Gabriele Pochhammer über die ganz alltägliche Schlamperei

gabriele-pochhammer-moment-mal

Gabriele Pochhammer, Herausgeberin St.GEORG (© Foto: Bugtrup, Montage: st-georg.de)

St.GEORG-Herausgeberin Gabriele Pochhammer über die Pferdehaltung im Winter und darüber, dass Tierschutz mehrere Gesichter hat.

Es sind diese Wochen, in denen manche Pferdehalter wünschen, dass sie schnell vorbeigehen, mit wenig Licht, viel Matsch, meistens, dieses Jahr bis auf ein paar eisige Tage im März, kein richtiger Winter und auch noch kein Frühjahr. Da wird die Versorgung der Pferde zur echten Aufgabe. Ihnen auch jetzt gerecht zu werden, ihnen genügend Auslauf zu verschaffen, die Paddocks sauber zu halten, den Mist aus den Boxen über gefrorene oder matschige Wege zum Mistplatz zu karren und für frisches Wasser zu sorgen, drinnen wie draußen, das ist zuweilen ein mühseliges Geschäft.  Die besten Investition in meinem kleinen Stall war vor Jahren die Installation von vier beheizbaren Selbsttränken. Da genügt bei Graden um den Gefrierpunkt ein Knopfdruck, die Gefahr ist gebannt und man ist beruhigt. Das ist dann irgendwie der wahre Luxus.

Thema Tierschutz

Die meisten Menschen, die Pferde zu ihrem Vergnügen halten, wollten das Beste für ihre Vierbeiner. Aber selbst dann ist nicht immer gewährleistet, dass es den Pferden auch wirklich gut geht. Seit einigen Jahren gibt es in Schleswig-Holstein einen Vertrauensmann für Tierschutz in der Landwirtschaft, der sich nicht nur aber auch mit der Haltung von Pferden beschäftigt, Edgar Schallenberger, emeritierter Professor am Institut für Tierzucht und Tierhaltung der Uni Kiel. Er ging Beschwerden aus der Bevölkerung nach. Nicht jede war berechtigt, aber am Ende rangierten die Missstände in der Pferdehaltung auf Platz zwei hinter Rindern, vor Schafen und Schweinen. Am meisten angemahnt wurden zu kleine, verschmutzte und matschige Paddocks, fehlender Witterungsschutz, im Freien herumstehendes halb oder ganz vergammeltes Futter, vernachlässigte Hufe, kein Zugang zu Wasser.

Nach Schallenbergs Eindruck nach wachsen die Probleme, wenn ein Pferd mehrere Besitzer hat, von denen sich am Ende keiner richtig zuständig fühlt. Auch finanzielle Engpässe spielen eine Rolle, viele unterschätzen die Kosten, die ein Pferd verursacht, auch wenn es nicht sportlich geritten wird. Auch ein Schmusepony braucht Impfungen, Wurmkuren und den Tierarzt, wenn es krank wird.

Missstände unterschiedlicher Art

Natürlich gibt es solche Missstände nicht nur in Schleswig-Holstein und nicht nur bei Freizeitreitern und Robustpferdehaltern. Auch in professionell geführten Reitställen ist nicht immer alles so, wie es die Leitlinien zur Pferdehaltung, herausgegeben vom Bundeslandwirtschaftsministerium, vorsehen. Doch gerade die Gruppe von Reitern, die immer wieder von sogenannten Tierschutzorganisationen an den Pranger gestellt werden, die Sportreiter, lassen ihren Pferden in der Regel die allerbeste Betreuung angedeihen. Nicht nur aber auch, weil sie hohe Werte darstellen und der Erfolg einer Reiterkarriere davon abhängt, wie gut drauf die dazugehörigen Pferde sind. Das wird von den so genannten Tierschützern gerne übersehen, die sich just auf diese Pferdesportler eingeschossen haben und am liebsten das Reiten ganz verbieten würden, zumindest die sportliche Nutzung. Auch dann, das sollte man ihnen sagen, ginge es nicht allen Pferden gut, sofern es dann überhaupt noch Pferde gäbe. Sportlicher Ehrgeiz, Rohheit oder gar Sadismus ist selten der Grund, wenn Pferde gequält werden, sondern viel banalere Dinge: der drückende Sattel, der überfällige Beschlag, die schlecht verschnallte Trense, die übersehene Mauke, die verdreckten Boxen und viel zu viel Rumstehen. Eben die ganz alltägliche Schlamperei.


St.GEORG GRATIS LESEN!

Schnell, aktuell und auf einen Blick wissen, was Sache ist! Das bietet der
St.GEORG Newsletter. Jetzt abonnieren und Sie erhalten eine Ausgabe
St.GEORG als ePaper gratis - zum immer und überall lesen.