Olympia-Blog: Sightseeing in Tokio

Gabriele Pochhammer Olympia 2021 Blog

St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer bloggt von den Olympischen Spielen 2021 in Tokio. (© www.st-georg.de)

Ihren freien Tag hat St.GEORG Herausgeberin Garbiele Pochhammer genutzt, um doch noch ein wenig von Tokio zu sehen. Währenddessen werden in der Heimat vierbeinige Heldinnen gebührend gefeiert.

Gestern war ein so genannter „freier“ Tag, an dem nichts stattfand im Equestrian Park, außer der zweiten Verfassung für die Springpferde, die aber unspektakulär verlief. Alle Deutschen durch, die Mannschaft gab Otto Becker gleich anschließend bekannt, André Thieme mit Chakaria, Maurice Tebbel mit Don Diarado und Daniel Deußer mit Killer Queen– das könnte was werden. Thieme bekommt die Chance, seinen groben Fehler von der Einzelqualifikation auszubügeln, die er sicher nutzen wird, Maurice Tebbel startet mit frischem Pferd und der Weltranglisten-Erste Daniel Deußer mit Killer Queen weiß auch, worauf es ankommt.

„Wir brauchen Nullrunden“, hatte er nach seinem Acht-Fehler-Ritt im Einzelfinale gesagt. Zumindest heute wird es wohl nicht ganz so schwer wie vorgestern, morgen muss man sehen. Schweden, Briten und Holländer reiten bärenstark. Allerdings haben die drei schwedischen Pferde nicht nur den Umlauf des Einzelfinales, sondern auch noch das Wettrennen im Stechen in den Knochen. Und die Briten zogen ihr zweitbestes Pferd Jefferson von Scott Brash vor dem Vet-Check zurück, jetzt reitet die Ersatzdame Holly Smith auf Denver. Nicht zu unterschätzen: Paul Schockemöhles Japaner. Aber Optimisten wie wir sind, haben wir die Hoffnung auf eine Medaille noch nicht aufgegeben.

Roter Teppich für Mandy

Andere lassen sich mit ihren Medaillen schon zuhause feiern. Mandy, der Goldstute von Julia Krajewski, wurde tatsächlich ein roter Teppich in Warendorf ausgerollt, als sie aus dem LKW stieg. Sie betrat ihn an der Hand ihrer Reiterin Julia Krajewski, als habe sie ihr Leben lang nichts anderes unter den Hufen gehabt, schaute huldvoll in die Fähnchen schwenkende Begrüßungsrunde – ganz die Olympia-Diva. Dann strebte sie aber doch mit großen Schritten der Karre mit Möhren und Äpfeln zu, die am Ende des Teppichs wartete und mampfte los. Ansonsten Entspannungsprogramm: Weide, Wälzen und ein kleiner, wilder Galopp. So sehen Pferde aus, denen es gut geht. Zu sehen bei Instagram und vielleicht sollte der eine oder andere Hass-Kommentator, der über die angeblich so gequälten Pferde giftet, da mal reinschauen. Nur so’ne Empfehlung.

Sightseeing in Tokio

Gestern war der einzige Tag, an dem meine Kollegin Monika Schaaf und ich ein bisschen Sightseeing zu Fuß machen konnten. Museen und anderes hat meist Corona-bedingt geschlossen – die Japaner kämpfen mit steigenden Infektionszahlen – aber wir fanden mit nachtwandlerischer Sicherheit mehrere schicke Läden, unter anderem das Riesenkaufhaus Times Square, etwa das Londoner Harrod‘s auf japanisch. Alle teuren Designer vor Ort, die sieht man ja auch in Hamburg, aber auch ein paar japanische Kollektionen. Eine 20 Meter lange Stange voller eleganter schwarzer Kleider und Kostüme. Was man bei uns nur zu Beerdigungen anzieht, wird hier von der Businessfrau täglich im Büro getragen.

Das männliche Pendant läuft in Scharen auf der Straße rum: schwarze Hose, weißes Hemd, auseinander zu halten für westliche Augen vor allem durch die Frisur. Da gibt es immer wieder kecke blonde Strähnchen im schwarzen Schopf. Wenige Jeans im Straßenbild, nicht, dass ich sie vermisse. Die meisten Japanerinnen, die man auf der Straße und sonst wo sieht, sind schick angezogen: lässige Eleganz, locker fallende Kleider, T-Shirts und Hosen. Nichts sieht billig aus, obwohl die Preise, es sei denn man geht zu den oben genannten Luxus-Labels, nicht anders sind als bei uns. Hilfreich für die Optik ist natürlich, dass „die“ Japanerin weder Po noch Hüfte hat, da muss ich passen. Immerhin, ich fand auch was Nettes, unter anderem drei Hüte und einen Haarreif.

Gut für die schlanke Linie

Richtig dicke Menschen sieht man so gut wie gar nicht, anders als in USA, wo bei Veranstaltungen wie Reitturnieren fast jeder einen Doppelsitz brauchte. Manche schieben das auf die Gene, ich denke, es liegt am Essen. Die Portionen in den Restaurants hier in Tokio sind winzig im Vergleich zu den Wagenrädern voll fetttriefenden Junkfoods, die uns in Kentucky serviert wurden. Das Lunch gestern im „Tea Room“ des Times Square wurde begleitet von Tee in Minischalen, eingeschenkt aus niedlichen kleinen Glaskännchen, kaum größer als Puppengeschirr.

Ein anderes Thema sind die Snacks im Supermarkt, die interessant aussehen. Aber wenn man des Japanischen nicht mächtig ist und deswegen die Aufschrift nicht lesen kann, weiß man erst, was drin ist, wenn man reinbeißt. Und dann ist es zu spät. Ich habe dann doch eine Tüte getrockneter Minifischchen gekauft, sah ganz ok aus. Die waren aber nicht nur getrocknet, sondern auch noch knüppelhart und karamellisiert. Die Tüte nehme ich mit für Erwin. Ein Labrador frisst ja bekanntlich alles und ich suchte eh noch ein Mitbringsel für ihn und seine Freundin Filly. Aber die braucht was anders, bei den Betonfischchen streiken vermutlich ihre nicht mehr ganz jungen Zähne.


  1. Deinhardt

    Wer die aktuellen Bilder vom Springreiten beim modernen Fünfkampf der Damen gesehen hat, kann das nicht gut finden. Z.B. bei u/deutschen Olympiahoffnung: Ein Pferd, das völlig „zerritten“ war bzw. wird, in’s Hindernis kracht, was sicherlich auch Schmerzen verursacht und sich dann gar nicht mehr traut…Sporen, Gerte… auch diese Bilder will niemand sehen. Mittlerweile muss man sich wirklich fragen, ob Disziplinen mit Pferden überhaupt olympiawürdig sind. Der Fahrsport war sowieso nie vertreten. Olympia sollte den zweibeinigen Sportlern vorenthalten bleiben. Hochleistungssportler auf vier Beinen gehören hier nicht (mehr) hin. Mit solchen Bildern schafft sich der Reitsport tatsächlich selbst ab.


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