Moment mal! Gabriele Pochhammer: Durchatmen in Luhmühlen

Was für ein wunderbares Wochenende war das in Luhmühlen, sonnig in jeder Hinsicht. Und ein neuer Course-Designer, der ein echter „Gentle-Man“ist, findet Gabriele Pochhammer. Außerdem: Die FEI und eine „Idee zum Sonntag“

Am Abend nach der Geländeprüfung im CIC3* und CCI4* drängelten sich die Menschen noch stundenlang am Pimm’s-Stand, der (hoffentlich) das Geschäft seines Lebens machte, um beim britischen Kult-Getränk mit Gurke und Minze die Ritte Revue passieren zu lassen, und auszutauschen, was man unterwegs gesehen hatte. Denn das ist ja das Schöne beim Gelände: keiner sieht alles, auch die große TV-Wand nicht und erst am Ende fügt sich alles zu einem Gesamtbild, dazu braucht es also die Kommunikation. Keine betretenen Gesichter, kein ängstliches Warten auf Bulletins aus Krankenhaus oder Tierklinik. Alle Pferde mehr oder weniger heil zurück im Stall. Die Sanis mussten allenfalls Blasenpflaster und Becher mit kaltem Wasser verteilen.

Das Ergebnis im CIC3* – 44 von 53 Reiter ohne Hindernisfehler, im CCI4* 37 von 47 – führte bei manchen zwingend zu dem Schluss, die Prüfung sei „zu leicht“ gewesen, etwa bei Familie Jung oder auch seitens des Weltreiterverbandes, FEI. Da könnte man einfach mal gegenhalten, denn das Starterfeld war erstklassig, und der neue Aufbauer Michael Etherington-Smith hatte angekündigt, er wolle dieses Jahr „gentle“ sein, und müsse erstmal Gelände, Boden etc. kennenlernen. Anders als der neue Badminton-Aufbauer Eric Winter, der gleich in die Vollen ging und alle überraschte, die auf ein leichtes Badminton gehofft hatten. Am Ende des Tages kam dann nur die Hälfte an, Selbstüberschätzung rächte sich.

Anders also in Luhmühlen. Etliche von den fast 30 Tischen oder tisch-artigen Hindernissen, die der „Gentle-Man“ in diesem Jahr in die Heide stellte, werden im nächsten Jahr sicher durch einige Kombinationen und andere technische Aufgaben ersetzt werden – und schon ist es ein halber Stern mehr.

Das Ergebnis von Luhmühlen tat dem Vielseitigkeitssport in Deutschland und dem Austragungsplatz Luhmühlen mehr als gut.

Der Reiter müsse in etwa wissen, was ihn erwartet, sagte Michael Jung, schon damit er weiß, welches Pferd er mitnehmen soll. Da hat Michi gewiss recht, wenn auch nur wenige seiner Kollegen so auswählen können wie er. Aber Luhmühlen war immer etwas freundlicher als Badminton oder Burghley, insofern auch berechenbarer. Was wiederum die Diskussion um einen fünften Stern für die beiden Traditions-Events auf der Insel neu beleben dürfte. Es ist nicht zu erwarten, dass Etherington-Smith die Schraube in Luhmühlen im nächsten Jahr überdrehen wird, dazu hat der zweifache Olympiaaufbauer (Sydney 2000 und Hongkong 2008) zu viel Gespür fürs Machbare.

 

Blau gegen Grün

Aber da war diese Woche ja noch etwas, ohne Coffin, Hecken und Ecken. Nämlich Debatten rund um den Springsport. Diskutiert wird ja viel und manchmal entspringen den Brainstorming-Sessions in der Weltverbandszentrale in Lausanne seltsame Blüten. Da wurde rund um das Sportsforum im April angeblich überlegt, ob die Nationenpreise nicht obligatorisch am Sonntag ausgetragen werden sollen, an dem Tag also, an dem die Veranstalter in der Regel ihren Großen Preis, das Hauptspringen des Turniers, auf dem Programm haben. Oder ob es bei Nationenpreisturnieren überhaut noch einen Großen Preis geben soll. Das betraf die CSIO, die zur FEI-Nationenpreisserie gehören, was beim deutschen CSIO Aachen ja bekanntlich nicht der Fall ist. „Wo die Grünen sind, kommen die Blauen nicht hin“, sagt Aachens Turnierchef Frank Kempermann. Will heißen: Wo Rolex (grün) die Zeit misst, stehen FEI-Sponsor Longines (blau) Uhren still. Und da der Longines-Vertrag noch ein paar Jahre festgeschrieben ist, wird sich das auch so schnell nichts ändern.

Gleichwohl haben die CSIO-Veranstaltern, die zur Serie gehören, beziehungsweise ihre Verbände, die Sonntags-Idee bereits im frühen Stadium vom Tisch gefegt. Man fragt sich allerdings, ob die FEI im verzweifelten Bemühen, Sponsoren für die Nationenpreise zu finden und gegen die Konkurrenzserie Global Champions League anzustinken, aus Verzweiflung nicht doch auf allerlei abstruse Aktionen verfällt. Mit Hilfe der Dritte-Welt-Länder, also der Nationen, in denen zwar kein Spitzensport stattfindet, die gleichwohl alle mit einer Stimme abstimmungsberechtigt sind, wurde schon mancher Blödsinn durchgedrückt, ich denke nur an das olympische Format.


  1. Elli

    Luhmühlen: Ein tolles Wochenende, guter Sport, (meist) gutes Reiten bei den allerbesten Bedingungen, was will der Zuschauer mehr… Was die Anforderungen betrifft: die Piste hätte ja auch bei miesem Wetter gut bereitbar bleiben müssen und die Idee des sympathischen Kursbauers für einen schönen, flüssigen Kurs freut den Betrachter. Hochweitsprünge mit darauf folgenden Wendungen und technischen Anforderungen sehen einfach nicht immer pferdefreundlich aus. Etherington-Smith’s Aussage ist : „I don’t wont to catch out horses and riders“, schließlich hätten die Reiter in vielen Jahren die Pferde ausgebildet und sollen nicht in einer Prüfung die ganze Ausbildung aufs Spiel setzen. Das merkt man dem Kurs an! Und die Stimmung unter den Zuschauern nach dem Gelände war entsprechend gut…


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