Karsten Huck: 30 Jahre

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Moment mal! Die Kolumne von St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer (© Foto Bugtrup/Montage: www.st-georg.de)

Den St.GEORG-Lesern ist der Olympia-Dritte von 1988, Karsten Huck, seit langem als Experte für alle Fragen rund um die Springausbildung bekannt. Nicht alle wissen, dass er auch Reitlehrer der klassischen Sorte ist, der hunderte von Schülern über die Sprünge geholfen hat. Vor 30 Jahren übernahm er zum ersten Mal in der Reithalle von Ising das Kommando.

Reitlehrer heißen ja nicht mehr so. Sie sind Pferdewirtschaftsmeister Schwerpunkt klassische Reitausbildung, eine von vielen bürokratischen Vergewaltigungen der deutschen Sprache, die nichts klarstellen, aber vieles sperriger klingen lassen. Jeder von uns wird sich an seinen ersten Reitlehrer erinnern, vor allem wenn er gut war.

Das ist wie mit den guten Lehrern in der Schule, die behält man im Gedächtnis. Die schlechten auch, aber während man der Schule nicht so einfach entrinnen kann, hören Kinder und Jugendliche auf zu reiten, wenn es der Reitlehrer – etwas flotter klingt das Wort Trainer – nicht vermag, sie bei der Stange zu halten. Insofern hat er vermutlich die wichtigste Aufgabe im ganzen Pferdesport.

Wenn Reitlehrer über Jahre Außerordentliches leisten, selbst im Sattel, aber vor allem als Ausbilder, dürfen sie sich mit dem Prädikat Reitmeister schmücken. Davon gibt es in Deutschland zur Zeit rund 25. Karsten Huck ist einer von ihnen.

Sein Vater, Artillerieoffizier Hans Jürgen Huck, selbst in den ersten Nachkriegsjahren im Springsattel hoch erfolgreich, danach Ausbilder und Richter, war der erste Reitlehrer seines Sohnes. Er legte den Grundstein für eine Karriere, die bis zur olympischen Bronzemedaille in Seoul 1988 und zur Mannschaftssilbermedaille bei den Weltreiterspielen 1990 in Stockholm reichte.

Auch 1984 hätte er als Deutscher Meister (mit Calando I) bereits ins Olympiaaufgebot gehört, aber da grub jemand einen Paragraphen aus, nach dem Huck nicht als Amateur galt. Auf dem vorolympischen Fragebogen hatte Huck als Berufsbezeichnung wahrheitsgemäß angegeben: Reitlehrer. Und schon war der Flug nach Los Angeles gestrichen. Heute fragt keiner mehr nach dem Amateurstatus.

Huck machte weiter, vier Jahre später triumphierte er mit Nepomuk in Seoul, Dritter und damit bester Deutscher in der Einzelentscheidung. Es war kurz danach, dass ihn Tino Magalow ansprach, der Chef der Reitschule Ising am Chiemsee, in Bayern, eine der schönsten Reitanlagen in Deutschland. Magalow selbst war eine Zeitlang für Österreich gestartet, durfte sogar am CHIO Aachen teilnehmen. Er kam ein halbes Jahr nach Seoul auf Karsten Huck zu, ob der nicht Lust hätte, sein Wissen an junge Springreiter in Bayern weiter zu geben. Und so begann vor genau 30 Jahren eine Zusammenarbeit, die bis heute hält.

Trainerwurzeln in Bayern

Im Frühjahr 1989 rückte der Bayernkader in Ising an und ließ sich vom Olympiamedallisten die Springreiterwelt erklären. Dass er wusste, wovon er redet, hatte Huck ausreichend bewiesen und vormachen, wie es geht, kann er bis heute immer noch.

In diesem Frühjahr steht er also zum 31. Mal in der großen hellen Halle in Ising. Meist sind es ambitionierte Amateure aller Altersklassen, die eine höhere Klasse anpeilen, also von L nach M wollen oder von M nach S, und sich dafür ein paar Tage im eleganten Sporthotel in Ising einquartieren.

Ein fester Schülerstamm hat sich inzwischen gebildet, und einige Reiter der ersten Stunde schicken inzwischen ihre Kinder zu Karten Huck. Entweder nach Ising oder nach Borstel auf seine eigene Reitanlage bei Neumünster, wo er jedes Jahr zwei Lehrgänge gibt. Sie werden von seiner Frau Gudrun gemangt, die Karsten Huck übrigens in Ising kennengelernt und nach Schleswig-Holstein entführt hat.

Natürlich kann ein viertägiger Lehrgang keine Wunder vollbringen, aber die Weichen neu stellen, das geht schon. „Am ersten Tag steht die dressurmäßige Arbeit des Springpferdes im Vordergrund“, sagt Huck. „Ich muss mir ja erst ein Bild machen.“ Begleitet wird der Kurs von Videoaufnahmen. Karsten Huck, der sein BWL-Studium einst unter anderem als Fotograf für den Verdener Auktionskatalog finanzierte, war einer der ersten, der seine Schüler filmte und abends die Aufnahmen analysierte. „Dann sieht der Schüler auf einmal viel klarer, wo es fehlt“, sagt Huck.

Mangelware solide Grundausbildung

Es fehlt seiner Ansicht nach meist an einem: „An der soliden Grundausbildung, das ist immer dasselbe. Das kann man nicht in ein paar Tagen beheben, aber ich versuche, den Schülern einfache Übungen an die Hand zu geben, die sie auch zuhause reiten können.“

Manchmal steht dem Fortschritt die Selbstüberschätzung im Weg. „Ich versuche dann zu erklären, warum man erst sicher A reiten sollte, bevor man sich in L-Springen traut.“

Manche hören auf den Reitlehrer, andere nicht. „Wenn das Pferd erst mal sauer ist, weil es schlechte Erfahrungen gemacht hat, dann kriegt das auch ein Profi nicht mehr hin.“ Dann hat auch ein Reitlehrer keine Chancen.

Championatsmeriten

Wenn hingegen seine Schüler ihm WhatsApp-Filmchen von gelungene Turnerauftritten zeigen, wenn sogar einer im Spitzensport reussiert, dann sind das Erntetage. So wie er sich über den guten Tryon-Auftritt seines zeitweiligen Schülers Max Kühner freute, oder über die Olympiamedaillen von Hinrich Romeike, der öfter mal nach Borstel gefahren kam, um Marius den Sport über die bunten Stangen schmackhaft zu machen. Das ist dann ein gute Gefühl, als Vater des Erfolgs.

Toffi

Karsten Huck (© Toffi)


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