Über Blinddarmoperationen, Entlobungen und Pferde, die sich für Jesus halten – Blog 3 aus Aachen

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Bundestrainer Otto Becker bei der Nationenpreis-Parcoursbesichtigung beim CHIO Aachen 2017 – damals hat Deutschland gewonnen. (© Pauline von Hardenberg)

Philipp Weishaupt muss sich Fragen stellen, ein Geburtstag jagt den nächsten und Pferde, die übers Wasser laufen können –
St.GEORG-Herausgeberin Gabriele Pochhammer über die Nachwehen des Nationenpreises am Donnerstagabend beim CHIO Aachen.

Der Tag danach kann verheerend sein, aber auch hervorragend, wenn es am Abend zuvor so gut gelaufen ist, wie gestern bei den deutschen Springreitern und der Siegesrausch entsprechend fröhlich ausgefallen ist. Bundestrainer Otto Becker war noch ganz erfüllt von der Leistung seiner Jungs, vor allem des Team-Debütanten Maurice Tebbel. Man sah: Es geht auch ohne den Leitwolf. Gefühlte drei Jahrzehnte hat Ludger Beerbaum den Ton angegeben im deutschen Team, jetzt fand er sich mit neuen Aufgaben als Mentor und Ausbilder seines Angestellten Philipp Weishaupt auf der Tribüne wieder. „Ich fühle mich wohl in meiner Rolle, es macht mir Spaß mal zuzugucken. Die Jungen kratzen mit den Füßen und wollen an den Trog.“

Kommentare aus der Kalauerkiste

Wie immer griff TV-Kommentator Carsten Sostmeier tief in die Kalauerkiste während des Nationenpreises. Als Daimler, das Pferd des Schweizers Werner Muff mit zwei Nullrunden nach Hause kam, rief er begeistert ins Mikrofon: „Ein Stern geht auf mit diesem Daimler“. Ich habe keine Ahnung, was Mercedes für solche flockigen Sprüche zahlt, aber TV-Werbung ist ja nicht billig, wie man weiß. Dabei wäre dieser Stern fast noch sang und klanglos im blauen Nass versunken, als der neunjährige Canturano-Sohn sich offenbar für Jesus hielt und anfing, übers Wasser zu laufen. Sostmeier interpretierte das anders: „Das Pferd dachte, huch, ist das breit, jetzt muss ich laufen, laufen, laufen.“

Gut erholt erschien das gestrige Geburtstagskind Philipp Weishaupt gegen Mittag auf dem Platz. Schmal ist er geworden, seit seiner Blindarmoperation, der er sich Knall auf Fall im kanadischen Calgary unterziehen musste, wo er zu einer fünfwöchigen Turniertournee hingefahren war. Schon am Mittwoch des ersten Turnierwochenendes ging es los mit den Schmerzen. Am Ende der Tour war er wieder voll dabei, wurde mit Convall Zweiter im Großen Preis. Zu allem Überfluss musste er auch noch ein bisschen Spott über sich ergehen lassen: Was für ein Luxus, extra nach Kanada zu fahren, um sich den Blinddarm rausnehmen zu lassen!

Philipp Weishaupt im Kreuzverhör

Eine der „Influencerinnen“, die hier vor Ort zu Hauf tätig sind – man sieht, Aachen geht mit der Zeit – knöpfte sich Philipp Weishaupt vor. Er habe doch gefährliche Hobbies, habe sein Chef Ludger Beerbaum mal geklagt. „Das ist ewig her“, seufzte Philipp. Aber es stimmt, er liebt immer noch alles, was schnell und waghalsig ist: Snowborden, Motorrad fahren, Bungee springen. Also alles, wo einem normalen Menschen schon beim Gedanken daran schlecht wird. „Du hast doch auch mal im Knast gesessen“, wollte die forsche junge Dame wissen, offenbar des Googlens mächtig. Nochmal seufz. Das war in Madrid vor sechs Jahren, da hatte Philipp Weishaupt bei der abendlichen Party im Real Madrid Stadium den Weg in den „Powder Room“, wie der Brite sagen würde, nicht gefunden und hatte den heiligen Rasen des Kult-Fußballvereins als Notlösung gewählt. Was die Ordner nicht komisch fanden und die Polizei auch nicht. In deren Augen war es schlimmer, als wenn er bei der Königin eingebrochen wäre. Nach einer Nacht (in getrennten Zellen) waren er und seine Freundin wieder frei. Der hatte er übrigens im vergangenen Jahr nach seinem Überraschungssieg im Großen Preis von Aachen einen Heiratsantrag gemacht. Heute firmiert er wieder unter den Singles. So ist das Leben.

Es gibt heute schon wieder ein prominentes Geburtstagskind: Isabell Werth wird 48. Gestern ein Sieg, morgen wahrscheinlich wieder einer – ein würdiger Rahmen fürs Wiegenfest.


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