Lars Windhorst beteiligt sich an der Global Champions Tour – ein Kommentar

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Moment mal! Die Kolumne von St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer (© Foto Bugtrup/Montage: www.st-georg.de)

Die Global Champions Tour und ihre Schwester, die Global Champions League, haben einen neuen Investor, der in Deutschland gut bekannt ist. Gabriele Pochhammer nimmt das System GCT/GCL unter die Lupe.

Wie viele Millionen Lars Windhorst (43) für seine Anteile an der Global Champions Tour (GCT) bezahlt hat, wird nicht verraten. 224 Millionen waren es für die 49,9-prozentige Beteiligung am Fußball-Erstligisten Herta BSC. Ganz so teuer wird es für den Inhaber der Finanzdienstleitungsfirma Tennor nicht geworden sein, um dem bisherigen Teilhaber Frank McCourt seine GCT-Anteile abzukaufen. Aber ein Schnäppchen auch nicht. Der Hauptanteilseigner Jan Tops, Erfinder der Global Champions Tour und des damit verbundene Mannschaftswettbewerbs Global Champions League, hat hochfliegende Pläne: Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Tennor und spricht von der Eroberung weiterer Märkte und Zuschauer im digitalen Zeitalter.

Über Windhorst

Lars Windhorst, im ostwestfälischen Örtchen Rahden aufgewachsen, gibt als Wohnsitze London, Berlin und Hongkong an. Sein erstes Unternehmen gründete er mit 16, die ersten Verträge mussten seine Eltern noch für ihn unterschreiben. Seine in der Garage mit preisgünstigen chinesischen Einzelteilen zusammengebauten Computer bot er zunächst im Schaufenster des elterlichen Schreibwarenladens an, sie verkauften sich blendend. Das unternehmerische Wunderkund durfte den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl um die Welt begleiten, es folgen Pleiten, Pech und Pannen und erneuter Aufstieg. Jetzt also der Sport. Für Fußball soll er sich angeblich gar nicht interessieren, beim Reitsport zeigt immerhin seine zweite Ehefrau Interesse für Pferde. Beide wurden schon zusammen auf der Tribüne gesichtet.

Unternehmen GCT

Das passt ins Bild. Reitende Ehefrauen und Töchter milliardenschwerer Geschäftsleute sind ein Baustein im schillernden Konstrukt Global Champions Tour, der teuersten  Springreiterserie der Welt. Jan Tops, der selbst jahrelang in der niederländischen Nationalmannschaft ritt und 1992 in Barcelona zum olympischen Goldmedaillenteam gehörte, dreht ein großes Rad. Sein erklärtes Ziel: Den Springsport in völlig neue Dimensionen zu führen.  Was das Preisgeld angeht, ist das bereits geschehen: 40 Millionen Euro werden pro Saison an die Reiter ausgeschüttet, aufgeteilt auf 19 Stationen weltweit plus Finale in Prag im November, den sogenannten „Play Offs“. Mit 300.000 Euro ist jedes Springen dotiert, 100.000 bekommt der Sieger. Außerdem werden Punkte für das Finale vergeben.

Eine Bühne für Tops‘ Kunden

Tops kennt den Profi-Springsport wie kaum ein Zweiter. Sein Kerngeschäft war schon zu aktiven Zeiten der Handel mit Luxusspringpferden. Über ihn liefen die ersten Deals mit zweistelligen Millionenbeträgen pro Pferd für zahlungskräftige Kunden aus aller Welt.  Dazu zählt etwa die griechische Milliardenerbin Athina Onassis, die eine Reitanlage gleich neben dem Tops’schen Betrieb in Valkenswaard besitzt, oder arabische Scheichs, für die Tops sogar unter der Tribüne seiner Turnierarena einen kleinen Gebetsraum eingerichtet hat. Es soll schließlich an nichts fehlen.

Mit der Global Champions Tour hat Tops vor 15 Jahren begonnen, eine Bühne zu schaffen, die teuren Einkäufe vorzuführen, im Wettbewerb mit Olympiasiegern, Welt- und Europameistern, die der Serie die sportliche Qualität verleihen. Zunächst waren es nur eine Handvoll Turniere, jedes Jahr kamen ein paar hinzu.

Das Finale in Prag wird unter riesigen Kronleuchtern in der Halle ausgetragen. Ansonsten wird unter freiem Himmel geritten und meist in allerfeinster Umgebung: in Paris im Schatten des Eiffelturms, in Miami Beach in Sichtweite des Meeres, in Monaco am Yachthafen, in Chantilly zu Füßen des Schlosses, im Promi-Badeort Estoril. Gesprungen wird auf drei Kontinenten, auch in Shanghai, in New York, in Mexico-City und in Doha.

Wulff froh über den neuen Investor

Volker Wulff, Organisator der beiden deutschen GCT-Stationen Berlin und Hamburg, ist froh über den Einstieg von Lars Windhorst, der schon seit mehreren Jahren die Berliner Veranstaltung und das GCL-Team Valkenswaard United sponsert, dem auch der deutsche Topreiter Marcus Ehning angehört. „Das gibt uns Veranstaltern Sicherheit“, sagt Wulff. „Wir können so den Standort Berlin noch weiter entwickeln.“

Zum Beispiel in eine noch glamourösere Ausstattung des VIP-Bereichs. Der ist bei allen GCT-Turnieren ein Eckpfeiler des Konzeptes. Denn hier geht es vor allem darum, in entspannter Atmosphäre bei mehrfach besternter Küche Kontakte zu knüpfen und Geschäfte einzufädeln. Das ist den Sponsoren viel Geld wert.

„Hier treffen sie Leute, zu denen sie sonst niemals Kontakt hätten“, sagt Volker Wulff. Leute wie Computer-Milliardär Bill Gates, Rockmusiker Bruce Springsteen oder den Oligarch Roman Abramowitsch, die gelegentlich bei Turnieren auftauchen, um den Bemühungen ihrer Töchter im Sattel zuzuschauen. „Wir wenden uns da an eine gehobene Zielgruppe.“ Für die Sponsoren ist auch die Verbreitung über Fernsehen und Streaming-Dienste interessant, Wulff sprich von 30 bis 150 Millionen Kontakten.

Gekaufte Startplätze

Das System Global Champions Tour funktioniert, zumindest solange es der Wirtschaft gut geht. Kritik erntet es dennoch, vor allem von Veranstaltern, die dem Weltreiterverband FEI nicht so profitable Bedingungen abtrotzen konnten wie Tops. Er darf knapp ein Drittel der Startplätze verkaufen, der jetzige Weltrangliste-Erste Martin Fuchs sollte einst als Junior, obwohl schon Europameister seiner Altersklasse, 30.000 Euro für einen Start hinblättern. Das braucht er jetzt nicht mehr, für die Weltbesten ist der Start gratis.

Einige Reiter meiden die Tour trotzdem, wie der Schweizer Steve Guerdat, Olympia- und dreifacher Weltcup-Sieger, zuletzt 2019: „Ich wüsste nicht, wie ich meinen Kindern mal erklären sollte, warum ich für eine Starterlaubnis bezahlt habe“, sagt er.

Ein gut gefülltes Portemonnaie ebnet den Einstieg, von sportlicher Gerechtigkeit kann man da nicht mehr sprechen. Fragt sich, ob es die in unserem Sport überhaupt gibt, wo so viel von der Qualität des besten Pferdes abhängt.

Andere Reiter haben in der Tour gut verdient. Der britische Sieger der Gesamttour 2019, Ben Maher, strich 1,3 Millionen ein. Daniel Deußer, der beste Deutsche, 479.000 Euro. Mit 2.743.040 Millionen Euro verließ das Team Shanghai Swans, zu dem auch Deußer gehörte, die tschechische Hauptstadt. Damit ist die Zwei-Jahres-Teilnahmegebühr von 2,7 Millionen Euro, die für jedes Team hingeblättert werden müssen, schon mal zur Hälfte wieder drin. Spitzenverdienerin über die Jahre ist, welch Zufall, Tops Ehefrau Edwina Tops-Alexander mit knapp fünf Millionen Euro Gewinngeld. Ein geschlossenes System – irgendwie bleibt alles in der Familie.

 

 

 


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