Der Weltreiterverband (FEI) – ein Pro und Contra

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Moment mal! Die Kolumne von St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer. (© Foto Bugtrup/Montage: www.st-georg.de)

Sicher, manchmal hat man den Eindruck, beim Weltreiterverband FEI herrschten Zustände wie bei der FIFA. Aber die FEI macht auch manches richtig, findet St.GEORG-Herausgeberin Gabriele Pochhammer.

Verbände, auch Sportverbände, haben die fatale Neigung, sich zu verselbständigen. Das heißt, sich nicht mehr als Dienstleister sondern als Selbstzweck zu sehen, dem die Mitglieder ihrerseits zu dienen haben. Je mehr Leute in einem Verband beschäftigt sind, desto strenger werden die Mitglieder gegängelt, die doch die aufwendigen Verbandszentralen finanzieren und die Arbeitsplätze der dort Beschäftigten sichern. Das ist bei der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI), die den nationalen Reiterverbänden zuarbeiten sollte, und der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) nicht anders, die doch von uns Reitern leben. Jedenfalls von allen, die Mitglied in einem Reiterverein sind oder als Züchter in einem Zuchtverband.

Die wundersame Vermehrung der Funktionäre ist häufig Thema, wenn mehr als zwei Reiter beisammen sitzen und der Groll gegen „die da oben“, die sich schon wieder neue häufig als überflüssig empfundene Reglementierungen ausgedacht haben, tönt unüberhörbar an der Basis. Korruptionsskandale bei der Fifa oder im IOC übersteigen alle Missstände, die sich im Pferdesport auftun mögen, aber allzu selbstgefällig sollte man sich nicht zurücklehnen. Wenn ein Scheich mit einem Millionenpreisgeld einen Distanzritt in England veranstaltet und genehmigt bekommt, just an dem Wochenende, an dem in Belgien die FEI Europameisterschaft ausgetragen wird, und der deswegen die Teilnehmer abhanden kommen, dann hat das mehr als ein Geschmäckle. Denn die FEI ist prozentual an jedem Preisgeld beteiligt. Nochmal auf kleine Verhältnisse heruntergebrochen: Was bringt uns, den schlichten Normalos im Sattel, eigentlich die millionenteure Sportbürokratie? Das hat sich wohl jeder Reiter schon mal gefragt.

Löbliches

Aber heute soll nicht nur gemeckert werden, heute soll auch mal gelobt werden. Es geht um die Datenbank der FEI, die kostenlos jedem Interessierten zugänglich ist, anders als das Jahrbuch der deutschen FN, dessen Zugang bezahlt werden muss. Natürlich sind in der FEI Database (www.data.fei.org) nur Pferde und Reiter gelistet, die international auftreten, aber schon ab Einsterne-Niveau ist alles akribisch aufgeführt. Die Stammdaten, wie Alter, Farbe, Zuchtgebiet, Abstammung, Reiter, Züchter sowieso. Alle Besitzer, auch frühere, werden genannt, wie auch alle Namen oder Namensteile, die das Pferd dank wechselnder Sponsoren trug und trägt. Aber auch jeder Start, jedes Ergebnis.

Beim Springreiten auch das detaillierte Resultat (Fehler und Zeit), die Prozentpunkte in der Dressur bis hin zu den Einzelnoten aller namentlich genannten Richter für jede Lektion, alle Einzelergebnisse in der Vielseitigkeit. Man kann sehen, wie oft ein Pferd gestartet wird, wer es reitet und natürlich auf welchem Platz es gelandet ist, ob es platziert war oder nicht, ob es die Prüfung beendet hat oder ausgeschieden ist. Auch das unterscheidet es vom FN-Jahrbuch, dort werden nur platzierte Pferde aufgeführt. Bis in die 1990er-Jahre reichen die Daten zurück, etwas ungenauer, wenn die Erfolge noch länger her sind.

Man kann sehen, ob ein Pferd immer „einen um“ hat, man kann sehen, wie oft es den Besitzer und/oder den Reiter gewechselt hat. Man kann zum Beispiel sehen, dass fast keines der Pferde, die unter den Reitern und Reiterinnen aus komfortablen finanziellen Verhältnissen  starten, von dem ausgebildet und in den großen Sport gebracht wurden, der im Sattel sitzt. Fast ausnahmslos waren die Pferde in diesen Ställen bereits vorher unter einem anderen Reiter international erfolgreich. Was wiederum einiges über den Reiter mit dem großen Portemonnaie aussagt. Man kann sehen, was aus millionenteuren Starpferden geworden ist, wenn sie nach dem Verkauf unter reichen No Names nur noch in kleinen Prüfungen herumlaufen.

Es kann auch kein Verkäufer dem Kunden mehr weismachen, das Pferd hätte „nie was gehabt“. Auffallend lange Wettkampfpausen bedürfen dann der Erklärung. Man kann sehen, ob ein Reiter nur mit einem oder mit mehreren Pferden Erfolg hat, man kann sehen, ob ein Pferd viele Jahre im Sport reüssierte oder nur eine oder zwei Saisons. Man kann sehen, wie oft ein Reiter in Nationenpreisen startete oder ob er sich auf die lukrativere Global Champions Tour beschränkte.

Soviel computergesteuerte Transparenz kostet Geld, gut angelegtes Geld, meine ich. Zahlen lügen nicht. Oder nur manchmal. Man erinnere sich an die gefälschten Distanzergebnisse von internationalen Ritten in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ritte, die nie stattgefunden haben, aber bei der FEI als Qualifikationsergebnis für Meisterschaften registriert wurden. Nur durch Zufall kam der systematische Betrug heraus. Geahndet wurde er kaum. Gegen Kriminelle zeigt sich die FEI nach wie vor erstaunlich hilflos. Daran kann auch der beste Datencomputer nichts ändern. Das müssen die Menschen schon selbst tun.


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