Moskau: Eine Schlappe für die FEI bei der Generalversammlung

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Moment mal! Die Kolumne von St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer (© Foto Bugtrup/Montage: www.st-georg.de)

Aktuell tagt in Moskau die FEI Generalversammlung mit Delegierten aller Mitgliedsnationen und den Oberen des Weltreiterverbandes. Ziemlich abenteuerlich, was die für Pläne hatten!

Netter Versuch. Zum Glück krachend gescheitert. Das FEI-Präsidium wollte bei der Generalversammlung – also vor den Vertretern von 113 Nationen – einen Vorschlag unterbreiten, nach dem nicht mehr die einzelnen Nationen bzw. ihre Reiterlichen Vereinigungen, sondern die FEI bestimmen kann, welcher Veranstalter ein „O“-Turnier, also ein Internationales Offizielles Turnier, ausrichten darf.

Davon gibt es in jedem Land nur eins, in Deutschland ist das bekanntlich der CHIO Aachen, wo gleich fünf Disziplinen ihr „O“ feiern: Springen, Dressur, Vielseitigkeit, Fahren und Voltigieren. In diesen fünf Sparten wird auch der Nationenpreis ausgetragen, auch nur einer pro Land. Theoretisch hätte also die FEI Aachen den „O“-Status entziehen können, dann hätte der Nationenpreis auch nicht mehr so heißen dürfen, sondern nur noch „Internationaler Teamwettbewerb“.

Rolex sollte raus

Ungeachtet dessen, ob das in vielen Sprachen geläufige Wort „Nation“ überhaupt geschützt werden kann, handelt es sich um einen schlecht getarnten Versuch, Aachen und andere große Veranstalter, zu zwingen, sich von ihrem Hauptsponsor Rolex zu trennen und zum offiziellen FEI-Sponsor Longines überzuschwenken. Das betrifft außer Aachen etwa auch die CSIO Calgary und Rom, die langfristige Verträge mit Rolex aus der Zeit haben, als von Longines noch nicht die Rede war. Ein unerhörter Eingriff in die Rechte der nationalen Reiterverbände und vor allem der Veranstalter, die am Ende ja das finanzielle Risiko für ihr Turnier tragen, während die FEI vor allem kassiert.

Es ist schon schlimm genug, dass Aachen wegen des Uhrmacher-Streits nicht zur offiziellen Nationenpreisserie der FEI gehört. Gebracht hat es der FEI  nichts, denn Aachen ist für die internationale Reiterelite attraktiv genug, auch ohne Longines-/FEI-Segen. Zumal es als Station des vierteiligen Rolex Grand Slam ja auch finanziell einiges zu bieten hat, bis zu zwei Millionen Preisgeld. Der FEI und Longines ein Dorn im Auge. Jetzt sollten also die Daumenschrauben angezogen werden.

Proteste von allen Seiten

Das kam nicht gut an. Mit empörten Protesten reagierten sechs starke westeuropäische Reiternationen: Frankreich, Italien, Schweiz, Deutschland, Schweden, die Niederlande und die European Equestrian Federation (EEF) als Ganzes.

Vor allem die deutsche FN wehrte sich heftig und ausführlich. Zunächst einmal sah sie keinen logischen Grund in der geplanten Entmachtung. „Der Vorschlag lässt keinen  ausreichenden Grund für eine Änderung erkennen.“ Immerhin überlasse die FEI eine ganze Menge auch „offizieller“ Aufgaben den nationalen Verbänden, wie Registrierung von Reitern und Pferden, Eintreiben von Gebühren und Bußgeldern. Kostet die Verbände (und damit alle Mitglieder, auch uns) viel Zeit und Geld.

Im übrigen wissen natürlich die Verbände am besten, welcher Veranstalter sich am ehesten eignet. Die meisten Plätze veranstalten seit Jahrzehnten das jeweilige Nationenpreisturnier ihres Landes, haben sich mit ihren Investitionen darauf eingerichtet. In der Aachener Soers stecken auch Millionen von Steuergeldern.

Der Vorstoß der FEI berühre auch die Souveränität der NFs. Schließlich, und das scheint man in Lausanne gelegentlich zu vergessen, steht die FEI nicht über den Mitgliedsnationen, sondern ist ein Zusammenschluss von Gleichen. Auf Augenhöhe.

Diskret fallengelassen

Am Tag vor der Generalversammlung kam das Thema noch mal auf den Tisch. Und siehe da, FEI-Präsident Ingmar de Vos musste den Rückzug antreten. Der Vorschlag könne nicht gegen den Willen der betroffen FNs durchgeboxt werden. Er wurde von der Tagesordnung gestrichen, kam gar nicht mehr zur Abstimmung.

Für den Augenblick ist der Vorstoß also vom Tisch. Ein Etappensieg für die FNs, mehr nicht. Denn Ingmar de Vos versprach weiter daran zu arbeiten, die Nationenpreisserie für den Verbandssponsor Longines zu stärken. Wie und mit wem verriet er nicht. Im Laufe des langen Tages in Moskau fiel übrigens von ihm auch einmal der Satz: „Wir sind ein Service-Unternehmen“.

Das den Mitgliedern dienen soll also. Daran sollte man ihn einfach gelegentlich mal erinnern.


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