Gabriele Pochhammer aus Göteborg: Championatsdebüts, schwedische Erfindungen, Reiselust und Shuttle-Frust

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Das EM-Quintett von 2017 bildet im kommenden Jahr den Olympiakader: Philipp Weishaupt, Laura Klaphake, Maurice Tebbel, Simone Blum, Marcus Ehning und Bundestrainer Otto Becker. (© Pauline von Hardenberg)

Gerade erst aus Strzegom heimgekehrt, hat St.GEORG-Herausgeberin Gabriele Pochhammer daheim in Schleswig-Holstein nur schnell umgepackt und sich auf den Weg nach Göteborg gemacht. Ihr Reise- und EM-Bericht Nummer eins.

Das erste von drei Mannschaftsprüfungen, das Zeitspringen, ist vorbei, die beiden jungen deutschen Debütanten, Maurice Tebbel und Laura Klaphake, haben gemerkt, dass ein Championat doch noch was anderes als ein Springen im Homeland. Jeweils zweimal vier Strafsekunden für Fehler, das war mehr als man für eine Mannschaftsmedaille gebrauchen kann. Aber wir haben ja noch ein paar Runden.

Akkreditierungsfragen

Nach ihrem Ritt sollen die Reiter zu den Journalisten in die sogenannte Mixed Zone kommen, ein überdachtes Eisengestell in schwindelnder Höhe. Das klappt meist recht gut, nur Maurice brauchte eine Dreiviertelstunde, weil er nach Chaccos Son sehen wollte, der ein Vordereisen verloren hatte, und er auf dem Weg vom Stall noch alle möglichen Experten traf, mit denen er seinen Ritt erst mal kurz durchsprechen musste. Laura kam schneller, aber sie musste erst noch ihre Akkreditierung suchen, leider ohne Erfolg. Ein Wunder, dass sie es überhaupt bis zur Mixed Zone schaffte, denn ohne Akkreditierung existiert man sozusagen gar nicht. Da sind die Girls in Rot, die Sicherheitsdamen, unerbittlich. So als ob sie hier nicht ein Reitturnier, sondern mindestens den G20-Gipfel bewachen müssten. Unser Kollegin Christine, Fachfrau für Paras und Fahren, erst nachträglich angemeldet,  sollte ihre Akkreditierung in der Pressestelle abholen, dort ließ man sie nicht rein, no way, ohne Akkreditierung. Auch die herbeigeeilte Pressechefin konnte nichts ausrichten, musste erst wieder drei Etagen hoch und eine vorläufige Akkreditierung holen. Mit der kam Christine dann rein. Es gibt viele Möglichkeiten, sich und anderen das Leben kompliziert zu gestalten.

Schwedische Erfindungen

Heute morgen nutzten wir die Möglichkeit, mit dem Parcourschef Louis Konickx den Kurs abzugehen. Die Hindernisse sind voller regionaler Anspielungen, das schwedische Holzpferd, eine Kombination aus streichholzdünnen Stangen („In Schweden wurden die Zündhölzer erfunden.“). Eine Brücke über Wasserwellen durfte natürlich auch nicht fehlen. Auf Hindernisse, in denen der verstellbare Schraubenschlüssel, der Reißverschluss, Dreipunkt-Sicherheitsgurt und das Tetrapack vorkommen, warten wir noch. Alles schwedische Erfindungen. Auch das Dynamit hat ja bekanntlich der Schwede Alfred Nobel entwickelt und anschließend vor Schreck über das, was er angerichtet hat,  den Friedensnobelpreis gestiftet. Dynamit hat der Parcourschef nicht in der Planung, wäre damit wohl auch nicht an den Roten mit der Aufschrift Security auf dem Rücken vorbeigekommen. Vor denen kuschen hier alle.

Reiselust und Shuttle-Frust

Wir sind mit dem Auto hier. Allerdings nahmen wir aufgrund einer Fehlleistung meines Navis die Route mit der Fähre, was ein paar Stunden länger dauerte, aber dafür sehr schön war. Blauer Himmel, blaues Meer, man kann’s schlechter haben. Wer hier auf die Shuttles von den – überteuerten – Medienhotels zum Fußballstadion Ullevi angewiesen ist, muss sehen, wie er zurecht kommt. Meine Kollegin Evi steckte im Fahrstuhl fest, kam zwei Minuten zu spät. Bus weg, trotz kollegialer Bitten zu warten. Ludger Beerbaum, im selben Hotel, brauchte sogar elf Minuten im Fahrstuhl. Er war sehr zufrieden mit seinem Schützling Philipp Weishaupt, trotz des Abwurfs auf der letzten Linie. Ich bemühe ein altes Zitat des ehemaligen Leitwolfs der deutschen Springreiter: „Die Messe ist noch  nicht gesungen.“ Auf die Ergebnisse der ersten Wertung warten wir noch. Das Zeitmesssystem von Longines ist zusammengebrochen. Ob sie es mal mit Rolex versuchen sollten?

Lust auf mehr Blogs?

Gabriele Pochhammer hat auch in Strzegom von den Ereignissen abseits des Sports berichtet. Hier ihre Blogs zum Nachlesen:

Blog 1 aus Strzegom: Dibos besch…ene Jahresbilanz, der unersetzliche Bartle

Blog 2 aus Strzegom: Der Tag vor dem Gelände

Blog 3 aus Strzegom: Aussichten auf den XC-Kurs, Eziehungsfragen beim Adel

Blog 4 aus Strzegom: Nachwehen eines emotionalen Tages und ein Fundstück, das einem Sechser im Lotto gleicht

Blog 5 aus Strzegom: Happy End in Strzegom: Drei Medaillen für Deutschland und Schaulaufen vor dem Springen


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