Deutschlands Fahnenträger und Fahnenträgerin im Bizepsvergleich und mehr

Pochhammer-Olympia-2021

Gabriele Pochhammer auf ihren 10. Olympischen Spielen (© www.st-georg.de)

Die Beachvolleyballerin Laura Ludwig ist morgen die Fahnenträgerin von Team D bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Tokio. Tragen muss sie aber wohl die größte Strecke das männliche Gegenstück, der Wasserspringer Patrick Hausding. Er hat nämlich mehr Bizeps, wurde heute nachgemessen.

Was lehrt uns das: Ein paar Unterschiede gibt es doch noch. Es wurde ja ein Riesengeheimnis drum gemacht, wer morgen Abend mit der schwarz-rot-goldenen Fahne vor dem „Team D“, der deutschen Mannschaft, ins Olympiastadion einmarschieren darf. Als gestern der Fahnenträger und die Fahnenträgerin feststanden, wurde im olympischen Dorf noch ein heimliches Fotoshooting unter den olympischen Ringen organisiert. Nur zufällig war die deutsche Basketballmannschaft Zeuge, aber die Jungs ahnten nicht, was da abging.

„Ich stelle Ihnen jetzt die Fahnenträger-(Schluckauf)-innen vor“, sagte Noch-DOSB-Präsident Alfred Hörmann bei der Pressekonferenz im Olympischen Dorf genderbeflissen. (Ich dachte, es sei nur eine Fahnenträgerin.) Bei der unversehens pluralisierten Dame handelt es sich um die 35-jährige Olympiasiegerin im Beachvolleyball Laura Ludwig. Ihr Mit-Träger ist der 32-jährige Wasserspringer Patrick Hausding.

Die beiden waren durch eine Publikumswahl – jeder konnte mitstimmen – kombiniert mit einer Abstimmung unter den Athleten gewählt worden, nicht mehr wie früher durch den Spitzenverband bestimmt.

„Laura Ludwig gewann vor fünf Jahren in Rio mit ihrer damaligen Partnerin Kira Walkenhorst die viel umjubelte Goldmedaille. Ein Jahr später holten die beiden auch den WM-Titel. Nach einer Schwangerschafts-Unterbrechung ist Laura Ludwig in Tokio mit ihrer neuen Partnerin Maggie Kozuch am Start,“ so die Pressemeldung des DOSB.

Auch Patrick Hausding ist olympisch hoch dekoriert. In Peking gewann er 2008 Silber, in Rio 2016 holte er die Bronzemedaille. Beide sind zum vierten Mal bei Olympia dabei.

Während die Abstimmung bei den Männern mit einem hauchdünnen Vorsprung von 0,7 Punkten für Hausding ausging – 22,65 Prozent vor dem Turner Andreas Toba –, war die Entscheidung bei den Frauen eindeutiger: 30,94 für Ludwig vor der Turnerin Elisabeth Seitz (20,83). Die sechsfache Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth wurde mit 18,39 Prozent Dritte.

Insgesamt wurden bei der Wahl der Öffentlichkeit mehr als 180.000 Stimmen abgegeben und damit deutlich mehr als bei den Wahlen vor Rio und PyeongChang

Kein Reiter bei der Eröffnungsfeier

Da es nur eine Fahne für jede Nation gibt, ist jetzt die Frage, wer sie denn wirklich tragen darf/muss. Zu dem Zweck gab es einen kleinen Bizeps-Vergleich. Klarer Vorteil Hausding. Oder Nachteil. Das Ding ist nämlich ganz schön schwer. Sie könnten sich ja auch abwechseln mit Schleppen.

Im Team D, das der Fahne folgt, wird übrigens kein einziger Reiter sein. Bei den Dressurreitern beginnt am nächsten Tag der Wettkampf. Und alle zusammen wollen sie Corona-bedingt ihre „Blase“ nicht verlassen und bleiben der Virenzentrifuge fern, denn nichts anderes ist ja das Rendezvous von Tausenden von Sportlern aus allen Ecken dieser Erde. Kann man irgendwie verstehen, man mag sich gar nicht vorstellen, wenn einer von unseren Reitern infiziert wird oder auch nur neben einem Infizierten gestanden hat. Sonst mischten sich ja immer noch ein paar Funktionäre unters Sportlervolk, das lassen sie diesmal wohl auch sein.

Eine Starterliste für den Grand Prix gibt es übrigens immer noch nicht, aber immerhin eine Liste für die Horse Inspection morgen früh. Sie geht um im halb zehn los und ich fürchte, wir müssen uns um sieben auf die Socken machen, weil man nie weiß, wie lange die Busse brauchen, zwei Stunden insgesamt mindestens. Und die versprochenen Taxis sind so beschäftigt, dass Telefonate ins Leere laufen.

Dabei sein ist alles

Ich habe doch tatsächlich eine Karte für die Eröffnungsfeier ergattern können. Wir sitzen ja weit genug weg von den Athleten – und sie von uns. Auch wir haben keine Lust auf Corona. Übrigens, wenn einer vergisst, seinen Spucktest abzugeben, bekommt der zuständige „Covid Laison Officer (CLO)“ sofort eine Abmahnung.

Zuletzt war ich 1984 bei einer olympischen Eröffnungsfeier und das war ziemlich schrecklich. Das Stadion begann sich gerade mit den Menschenmassen zu füllen, als US-Präsident Ronald Reagan eingeflogen wurde. Alles und alle wurden angehalten, auch die armen Menschen die durch niedrige Tunnel, etwa Kopfhöhe plus zwei Zentimeter, zu den Tribünen wollten und eine gefühlte Ewigkeit dicht gedrängt ausharren mussten. Seitdem weiß ich, was Platzangst ist. Morgen wird es bestimmt besser, weil dank Corona keine Zuschauer kommen dürfen. Es kommt halt immer drauf an, von wo man die Dinge betrachtet.

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