Das Reiterleben nach dem WM-Titel – im Gespräch mit Simone Blum

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Moment mal! Die Kolumne von St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer (© Foto Bugtrup/Montage: www.st-georg.de)

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, sagt der Volksmund. Doch trotz Sturz in Verona und schleifenlosem Auftritt im Stuttgarter Weltcup-Springen darf man nicht außer Acht lassen, dass Weltmeisterin Simone Blum und Alice auch schon vor Tryon herausragende Erfolge hatten. Mit der neuen Rolle als Weltmeisterin umzugehen, ist aber noch einmal eine eigene Herausforderung jenseits des Sports, wie die Bayerin am Rande der Stuttgart German Masters verriet.

War’s das schon? Nein, natürlich nicht, hoffen wir mal! Klar, dass es nicht so hochfliegend weitergehen konnte für die Weltmeisterin Simone Blum und ihre Alice. Aus dem Wunderland wurden sie erstmal vertrieben, willkommen auf dem Boden der Tatsachen.

Die erste Bekanntschaft mit demselben machte die 29-Jährige, wie berichtet, beim Weltcup-Springen in Verona. Dort stürzte die elfjährige Alice, Blum musste ausscheiden. „Es war an einem Oxer. Alice sprang einfach viel zu früh ab“, berichtet Simone Blum. Die DSP-Stute schaffte die Weite nicht mehr, Pferd und Reiterin gingen zu Boden. „Es ist halt ein Riesenunterschied zwischen Prüfungen draußen und in der Halle“, so Blum.

In der Halle stehen die Hindernisse ganz dicht beieinander, eingerahmt von üppigen Blumenarrangements. Dass Alice sich davon leicht ablenken lässt, ließ sie schon in Tryon erkennen, aber da war im großen Stadion immer Platz genug um auszuweichen und die Kontrolle wieder herzustellen. Jetzt in der Halle reichte eine minimale Unaufmerksamkeit für den Sturz, den Reiterin und Pferd zum Glück unverletzt überstanden.

Ob wirklich den beiden nichts davon in den Knochen stecken geblieben ist, wird sich zeigen. In Stuttgart konnte Alice nur teilweise überzeugen, eine Nullrunde im Einlaufspringen, im Weltcup-Springen steckte sie einmal die Hinterbeine in einen Oxer, das haben die Springreiter natürlich gar nicht gerne.

Gefragte Frau

Es ist inzwischen nicht mehr so leicht, sich mit Simone Blum zu verabreden. Zwei Monate nach ihrem Triumph in Tryon war sie in der Stuttgarter Schleyer-Halle die Frau, mit der alle reden wollten. Es sei schwierig, nach dem WM-Erfolg wieder in die Normalität zurückzufinden und sich auf das zu konzentrieren, „was eigentlich unser Job ist,“ gibt Simone zu.

Der Sturz in Verona erinnerte sie auch daran, dass sie im Vergleich zu anderen Spitzenreitern nur eine relativ kurz Anlaufzeit zum fast größten Erfolg eines Reiterlebens hatte. Vielleicht sei sie noch nicht erfahren genug, um alles zu koordinieren, was nach der WM auf sie eingestürzt sei, sagt sie. Interviews, TV-Auftritte, zeitraubende Fotoshootings. Hinzu kam eine langwierige Erkältung, die man Simone Blum auch in Stuttgart noch anhörte, insgesamt weniger Zeit fürs Training als sonst.

Nicht zu vergessen ein weiteres Großereignis, diesmal im Privatleben: die Hochzeit mit ihrem Lebensgefährten Hans Goskowitz, inzwischen Herr Blum. Seine Frau legt Wert auf die Feststellung, dass entgegen anderslautender Behauptungen in einigen Boulevard-Medien ihr Ehemann sehr wohl Alice auch reiten darf. „Es ist nicht so, dass sie überhaupt keinen Mann an sich heranlässt, aber bei Fremden ist sie halt sehr skeptisch.“ Und fremd sind sich Hansi Blum und Alice nun schon lange nicht mehr.

Eine weitere Eigenheit hat Alice zumindest vorübergehend auf Eis gelegt. Sie ist nicht mehr so scharf auf Mangos, nachdem ihr nach dem WM-Sieg ganze Kisten davon in den Stall nach Zolling geschickt wurden, auch eine Frucht der neuen Popularität. „Wir mussten so viele auf einmal füttern, damit sie nicht schlecht werden.“ Jetzt ist erst mal Schluss damit.

Ohne den richtigen Partner geht nichts!

„Ohne gutes Pferd bist du gar nichts“, sagt Simone. Und wie fragil eine Karriere ist, die auf ein einziges Top-Pferd baut, hat sie gerade in Verona erlebt. Von einer zweiten Alice kann sie zum jetzigen Zeitpunkt nur träumen. Wobei dem Schimmel Cool Hill die Zukunftshoffnungen gelten. Hansi Blum hat ihn Schritt für Schritt in den gehobenen Sport gebracht, jetzt sitzt seine Frau im Sattel des Achtjährigen. „Er hat unheimlich viel Vermögen und ist für sein Alter sehr weit“, sagt Simone Blum. „Er war am Anfang ein bisschen kompliziert, aber das macht ja die Guten aus.“

Vielleicht kann er schon diesen Winter Alice Arbeit abnehmen. Sie wird – wie bisher auch schon – sehr dosiert eingesetzt. Und die Frage, wie vernünftig es war, gleich nach Tryon mit seinen Maximalanforderungen wieder in die Weltcup-Saison einzusteigen, statt der Stute Zeit zu geben, wieder herunterzukommen von all dem Stress und den Aufregungen, wird sich Simone Blum längst selbst gestellt haben und vielleicht auch für ihre Person beantwortet haben. Eine Alice wird nicht jeden Tag geboren und jeder Reiter ist nur so gut wie sein bestes Pferd. Das sagte einst Paul Schockemöhle und auch Simone Blum weiß das längst.

 


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