Gabriele Pochhammer: Blog drei aus Strzegom – Ausblick auf das Gelände

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So sieht sie aus, die erste große Klippe im morgigen Gelände, Hindernis 4, ein (sehr) schmales Element mit zwei schräg versetzten Hecken im Anschluss. (© Pauline von Hardenberg)

Geländeaufbauer Rüdiger Schwarz über die Schwierigkeiten, einen Championatskurs zu entwerfen und Berichte aus der Vergangenheit.

Soeben war Rüdiger Schwarz bei uns im Pressezentrum, um nochmal seine „Philosophie“ zu erläutern, die ihn bei seinem Aufbau bewegt hat. Wie berichtet, besteht der Kurs im Prinzip aus einem langestreckten Wiesengelände, auf dem es zweimal hin und her geht, mit 5700 Metern zu reiten in 10 Minuten in der Länge an der unteren Grenze, aber mit 30 Hindernissen und 40 Sprüngen („Efforts“) am Maximum. Schwarz sieht darin auch eine besondere Herausforderung für die Reiter: „Man hätte auch tausend Meter länger bauen können, aber dann wären die Galoppierstrecken zwischen den Hindernissen länger gewesen. So geht es Schlag auf Schlag.“ Außerdem sei der Kurs sehr zuschauerfreundlich. Schwarz hat hier schon 2009 das Westcupfinale aufgebaut und berät seit vielen Jahren die Veranstalter.

Die Schwarz-Philosophie

„Für mich ist das Sportliche das Wichtigste“, sagt Rüdiger Schwarz. Auf folkloristische Ausschmückungen hat der ehemalige Bundestrainer der deutschen Nachwuchsvielseitigkeitsreiter weitgehend verzichtet. Geländeaufbauer wandeln auf einem schmalen Grat: Zu leicht entwertet das Gelände, zu schwer führt zu unerwünschten Unfällen und schlechten Bildern. „Beides ist nicht gut“, sagt Schwarz. „Das Gelände muss entscheidend zum Ergebnis beitragen.“ Zahlreiche zeitraubende Alternativen sollen schwächeren Paaren das Durchkommen ermöglichen.

Damit nicht zu viele Reiter mit ihrem Dressurergebnis enden, versucht Schwarz, durch technische Finessen wie schräg versetzte Sprünge und Ecken den Reiter aus der Balance zu bringen, den einen oder anderen Vorbeiläufer zu provozieren. Am besten schon bei den ersten Reitern. „Dann haben wir einen spannenden Mannschaftswettkampf“, sagt er. „Beim Sieger muss dann alles gestimmt haben.“ Schwarz bevorzugt Hindernisse, die man zuhause trainieren kann. „Früher sind wir zum Turnier gefahren, und wussten nicht, was uns erwartet, dann sind wir einfach losgeritten, das geht heute nicht mehr.“

Die erste Schwierigkeit

Die erste Klippe ist Sprung vier, eine schrägt versetzte Kombination mit Wassereinsprung. „Das hat es zwar schon gegeben, aber der Sprung kommt früh, nach drei hohen und breiten Motivationssprüngen. Dann sind die Pferde in Gang und vielleicht noch ein bisschen frisch. Dann wird sich zeigen, wer sein Pferd gut zurücknehmen kann für die Kombination an vier.“ Später im Kurs wäre das Hindernis wahrscheinlich weniger problematisch.

Eine gewissermaßen psychologische Schwierigkeit könnte es sein, dass die Pferde, nachdem sie die Strecke zum ersten Mal hin und dann wieder zurück in Richtung Stall gerannt sind, keine Lust haben, das Ganze noch mal zu laufen. „Dann hat mancher vielleicht keinen Bock mehr, wieder vom Stall weg zu galoppieren“, sagt Ingrid Klimke.

Zeitschätzungen

Wie viele Reiter in der Zeit bleiben werden, darüber gehen die Meinungen auseinander. Der Franzose Thomas Carlile rechnet mit rund sieben. Andrew Nicholson mit viel weniger. Ingrid Klimke sagt: „Die Zeit schafft nur, wer es von Anfang an darauf anlegt.“ Dass sie genau das tun wird, daran lässt sie keinen Zweifel. Aber warten wir’s ab, meistens kommt es ja sowieso hinterher anders, als man vorher denkt.

Erziehung zur Pünktlichkeit

Gestern Abend habe ich übrigens noch ein bisschen in den Memoiren von Melitta Sallai geschmökert, der fabelhaften fast 90-jährigen alten Dame, bei der wir im Herrenhaus Morawa (Muhrau) gestern eine kurze Audienz hatten. Sie berichten von einem bewegten Leben. Der Kreis begann in Muhrau und schließt im heutigen Morawa. Natürlich spielten in ihrer Jugend wie bei allen Familien auf dem Lande Pferde eine große Rolle. Ob sie wollten oder nicht, wurden die Kinder vom Vater Hans Christoph v. Wietersheim, selbst ein bekannter Springreiter, in den Sattel gesetzt. Und das liest sich so: „Wir mussten, kaum, dass wir laufen konnten, schon aufs Pferd. Da es immer ein Muss war, liebten Edula und ich es nicht so sehr. Mein Vater teilte schon beim Frühstück die Pferde ein. ‚Marlies auf Felsblume, Melitta auf Heidi, Edula auf Radieschen. Um 10.28 Uhr aufgesessen vor dem Haus.“ Die krumme Uhrzeit war dem Vater wichtig, um seinen Kindern Pünktlichkeit einzubläuen. Super Idee, finde ich.