Holsteins neuer Vorstandsvorsitzender Hinrich Romeike: „Der Züchter muss wissen, er ist uns wichtig“

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Moment mal! Die Kolumne von St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer (© Foto Bugtrup/Montage: www.st-georg.de)

Aller Anfang ist schwer oder neue Besen kehren gut: An Sprüchen, die einen Neuanfang begleiten, mangelt es nicht. Mit fünf neuen Gesichtern startet der Holsteiner Verband in die nächste Phase. Durchstarten oder Durchhängen – wir werden sehen, was die frisch Gewählten daraus machen.

Für das Holsteiner Pferd zu werben, sei leicht, sagte Hinrich Romeike. „Ich hab einen im Stall, der hat mich zum Mond getragen und zurück.“ Nicht nur dorthin hat ihn der heute 27-jährige Marius befördert, sondern letzten Endes auch in das neue Amt des Holsteiner Verbandsvorsitzenden, den Zahnarzt aus Nübbel mit dem unschlagbaren Nimbus des Doppel-Olympiasiegers.

Der Abstimmungssieg war „Hinni“ an diesem 31. März sicher, schließlich war er der einzige Kandidat. Mit 86 Prozent der Delegiertenstimmen wurde der 57-Jährige schließlich zum Verbandschef gewählt. Die Wahl fand virtuell per Zoom-Meeting statt. Knopfdrücken statt Handheben, und das bis hin nach Kalifornien, dem Körbezirk Nordamerika – Corona hat auch die Züchter zwischen den Meeren in die Neuzeit geschubst.

In einem großen Raum im Hotel Prisma in Neumünster saßen die hauptamtlichen Führungskräfte sowie der Interimsvorstand mit Hinrich Köhlbrandt an der Spitze, der nach dem Komplettrücktritt des alten Vorstands im Jahre 2019 eigentlich nur ein Jahr hatte agieren wollen, aus dem dann Pandemie-bedingt zwei wurden. Nach einigem Insistieren durfte auch ich als Presse in der letzten Reihe bei der Wahlversammlung Platz nehmen, wie es im Vereinsrecht ja auch vorgesehen ist und vom örtlichen Reiterverein bis hin zum Weltreiterverband FEI gehandhabt wird. Das war nicht allen in Elmshorn so wirklich klar.

Welch’ guten Griff der Verband mit ihm getan hat, konnte Verbandsgeschäftsführer Roland Metz beweisen. Der Baden-Württemberger führte sicher und souverän durch den Abstimmungsmarathon, auch sonst hört man viel Gutes von ihm. Um einen ordentlichen Job zu machen, bedarf es offenbar es nicht unbedingt des berühmten Stallgeruchs, der ja ohnehin oft nichts anderes ist als der heimelige Mief.

Die Neuen im Norden

Neun Kandidaten bewarben sich um fünf Vorstandsplätze: Vorsitzender, Stellvertreter und drei Beisitzer. Am Ende waren es fünf neue Gesichter, an die sich die Züchter gewöhnen müssen. Die drei Mitglieder des alten Vorstands, die sich beworben hatten, verloren in der jeweiligen Stichwahl und zogen daraufhin zurück, mehr oder weniger frustriert.

„Wir müssen uns komplett neu einarbeiten“, gibt Romeike zu, doch er klingt nicht so, als traue er das sich und seinen Kollegen nicht zu. Seinen Stellvertreter Dr. Maximilian Slawinski (35) kenne er noch nicht so gut. Kein Wunder, der lebt in Soest, NRW, und damit im größten Körbezirks Holsteins, nämlich dem der auswärtigen Mitglieder, die sich damit eine wichtige Stimme im Vorstand gesichert haben. Aufgewachsen ist Slawinski immerhin in Schleswig-Holstein als Stiefsohn von Hengstaufzüchter Peter Nagel-Tornau. Zur Zeit ist er in einer ganz anderen Branche tätig, als Direktor für Produktmanagement und Marketing beim Technologiekonzern Infineon. Das Kennenlernen soll bald nachgeholt werden, eine WhatsApp-Gruppe hat der neue Vorstand schon gegründet.

Beisitzer Dieter Feddersen (49), Tankstellen- und Reitstallbesitzer aus Jadelund, begann seine Karriere als Vorsitzender der Jungzüchter von Nordfriesland und eroberte inzwischen den Körbezirk als Erster Mann. Als der größte Pferdefachmann im neuen Vorstand wird der 57-jährige Landwirt Harm Sievers angesehen, Pferdezüchter in dritter Generation, Holsteiner Züchter von altem Schrot und Korn, darüber hinaus Diplom-Betriebswirt. Die Züchter kennen ihn von Stuten- und Fohlenschauen, geritten hat er auch bis S und das Goldene Reitabzeichen am Revers.

Sicherlich mehr als nur die Quotenfrau wird Inken Gräfin Platen-Hallermund sein, unter ihrem Mädchennamen Johannsen mit der unvergessenen Brilliante Vize-Europameisterin der Vielseitigkeitsreiter in Pau 2003. Ihre mütterliche Familie Plüschau züchtete schon im vorigen Jahrhundert Klassepferde auf dem Hof hinterm Deich in Hohenhorst. Die heutigen Züchter kennen Inken als rühriges Headgirl der Jungzüchter.

Einige der Aufgaben

Die Aufgaben, die auf den neuen Vorstand warten, sind beachtlich, auch wenn der vorherige Vorstand schon einiges zur Sanierung der Finanzen getan hat, wie den kompletten Verkauf des Handelsstalles mit 180 Pferden. Und das ohne zu ahnen, was mit der Corona-Krise auf den Pferdehandel zukommt, in Zeiten, in denen es schwierig ist, mal schnell irgendwohin zu fahren, um ein Pferd auszuprobieren.

Die Anlage in Elmshorn mit ihren drei Reithallen wiederzubeleben, sieht Romeike dann auch als eine seiner ersten wichtigste Aufgaben an. Die Anlage soll aufgewertet werden, eventuell auch mit anderen Events als nur Reit- und Zuchtveranstaltungen. Auch ein Turnierzentrum nach dem Modell Riesenbeck kann er sich vorstellen.

Auf die Dauer wird wohl die Geschäftsstelle Zucht in Kiel nach Elmshorn zurückverlegt. Dorthin zog sie Anfang der 70er- Jahre, weil die Stutbuchführung in Elmshorn derart desolat war, dass das Landwirtschaftsministerium mit Aberkennung drohte. Die Kammer schickte ihren Pferdezuchtreferenten Gerhard Gramann, der Ordnung ins Chaos brachte und die Zuchtbuchführung nach Kiel verlegte, um sie von der Vermarktungszentrale in Elmshorn zu trennen. Die räumliche Distanz hatte durchaus ihre Vorteile, doch damit ist es irgendwann wohl vorbei, aus Kostengründen. „Aber das ist nicht meine erste Baustelle“, versichert Romeike.

Die wird es in der Erwartung der Züchter sein, Holstein wieder auf einen Spitzenplatz in der Rangliste des Weltzuchtverbandes WBFSH zu bringen. Doch dazu brauchte es wohl Zauberkräfte. Romeike ist Optimist: „Wir sind in anderthalb Jahren von Platz eins auf Platz acht abgerutscht. Runter ist man schnell, aber auch schnell wieder oben, wenn wir wieder ein paar Grand Prix-Pferde haben. Es zählen ja immer nur sechs Pferde. Die Rangliste ist ein Plakat, ein wichtiges, aber eben nur ein Plakat.“

Wichtig ist ihm Transparenz und Nähe zum Züchter. Ein eigener Mitgliederbereich auf der Verbandswebsite soll den Züchtern Infos bieten, die nicht überall zu haben sind, etwa über den Verbleib von Hengsten und die Zahl der gedeckten Stuten. „Der Züchter muss das Gefühl haben, ich bin wer, ich bin wichtig und gerne gesehen in Elmshorn.“ Das wird er gerne hören.


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