Moment Mal! Auslaufmodell Stutenschau?

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Moment mal! Die Kolumne von St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer (© Foto Bugtrup/Montage: www.st-georg.de)

Den Eindruck konnte man bei der Holsteiner Verbandsschau bekommen, nur 35 statt schon mal mehr als 100 Stuten, die um Schärpen und Prämien trabten. Die da waren, überzeugten. Und es gibt noch mehr Gründe, solche Schauen nicht voreilig zu beerdigen.

Nur ein paar hundert Leute fanden am vergangenen Sonntag den Weg nach Elmshorn, um sich die besten dreijährigen Holsteiner Stuten anzusehen. Das war sicherlich zum Teil immer noch Corona geschuldet. Die kamen, wurden nicht enttäuscht. Sie sahen eigentlich nur schöne Pferde, mit eleganten Silhouetten, ausdrucksvollen Gesichtern und meist energischen Bewegungen, wobei die eine oder andere hinten hätte aktiver sein können. Aber das ist ja nicht neu in Holstein.

Es waren in den besten Jahren schon mal dreimal so viele Jungstuten gewesen. Natürlich resultiert der Rückgang auch aus den rückläufigen Bedeckungszahlen der letzten Jahre. Es ist halt ein Unterschied, ob 5000 oder 2500 Fohlen geboren werden. Und es spricht für die Auswahlkommission, erstmals mit dem neuen Zuchtleiter Stephan Haarhoff, dass sie nicht zu Kompromissen bereit war, nur um das Feld aufzufüllen.

„Dem Sportreiter ist egal, wo sein Pferd herkommt“

Schwerer wiegt der Verdacht, dass solche Schauen, bei denen Exterieur, Schritt und Trab bewertet werden, den Züchtern nicht mehr so wichtig sind, dass sie mit ihrer Stute dort unbedingt auftauchen wollen. Solche Schauen scheinen einfach etwas aus der Mode gekommen zu sein. Das ist nicht nur in Holstein so, sondern betrifft auch andere Sportpferdezuchtverbände.

Die Idee, von den fünf Ringen zu sechs bis sieben Stuten, vier zu „Springpferderingen“ zu erklären und einen zum „Dressurpferdering“ war sicher gut gemeint, aber nicht wirklich überzeugend. Ok, die Pedigrees wiesen in der Regel auf eine Viereckskarriere hin, aber die sieben „Dressurstuten“ waren nicht schöner als ihre Springschwestern, sie bewegten sich auch nicht besser im Schritt und Trab. Da bleibt die Hoffnung, dass sie nicht nur deswegen im Dressurring landeten, weil sie über dem Sprung kein Aufsehen erregen….

Ob es so war oder nicht, konnte der Betrachter nicht mal ahnen, anders als die Kommission, der immerhin noch die Ergebnisse des Stutenleistungstests vorlagen. Dabei wird ja auch galoppiert und gesprungen. Die Noten flossen zu recht in die Bewertung ein und eine Prüfungsnote von acht und mehr konnte durchaus zu einem besseren Platz im Schauring verhelfen.

Aber man braucht das Modell Stutenschau nicht übereilig zu Grabe zu tragen. „Die Bewertung von Exterieur und Fundament bleibt für uns wichtig“, sagt Sören von Rönne, Hengsthalter und Springreiter-Mannschaftsweltmeister. „Wir sind nicht in Belgien oder Frankreich, wo überhaupt nicht auf das Exterieur geachtet wird. Wir wollen ein korrektes Fundament, Rittigkeit, Elastizität und auch Schönheit.“ Allerdings, so räumt er ein, sei die Schaubewertung nur für Züchter interessant. „Dem Sportreiter ist egal, wo sein Pferd herkommt, der nimmt das, was er braucht, wo er es kriegen kann.“

Ausbildung ist teuer

Was die Sache nicht einfacher macht. Denn die Talente eines Pferdes so zur Geltung zu bringen, dass Kaufwillige feuchte Hände bekommen, ist für den normalen Züchter – und das sind die meisten immer noch trotz einzelner Groß-Zuchtstätten – in erster Linie ein finanzielles Problem. Mit 1000 Euro im Monat müsse man rechnen, allein um eine Stute schau-fertig zu machen, inclusive Einmustern und Longieren, klagte mir ein Aussteller in Elmshorn. Noch viel teurer wird es, ein Pferd in reiterliche Ausbildung zu geben und zu warten, bis es Turniererfolge hat. Reiner Luxus, wenn die Stute dann leistungsbewiesen in die Zucht geht, ein Lottospiel, wenn man hofft, beim Verkauf nicht nur die Investition in die Stute zurück zu bekommen, sondern am Ende auch noch was übrig zu haben.

Lösungen gesucht

Da hat der neue Vorstand unter dem Vorsitzenden Hinrich Romeike was zu tun und nach Lösungen zu suchen. Eine könne sein, die Verbandsanlage in Elmshorn, in der ja seit dem Räumungsverkauf durch den alten Vorstand etliche Boxen leerstehen, zu nutzen, um Züchtern zu helfen, ihre Pferde zu „veredeln“ und zu vermarkten. Da kursieren ein paar gute Ideen, etwa auch „Freelancern“ zu ermöglichen, in ihrer Freizeit zwei, drei Pferde dort auszubilden, die ihnen von Züchtern anvertraut wurden. In Elmshorn ist schließlich alles da, inklusive großem Sandplatz, auf dem sich die Stuten sichtlich wohler fühlten als in früheren Jahren auf dem Rasenplatz gleich nebenan.

Und dann ist da noch das Problem der Nachfolge von Norbert Boley. Der Vertrag des Geschäftsführers Hengsthaltung läuft Mitte nächsten Jahres aus, dann hat er die Altersgrenze erreicht. Wenn man mit ihm spricht, geht er nicht in die Verlängerung: „Nach 40 Jahren ist dann auch mal genug,“ findet er. Über den Nachfolger wird spekuliert, es wurde auch keiner rechtzeitig ausgeguckt und aufgebaut. Warum nicht? Ein Bewerber mit riesiger Expertise und einem Netzwerk, von dem die meisten in Holstein nur träumen können, der darüber hinaus 70 Prozent der Körbezirksvorsitzenden hinter sich hat, fand im Vorstand keine Mehrheit. Die Holsteiner Züchter warten auf eine vernünftige Begründung.