Ein kleiner historischer Exkurs: der Weltcup der Springreiter

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Moment mal! Die Kolumne von St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer (© Foto Bugtrup/Montage: www.st-georg.de)

Seit 40 Jahren gibt es den Weltcup der Springreiter, die inoffizielle Hallenweltmeisterschaft. Und noch immer ist er ein Highlight im Turnierkalender. Gabriele Pochhammer lässt seine Geschichte Revue passieren.

Mit seinen 40 Jahren ist der Springreiter-Weltcup, dessen Finale wie das des wesentlich jüngere Dressurweltcups ab morgen in Paris-Bercy ausgetragen wird, schon sowas wie ein Urgestein des Reitsports. Wobei Gestein nicht ganz richtig ist, der Pokal besteht aus reinem Bergkristall.

Es war ein Riesengeschrei damals, als der Schweizer Max Amman zusammen mit dem schwedischen Autohersteller Volvo als Sponsor und der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) den Springreiter-Weltcup aus der Taufe hob. Die Idee war, den immer zahlreicher werden Hallenturnieren eine Struktur zu geben, eine Serie von Qualifikationen mit einem Finale als Höhepunkt.

Die Welt wurde in verschiedenen Ligen aufgeteilt, das sollte sicherstellen, dass auch Reiter aus anderen Regionen als Nordamerika und Europa eine Chance bekamen, beim Endkampf dabei zu sein. Aber nicht alle fanden die Idee gut, es gab die Sorge auch unter Experten, dass der Springsport zu einer Art Formel I verkommen würde, bei der die Pferde reihenweise verheizt würden und es nur ums große Preisgeld geht.

Nur für Profis

Tatsächlich war der Weltcup von Anfang an als Profi-Liga gedacht, nur professionelle Ställe konnten und können es sich leisten, mehrere Pferde – und die braucht man – auf die Qualifikationstour zu schicken und nach dem Winter noch mit mindestens einem frischen Pferd im Finale anzutreten. Der Weltcup hat im übrigen längst Konkurrenz durch die noch höher dotierte Global Champions Tour bekommen. Die Spitzenpferde sind noch mehr beschäftigt als ohnehin schon. Und irgendwie muss der Bundestrainer ja auch noch sehen, wie er Paare für seine Nationenpreise und Championate herkriegt.

Dominante Regionen

Mit der weltweiten Verbreitung des Springsport durch die Qualifikationen in inzwischen 17 Ligen hat es nicht ganz geklappt wie geplant. Meistens mussten die Reiter aus den fernen Gefilden aus Füllmaterial herhalten, chancenlos gegen die Großen aus Nordamerika und Europa, manche von ihnen restlos überfordert. Noch nie stand ein Reiter auf dem Podium, der nicht aus einem dieser Länder kam.

Halt, mit einer Ausnahme: Der Brasilianer Rodrigo Pessoa, der allerdings in Belgien lebt und trainiert, gewann mit dem Fuchshengst Baloubet du Rouet dreimal hintereinander, in den Jahren  1998, 1999 und 2000, den Weltcup und wurde in den folgenden drei Jahren Zweiter, Dritter und wieder Zweiter. Sechs Podiumsplätze in sechs Jahren mit demselben Pferd – der Rekord muss erst mal gebrochen werden. Und nach seiner Karriere im Parcours wurde jener Baloubet du Rouet, „The King of the Ring“, bekanntlich ein Vererber der Sonderklasse, dessen Nachfahren heute die Springarenen bevölkern.

Ehning mit der Chance auf einen Rekord

Marcus Ehning könnte am kommenden Sonntag einen neuen Rekord aufzustellen: Er tritt mit dem westfälischen Hengst Cornado an und hat die Chance,  seinen drei Siegen – 2003 mit Anka, 2006 mit Sandro Boy und 2010 mit Küchengirl und Plot Blue – einen vierten hinzufügen. Er war übrigens der erste und bisher einzige Weltcup-Sieger, der in den drei Prüfungen zwei verschiedene Pferde einsetzte, alle anderen ritten mit einem einzigen Pferd zum Sieg.

Noch mehr Dreifachsieger

Noch zwei weitere Reiter konnten dreimal die Trophäe mit nach Hause nehmen, Meredith Michaels-Beerbaum auf Shutterfly in den Jahren 2005, 2008 und 2009 und der Sieger des allerersten Weltcup-Finales 1979 in Göteborg, der Österreicher Hugo Simon mit Gladstone. Er wiederholte das Kunststück fast 20 Jahre später mit E.T. – und das gleich zweimal, 1996 und 1997.

Schauplatz der Legenden

Viele große Namen finden sich in den Siegerlisten, John Whitaker mit dem „Wunderschimmel“ Milton gewann 1990 in Dortmund und ein Jahr später in Göteborg. Der inzwischen 62-jährige Brite ist seit 45 Jahren im großen Sport dabei, nur unwesentlich länger wie sein vier Jahre jüngerer Bruder Michael, der nach 24 Anläufen auch in diesem Jahr versuchen wird, sich endlich den Cup zu schnappen.

Insgesamt sechs deutsche Reiter standen ganz oben auf dem Podium außer den bereits genannten auch Ludger Beerbaum mit Ratina Z 1993 in Göteborg, Daniel Deußer mit Cornet D’Amour 2014 in Lyon. Der heutige Bundestrainer Otto Becker gewann mit Cento das Finale in Leipzig 2002. Und 2011 siegte Christian Ahlmann in Leipzig mit dem großen Taloubet Z.

Viele Sieger des Weltcups haben den Sport über die Jahrzehnte geprägt, von anderen hat man danach nichts oder wenig gehört, wie etwa vom bisher einzigen französischen Weltcupsieger Bruno Brouqpsault, der in Mailand 2004 einen Überraschungscoup landete.

Die Geldpreise brauchen sich inzwischen hinter der Global Champions Tour nicht zu verstecken. Die erste Prüfung ist mit 100.000 Euro, die zweite mit 150.000 Euro und die dritte mit 300.000 Euro dotiert. Außerdem werden 750.000 Euro an die 16 bestplatzierten Reiter verteilt. Vorjahrssieger McLain Ward (USA) brachte es in Omaha auf 263.214 Euro. Es hätten noch mehr sein können, wenn er das Preisgeld der letzten Wertung nicht mit sechs Nullreitern hätte teilen müssen. Der zur Zeit beste US-Amerikaner wird auch in diesem Jahr wieder nach Cup greifen. Er ist der, den alle jagen.


  1. p.p.

    Hallo, kleine Korrektur: 2011 gewann Christian Ahlmann, der in der Liste vergessen wurde, auch wenn sechs deutsche Reiter richtig gezählt wurden. Otto Becker war zehn Jahre früher der Sieger in Leipzig.


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