Ein Kommentar zu den neuesten Entwicklungen in Sachen Global Champions Tour bzw. League

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Moment mal! Die Kolumne von St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer (© Foto Bugtrup/Montage: www.st-georg.de)

Auch nach dem Urteil des belgischen Kartellamtes hat sich in Sachen Einladungspraxis der Global Champions Tour und League bislang nichts geändert. Gabriele Pochhammer hat genauer hingeschaut.

Den Reitern war es schon lange ein Dorn im Auge, die FEI eierte herum und die belgische Kartellbehörde, die Belgien Competition Authority, hat klare Worte gefunden. Das System, nach dem die Startplätze bei der Global Champions Tour (GCT) und dem angeschlossenen Mannschaftswettbewerb Global Champions League (GCL) vergeben werden, ist wettbewerbswidrig (SG-online berichtete).

Bei einem normalen internationalen-Turnier werden 60 Prozent der Startplätze gemäß der Weltrangliste vergeben, 20 Prozent kann das Gastgeberland verteilen und 20 Prozent der Starter kann der Veranstalter einladen. Wobei das mit der Einladung nicht wörtlich zu nehmen ist, meist muss dafür bezahlt werden. Ein für ihn wesentlich günstigeres System hat der Chef der Global Champions Tour und League, der niederländische Pferdehändler Jan Tops, herausgeholt. Er verkauft 60 Prozent der Startplätze, viele davon an Reiter, deren Hauptqualifikation ein gut gefüllter Geldbeutel ist.

Urteil des Kartellamtes

Die Internationale Reiterliche Vereinigung (FEI) und die Global Champions Tour wurden bereits im Dezember 2017 von der belgischen Kartellbehörde aufgefordert, das Reglement zu ändern. Das freilich kümmerte Jan Tops wenig, die neue Saison begann genau wie die alte aufgehört hatte: 60 Prozent der Startplätze wurden verkauft, was im Jargon der Branche dann „Invitations“ heißt.

Die Kartellbehörde verhängte nun für jeden Tag, der verstreicht, ohne dass die Ausschreibung der der anderen internationalen Turniere angeglichen wird, saftige Bußgelder: 182 Euro für die FEI und 422 Euro für die Global Champions Tour. Da die FEI keinen Geschäftssitz in Belgien hat, sondern in der Schweiz ansässig und damit auch Schweizer Recht unterworfen ist, ist es fraglich, ob sie zahlt. Sie dürfte schwer zu belangen sein. Heikler ist die Lage für Tops, der in Belgien einen Geschäftssitz hat.

Tops versus FEI

Das hat sich bereits einmal für ihn ausgezahlt. Tops hatte bei eben jener Kartellbehörde Beschwerde gegen die FEI eingelegt, weil sie Reitern, die in der bis dahin nicht genehmigten Global Champions League starten wollten, eine sechsmonatige Sperre androhte. Die Global Champions League ist ein Mannschaftswettbewerb aus Reitern verschiedener Nationen. Jedes der 17 Teams besteht aus fünf Reiterin, darunter vereinfacht gesagt, einem reichen, einem guten und einem jungen unter 25 Jahren. Der reiche Reiter legt die geschätzten zwei Millionen auf den Tisch, den „sein“ Team braucht, um sich in die Serie einzukaufen, der gute sieht eine willkommene Gelegenheit, noch etwas dazu zu verdienen und der junge ist das Alibi, dass man sich um den Nachwuchs kümmert.

Bevor es zu einer Gerichtsentscheidung kam im Streit zwischen FEI und Tops, einigte man sich plötzlich im Januar 2017, und im Sommer übernahm dann ganz zufällig der GCT/GCL-Sponsor Longines auch die FEI-Nationenpreise, die klassische Mannschaftsserie, und füllte damit eine empfindliche Lücke im FEI-Budget.

Mehr Geld, bessere Chancen

Der Internationale Springreiterclub hat sich von Anfang gegen die Einladungspraxis der GCT/GCL gewehrt, weil sie reiche mittelmäßige Reiter bevorzugt gegenüber finanziell weniger starken, aber besseren Reitern. Das hat Folgen bis hin zur Olympiaqualifikation, denn auf der Global Champions Tour können wichtige Weltranglisten-Punkte gesammelt werden, die für einen Olympiastart als Einzelreiter ausschlaggebend sein können, falls sich ein Land nicht mit einem Team qualifiziert.

Kritiker der Lex Tops wurden abgespeist mit der Begründung, es handele sich bei der Global Champions Tour und League halt um ein besonderes Konzept und jedem stehe es offen, ebenfalls ein solches zu entwickeln. Jetzt steht die Frage im Raum, ob die FEI vielleicht zu früh eingeknickt ist und aus welchem Grund. Ein internationaler Sportverband, der sich so plump vom Leistungsgedanken und von der Chancengleichheit verabschiedet, hat allen Grund, um seine olympische Zukunft zu fürchten.