Pochhammers Pratoni Post: Carjatan, Kaffee und Körperteile

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St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer meldet sich aus Pratoni (© st-georg.de)

Schrecksekunden am Viereck , Kaffee, der das Hemd durchsengt und ein Kurs, der alle Körperteile fordert, auch das Gehirn. Gabriele Pochhammers Pratoni Post.

Es hat angefangen. Mit einem Dressurritt von Christoph Wahler auf Carjatan, für den ihm selbst nur das Prädikat „Mist“ einfiel, begann der Auftritt des deutschen Teams. Immerhin zog er sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf, sammelte im Verlauf der Aufgabe noch etliche Gutpunkte und mit 32,8 Minuspunkten Punkten wurde er jedenfalls nicht zu streng benotet. Um seinen Startplatz als allererster Reiter des 88-Feldes beneidete ihn auch keiner. „Aber einer muss ja anfangen“, sagte er. Er befindet sich schließlich in hochkarätiger Gesellschaft, mit zwei Olympiasiegern (Michi Jung und Julia Krajewski)  und einer Ex-Weltmeisterin (Sandra Auffarth). „Da bin ich der Neuling“, sagte er.Und musste nehmen, wie es kommt.

Gelassener beurteilte Sandra Auffarth ihren Ritt mit Viamant de Matz, der gut anfing, aber bei dem sich dann kleinere und größere Patzer summierten. Am Ende war der Abstand zu Wahler nicht groß, 31,3 Punkte. Der Fuchs erschrak, als ein Buchstabenständer umfiel. „Da habe ich Schlimmeres erlebt, in London kam mir das Dach vom Richterhäuschen entgegen.“ Und da ging Sandra bekanntlich am Ende mit Teamgold und Einzelbronze nach Hause.

Morgen sind Julia Krajewski, Michi Jung und Einzelreiterin Alina Dibowski  dran, das kann eigentlich nur besser werden. Muss es auch.

Gestern nahm sich Parcourschef Giuseppe della Chiesa die Zeit, ein Grüppchen Journalisten höchstselbst durch den Kurs zu führen, zu Fuß, 5600 Meter, bergauf, bergab.  Ich bin froh, dass ich im gemächlichen Schritt aufsteigen konnte, und kein Pferd bin, dass mit einem Reiter auf dem Buckel hochrennen muss. Und es war gar nicht schlimm, dass wie von Zauberhand ein Golfwägelchen auftauchte, dass mich ein Stück mitnahm, sodass ich am nächsten Hindernis wieder gut erholt den Ausführungen des Parcourschefs folgen konnte.

Der Nachteil: Schwarzer-roter Staub wirbelte auf uns alle nieder  – die Folge von sechs Monaten Trockenheit. Zwar hatte es in der vergangenen Woche ein wenig geregnet, aber das reichte bei weitem nicht. Della Chiesa hofft nun auf Regen, aber nur in der Nacht. Weiß nicht, ob der Wettergott solche Sonderwünsche entgegennimmt… Heute morgen hat es erstmal gegossen, der Rat unserer Pressechefin, die Gummistiefel mitzubringen, war goldrichtig. Ich erinnere mich an eine EM in Pratoni, als sämtliche Gummistiefel ausverkauft waren.

Ein Kurs ist das aus vielen dicken hellbraunen Stangen und Stämmen, mal als Oxer, mal als Triplebarre mal als Tisch, ohne viel Schnickschnack, sieht man von ein paar geschnitzten Holzpilzen ab, die überall rumstehen. Ihm sei das ziemlich egal, sagte Christoph Wahler ob der sparsamen Deko. „Hauptsache mein Pferd springt drüber.“ Man hat schon phantasievoller gestaltete Kurse gesehen, aber am Ende ist es eine Kostenfrage. Nicht jeder Championatskurs muss ein Vermögen kosten, das ist ja auch eine nützliche Erkenntnis, die man am Samstag IOC-Chef Thomas Bach verklickern kann.

Die größte Herausforderung ist für viele Reiter Sprung sieben, der berüchtigte Abhang, aber auch das hügelige Gelände und die verwirrende Buchstabenvielfalt an einigen Hindernisse. Jeder Buchstabe darf nur einmal gesprungen werden, und wer einen Vorbeiläufer an A/B hat und dann B/C ansteuert, ist raus (in dem Fall, weil er B zweimal überwunden hat) und kann nicht weiterreiten. „Das ABC sollte man schon kennen“, sagte Christoph Wahler.

Kompliziert auch das Wasser, an dem gleich zwei Hinderniskomplexe angelegt sind. Der Wasserspiegel muss aufgrund der Trockenheit ständig durch einen eigenen Brunnen nachgepumpt werden. „Sonst ist der Teich in vier Stunden leer“, sagt della Chiesa. Erfahrungsgemäß kommt dann am Ende doch alles anders, als man vorher dachte. Samstagabend wissen wir mehr.

Von der Pressestelle aus haben wir einen herrlichen Blick rundum, auf die Berge mit den tief hängenden Wolken, auf die Strecke mitsamt dem Abhang an Hindernis sieben. Das W-Lan funktioniert manchmal, und der tiefschwarze Kaffee ist so, „dass wir dieses Jahr keine Wumkur mehr brauchen“, wie Chefredakteur Jan klar erkannt hat. Wo er recht hat, hat er recht.