Über die Mitgliederversammlung des Holsteiner Verbands mit neuem Vorstand

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Moment mal! Die Kolumne von St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer (© Foto Bugtrup/Montage: www.st-georg.de)

In Elmshorn fand vor kurzem eine Mitgliederversammlung des Holsteiner Verbandes statt, bei der die Führungsriege den Züchtern Rede und Antwort stand. Gabriele Pochhammer war dabei.

Da saßen sie nun beieinander, der neue Vorstand des Holsteiner Verbandes, zwei Damen und sechs Herren, zusätzlich zu den fünf Vorstandsmitgliedern auch die Chefs der drei Abteilungen des Holsteiner Verbandes, Dr. Thomas Nissen als Zuchtleiter, Norbert Boley für die Hengsthalter und Roland Metz für die Vermarktung. Sie standen den Züchtern, die den Weg in die Elmshorner Fritz Thiedemann-Halle gefunden hatten, Rede und Antwort.

Alle waren beseelt vom guten Willen, den Holsteiner Verband aus den negativen Schlagzeilen zu führen, ihn wieder dahin zu bringen, wo er nach Ansicht der Züchter zwischen den Meeren hingehört, ganz nach vorne aufs Podium der internationalen Springpferdezuchtverbände. Im Moment rangiert er auf Platz acht.

Man möchte ja wünschen, dass die letzten Monate eine Art Läuterung bewirkt haben und nicht nur ein „Weiter so“ mit anderem Personal. Einiges spricht dafür, dass es so sein könnte. Das Schlagwort von der „Good Governance“ hat nun auch den hohen Norden erreicht.

Eigentlich selbstverständlich …

Es bedeutet ja nichts anderes, als sich ordentlich zu benehmen, sich keinen unverdienten Vorteil, vor allem finanzieller Art, zu verschaffen, der ganz normale Anstand also, der eigentlich selbstverständlich sein sollte. Aber dass sogar große Konzerne sich dieses Slogans bedienen, offenbar weil es dringend nötig ist, spricht für sich. Auf die Good Governance in korruptionsgebeutelten Sportverbänden wie FIFA und IOC warten wir freilich noch vergeblich.

Aber in Holstein soll es jetzt so werden: keine Provisionen mehr für Vorstandsmitglieder bei Verbandsgeschäften, das ist ja schon mal ein Anfang. Auch die vor nicht allzu langer Zeit vollzogene Trennung von Zuchtleitung in Kiel und der beiden Bereiche Hengsthaltung und Vermarktung in Elmshorn gehört dazu. Begehrlichkeiten sollen gar nicht erst geweckt werden, beziehungsweise niemand in den Verdacht kommen, er könnte ihnen erliegen.

Zukunft für die Zucht

Für Holstein geht es um die Rückeroberung einer Marktposition unter erschwerten Bedingungen. Die Zahl der Fohlen, die pro Jahr geboren werden, hat sich in den letzten Jahren halbiert, von 5000 auf 2500. Einstmals kleine Verbände wie das Stutbuch Zangersheide sind vorbeigezogen. Dort werden rund 6000 Fohlen geboren, alle ganz gezielt aus Springpferdeanpaarungen. Da geht es knallhart um Leistung im Parcours. Typ, Rittigkeit und Korrektheit – Kriterien, die wichtig werden, wenn das Pferd sich niemals für den Großen Preis von Aachen qualifizieren wird. Auch diese Pferde müssen ja ihren Käufer finden.

Zukunftsfähig zu werden, für einen größeren Kreis von Züchtern attraktiv zu werden, darum hat sich der Hosteiner Verband in den letzten Jahren bemüht. Er hat hat sich für Züchter außerhalb der Kernzuchtgebietes geöffnet, er hat sich mit Holstein Global für Pferde geöffnet, die nicht schon seit fünf Generationen das Holsteiner Brandzeichen tragen, dass es ja sowieso seit diesem Jahr nicht mehr gibt. Dahinter steht die Hoffnung, nicht noch mehr Züchter an flexibler agierende Verbände wie den Oldenburger Springpferdezuchtverband OS zu verlieren. Das gab auch Kritik von Puristen, aber einen Weg zurück gibt es wohl nicht.

Den Weg der Zucht bestimmen ohnehin nicht die Funktionäre, sondern die Züchter selbst. „Wir sind verantwortlich, nicht der Verband“, merkte dann auch ein alter Züchter bei der Elmshorner Versammlung an. Wenn Holstein auf der Weltrangliste abgerutscht ist, dann sollten sich die Züchter fragen, ob sie alles richtig gemacht haben.

Wurden die besten Stuten behalten oder verließen nicht doch zu viel wertvolle Mütter die Holsteiner Züchterställe? Wurden immer die richtigen Hengste benutzt? Jahrzehntelang blockierten die alten Heroen wie Contender, Cassini und Corrado die Chancen der Junghengste, weil sich ihre Fohlen am besten verkaufen ließen. Über die Anpaarung entscheidet der Züchter ganz allein.

Gute Pferde finden ihren Weg

In Zeiten von Künstlicher Besamung und TG-Sperma ist es auch ziemlich egal, wo der Wunschvater für das nächste Fohlen steht. Die Jahre sind vorbei, in denen Zuchtleitungen und Landstallmeister durch mehr oder weniger geschickte Platzierung der Hengste Politik machen konnte. Zum Glück. Kein Züchter muss sich heute mehr gängeln lassen. Kein Verband kann die Initiative, das Engagement und den Pferdeverstand des einzelnen Züchters ersetzen. Er kann beraten und die Rahmenbedingungen schaffen, die züchterischen Entscheidungen fällt jeder selbst. Gute Pferde finden ihren Weg. Darauf sollten die Holsteiner Züchter auch in Zukunft vertrauen.

Lesen Sie dazu auch in der August-Ausgabe des St.GEORG ein Interview mit dem Holsteiner Zuchtleiter Dr. Thomas Nissen.


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