Moment Mal! Gabriele Pochhammer über die Ankunft in Tryon

pochhammer_moment_mal_web

Moment mal! Die Kolumne von St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer. (© Foto Bugtrup/Montage: www.st-georg.de)

Heute ist es soweit: Die Weltreiterspiele in Tryon (USA) werden offiziell eröffnet. Und das, obwohl momentan (fast) alles anders läuft als geplant. St. GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer schildert die aktuelle Situation.

Seit Montag ist das St.GEORG-Team in Tryon vor Ort, Chefredakteur Jan Tönjes, Fotografin Pauline von Hardenberg und ich, empfangen wurden wir von wolkenbruchartigem Regen bei tropischen Temperaturen. Alles dampft, die Erde, die Luft und die Pflanzen, die urwaldartig die Strommasten umhangeln. Grund zu Schweißausbrüchen hat auch Turnierchef Mark Bellissimo, von dessen vollmundigen Plänen im  Moment nur eine Riesenbaustelle übrig geblieben ist. Und er hatte so viel versprochen!

Im Land der begrenzten Möglichkeiten …

Der amerikanische Traum, den der Selfmade-Milliardär versprochen hatte, wächst sich zum Albtraum aus. Jetzt musste er sich in aller Form bei den Pferdepflegern entschuldigen. Die Baustelle Weltreiterspiele ist von weither einzusehen, das ist gut so, denn Plakate oder andere Hinweise hat man sich gespart. Hat man etwa die Hoffnung aufgegeben, dass doch noch der eine oder andere Lust bekommt, mal reinzuschauen?  Von den 500.000 Besuchern, die ursprünglich erwartet wurden, ist keine Rede mehr, angeblich wurde das vorgesehene Polizeiaufgebot bereits halbiert mangels zu kontrollierender Masse. Aber die Dressur immerhin soll fast ausverkauft werden.

Das Pressezentrum war erst heute bezugsfertig, die Versorgung wurde ins Restaurant „Legende“ verlegt. Hauptsache das WLAN funktioniert, seit einer Stunde auch der Strom und wir werden nicht nass. Wir sind ja bescheiden geworden. Von weitem fallen mehrere Reihen kleiner Holzhütten auf, wie etwas groß geratene Hundehütten. Aber nein, das sind die Blockhütten, in denen die Pferdepfleger untergebracht sind. Innen sollen sie sehr gemütlich sein. Über die missliche Lage und die unmöglichen Zustände in Massenquartieren wurde ja schon berichtet, jetzt sollte sich die Lage verbessert haben.

Der Vet-Check und ein Buchtipp

Um halb zehn mussten die deutschen Dressurpferde heute zur Verfassungsprüfung antreten, alles ist glatt gegangen, alle in bester Form. Wer hätte noch einen Pfifferling darauf gegeben, dass Isabell Werth ihre Bella Rose nochmal bei einem Championat vortraben wird. Als die Jury ihr Okay gab, fiel auch meiner Freundin Evi Simeoni ein Stein vom Herzen. Vor wenigen Tagen ist das Buch auf den Markt gekommen, das sie gemeinsam mit Isabell Werth geschrieben hat. Es heißt „Vier Beine tragen meine Seele,“ und es ist soviel mehr als nur die Autobiographie einer großen Reiterin. Es verspricht ein Renner zu werden, ist schon nach zwei Wochen, noch vor der offiziellen Vorstellung, in der Spiegel Bestsellerliste auf Rang 26. Und das ist schon lange her, dass es ein Pferdebuch so weit geschafft hat.

Ich durfte ja die Entstehungsgeschichte miterleben und habe viel erfahren über Isabell. Offen wie noch nie mit einem Journalisten zuvor hat die sechsfache Olympiasiegerin  darüber gesprochen, was sie bewegt, über ihr Leben und ihre Arbeitweise, vor allem aber über ihre Pferde, von denen jedes einzelne einen Platz in Isabells Herzen hat. Doch davon später mehr, Bella Rose muss sich jetzt erstmal die vielen Vorschusslorbeeren verdienen, die sie bekommen hat.

Und das Wetter?

Hurricane Florence hält alle ein bisschen in Atem, obwohl nicht zu erwarten ist, dass er auch hier in Tryon mit 180 Stundenkilometer wüten wird. Aber regnen und stürmen wird es sicher; viele Menschen fliehen ins Landesinnere und bringen, so sie haben, auch ihre Pferde in Sicherheit, wie uns unsere Vermieterin erzählt hat. Außerdem hat sie uns geraten, jetzt schon vollzutanken. Es wurden bereits Pick-Ups mit einer Riege von Kanistern an Tankstellen gesehen, die sich bevorraten. Auch die Supermarktregale leeren sich mehr als sonst. Der Ami an sich neigt offenbar zur Panik.

„Moment mal“ macht jetzt zwei Wochen Pause, stattdessen werden wir in einem täglichen Blog von den Weltreiterspielen berichten. Und da gibt es viel zu erzählen.


St.GEORG GRATIS LESEN!

Schnell, aktuell und auf einen Blick wissen, was Sache ist! Das bietet der
St.GEORG Newsletter. Jetzt abonnieren und Sie erhalten eine Ausgabe
St.GEORG als ePaper gratis - zum immer und überall lesen.