und drohte freundlich mit einer Verwarnung. Beim letzten Vet Check am Sonntag trabten sie dann alle ganz brav in flachen Sohlen an. Das hat sich offenbar rumgesprochen.

Verhindert hätte Plewa gerne die Gelb-Karten-Verwarnung für einen jungen Franzosen beim CCI Bramham. Dort war er als technischer Delegierter (TD) vor Ort. Der junge Mann wollte im Zylinder ins Dressurviereck reiten, offenbar in Unkenntnis einer neuen Regel, nach der U25-Reiter einen Helm tragen müssen. Weder der Steward, noch der Chefrichter geschweige denn die Mannschaftsführung wiesen den jungen Mann auf den Regelverstoß hin, Disqualifikation lag in der Luft. Plewa, als TD ohne direkte Weisungsbefugnis, konnte das durch Überzeugungsarbeit noch verhindern, aber eine Gelbe Karte bekam der Reiter trotzdem. „Es kann doch nicht angehen, dass ein Reiter wie Oliver Townend, der mehrfach aufgefallen ist, wie er sein Pferd verprügelt, mit einer mündlichen Verwarnung davon kommt, und einer, der lediglich was Falsches auf dem Kopf hat, eine Gelbe Karte bekommt“, wetterte er. Ich finde er hat Recht, ist aber typisch für die paragraphenhörigen Verbandsschranzen.

Gestern bei der Vielseitigkeitsdressur erschien auch Jürgen Blum mit seiner Frau, um seine alten Kumpels mal wieder zu sehen. Er konnte sich kaum retten vor Glückwünschen zu seiner Tochter Simone, die mit dem deutschen Team in großem Stil am Donnerstagabend den Nationenpreis gewonnen hat. Blum selbst hat es ja als ambitionierter Amateur immerhin bis ins deutsche Vielseitigkeits-Olympiateam 1996 geschafft. Und jetzt Simone, die ihrem ersten Championatsstart entgegensieht. Sowas nennt man wohl Zuchtfortschritt.  Der wird im Hause Ehning schon schwieriger, allein weil Vater Marcus Ehning schon selbst zu den Besten der Welt gehört. Auf der Tribüne saßen während des Nationenpreises seine Frau Nadja, Voltigierweltmeisterin 2002, mit den vier Sprösslingen – Achtung, was zum mitschreiben holen –  Yula Ekatarina, Davy Andreas, Noel Fyor und Lyas. Sie schwenkten wild ihre schwarz-rot-goldenen Deutschlanddevotionalien. Als beim Vater im ersten Umlauf die Stange fiel, sackten sie in sich zusammen wie ein Luftballon, den man mit einer Stecknadel angestochen hat. Oh je. Nach der Nullrunde im zweiten Umlauf war die Welt dann wieder in Ordnung. Nicht nur für die Jung-Ehnings.


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