Olympia: Tönjes‘ Trip to Tokio, Episode 1

Tokio-2021-Flug

Tönjes - Trip to Tokio, Olympia 2021 (© www.st-georg.de)

St.GEORG-Chefredakteur Jan Tönjes ist in Tokio angekommen. Die Anreise gen Olympia: ein, der Veranstaltung entsprechend, sportliches Unterfangen. Auf dem Programm: zehn Minuten Hindernislauf durch den Frankfurter Flughafen und eine über Sibirien bockende Boeing. Und dann ein langes Cool Down im Flughafen von Tokio.

Kennen Sie diesen Herzschlag, den man meint, im Griff zu haben? Gerade vor großen Reisen. Man hat alles geplant und sortiert. Die wichtigen Dokumente hat man zusammen. Selbstverständlich noch zweimal gegengecheckt. Erst recht in Zeiten von Corona. Und dann ist da diese eine kleine Frage und die Coolness des Reisenden ist flöten. Der Puls pocht, man schwitzt und schluckt. Bei mir war das eine kleine Frage im Coronatest-Zentrum am Hamburger Flughafen. Dort musste eine Ärztin noch die beiden obligatorischen PCR-Tests vor der Einreise nach Japan unterschreiben und abstempeln. Denn merke: Papierausdrucke sind das neue Digital. Zumindest was die Unterlagen für Tokio anbelangt. Alles ausgefüllt, ausgedruckt und mit äußerster Vorsicht in einzelnen Kunststoffhüllen zusammengestellt. Und dann diese Frage: „Ich kann das Ergebnis ihres zweiten Tests nicht finden, sind Sie sicher, dass Sie ihn gemacht haben?“ Zack (nicht der tolle Hengst im dänischen Dressurteam, sondern das Wort als solches)! Da ist sie, die erste Panikattacke. „Ja, klar, äh, hier“. iPhone raus, E-Mail-Fach geöffnet, scrollen, scrollen, scrollen. „Da!“

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Nach 15 Minuten ist die Unterschrift – O-Ton am Testtag „die holen sie sich dann schnell vorm Abflug ab, dauert drei Minuten“ – da. Natürlich stehen viele Menschen am Schalter als es losgehen soll. Auch wenn der Hamburger Flughafen recht leer ist. Leer ist auch das Blick der Dame die immer und immer wieder meinen Reisepass durch ihre Computertastatur zieht. „Ich sehe sie schon, aber ich kann sie nicht durchchecken.“ Sie beugt sich zu ihrer Kollegin. „Da rufe ich wohl besser Erkan an?“ „Ja, habe ich mit dem Fotografen eben auch gemacht.“

Flughafenrallye

Wer auch immer Erkan ist. Er will, dass Fotograf Stefan Lafrentz, der unter anderem offizieller Fotograf der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) ist, und auch meine Wenigkeit zu den Olympischen Spielen fliegen.

Das Bodenpersonal in Frankfurt, von wo aus die Boeing 787 „Dreamliner“, später dazu mehr, gen Tokio abheben soll, macht es noch mal spannend. Busse stehen bereit – die Außenfeldposition, auf der unser Flieger parkt, verdient den Namen wirklich, jwd: Janz weit draußen. Auch die Fahrtreppen sind da. Nur leider niemand, der die Dinger an den Flieger schiebt. Es ist 12.17 Uhr als die Türen sich öffnen. Die Türen? Falsch! Die Tür – ich sitze auf 27 F, hinter mir noch zwei Reihen, dann das Klo. In Coronazeiten wird reihenweise und geordnet ausgestiegen. Das ist eigentlich ganz angenehm. Nur nicht bei Zeitnot und mit Sitzplatz 27 F.

Stefan, Reihe 8, ist schon im Bus, da erfahre ich noch von meiner reizenden Sitzbachbarin, dass das Wetter in Vancouver so ist wie in Hamburg. „Häufig regnerisch, nur mehr Wale und mehr Landschaft.“ Reisen bildet…

Sportlicher Einsatz

Per WhatsApp erfahre ich von Stefan: Wir werden abgeholt, müssen dann aber mindestens zehn Minuten laufen. Schnell laufen. Unser flottes Joggen – mit FFP3-Maske etwas, das vermutlich nur Tour de France-Fahrer, die die Bergwertung gewinnen, kalt lächelnd absolvieren können – zeigt uns auf: Als Berichterstatter haben wir Olympiareife, sonst eher nicht. Schwitzend und pumpend stehen wir vor den Grenzbeamten. Pass gezeigt, Maske wieder auf, weiter. Uns kommen viele schnelle Menschen entgegen, nicht wenige mit panischen Gesichtsausdrücken.

Das muss wohl diese kollektive Sportbegeisterung sein, die ausbricht, wenn Olympia ansteht.

Am Gate angekommen, treffen wir nicht nur die schreibende Kollegin Monika und den tschechischen Fotografen Tomas, sondern noch einen. Verschmitzt grinsend sitzt da Oliver Oelrich, Ex-Bundestrainer des Dressurnachwuchses, nun in Diensten des Schweizer Verbandes. Die Schweiz schickt Estelle Wettstein als Einzelreiterin. Außerdem betreut Oelrich auch die Australierin Simone Pearce, die mit dem Hannoveraner Hengst Destano mit von der Partie ist. „Das kann schön werden“, sagt der Westfale. „Ich habe mich jetzt mal unter den Presseclub gemischt“, so seine Begrüßung.

Bockende Boeing

Im Flieger ist es entspannt. Viele Mittelsitze sind frei. Sportler aus unterschiedlichen Nationen sind da. Serben, Israeli, Ägypter und ein breitschultriger Athlet mit einem wahren Berg hochgesteckter blonder Locken – würde jeden Engel im Krippenspiel blass erscheinen lassen: „Hellas“ steht auf seinem Trainingsoutfit, Griechenland. Immer mal wieder gehen Gestalten durch den Gang, bei denen man meint, es sei versehentlich eine Wade als Bizeps eingebaut worden.

Eine Reiterin ist auch an Bord. Sie kommt aus Brasilien, hat mal bei Sandra Auffarth geritten. „Eventing“, verrät sie später bei dem Postenlauf durchs Flughafengebäude, der die Covid-sichere Einreise garantieren soll. Reitqualitäten, wie sie im Busch von Nöten sind, sind ein bisschen über Sibirien nach gut zwei Dritteln des 14-Stunden-Flugs gefragt. Da ist es dunkel und alle versuchen, ein bisschen Schlaf zu finden – es kommt zu leichten Turbulenzen. Es ruckelt und wackelt so, wie wenn ein junges Pferd beim Einreiten im Galopp das erste Mal merkt, das es noch mehr gibt als nur gleichmäßig gesprungenen Dreitakt. Yeehaa!

Der Dreamliner, wie die Boeing 787 sich selbstbewusst nennt, hat übrigens keine Sonnenblenden an den Fenstern, sondern ein ausgeklügeltes Lichtsystem, dass die Scheibe dimmt. Irgendwie cool. Nur nicht, wenn man ins Land der aufgehenden Sonne fliegt und die Sonne so stark über den Wolken scheint, dass das mit dem Schlaf dann doch nichts wird.

Tokio Airport Haneda

Die Arbeitslosenrate in Tokio kann nicht sehr hoch sein. Heerscharen freundlicher Menschen geleiten uns durch diverse Stationen. Mal bekommt man ein Formular, das man ausgedruckt dabei hat und im Flugzeug nochmal ausfüllen sollte, ein drittes Mal ausgehändigt. Dann muss man zum Spucktest – der nächste PCR-Test.

Am Ende wird dann die vorläufige Akkreditierung „validiert“ und man bekommt die endgültige Arbeitsgenehmigung für die Spiele. Laminiert um den Hals baumelnd ist sie der Türöffner. Sagte ich, die Akkreditierung wird „validiert“? Bei allen anderen schon. Meine nicht. Wieder dieser Herzschlag. Aber nach 22 Stunden Reise irgendwie nicht mehr so stark wie in Hamburg.

Deswegen geht es vom Hotel aus direkt weiter ins Main Press Center, MPC. Riesengroß und wieder voller freundlicher Helfer. Zwei Klicks, einmal „Passport please“, dann bin auch ich bei Olympia dabei. Und dabei zu sein, ist hier bekanntlich alles.


  1. Müller

    Danke Herr Tönjes für Ihren super Episodenbericht Nr.1, der dem Leser einen erstklassigen und realistischen Einblick verschafft und vor allem nicht mit Mutmaßungen gespickt ist, wie z.B. die Pferde das Wetter wegstecken werden bzw. könnten.

  2. Katharina

    Ich freue mich schon jetzt jeden Tag aufs Neue auf die Blogs von Ihnen und Frau Pochhammer. Seit Jahren lese und liebe ich die Eventblogs, weil sie einfach so einen realistischen Eindruck geben, was hinter den Kulissen geschieht. Ich wünsche Ihnen viele schöne Stunden in den nächsten Wochen.


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