Wanderung zum Vet-Check und eine Wellness-Zelle de Luxe für Pferde

FEI World Championships Herning Denmark 2022Vet Check

Christian Ahlmann und Dominator Z beim Vetcheck in Herning. (© v. Hardenberg)

St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer war beim Vet-Check der Springpferde bei der Weltmeisterschaft in Herning. Anschließend gab es ein Fotoshooting mit kleinen Hindernissen.

Inzwischen sind auch die Springreiter hier in Herning eingetroffen, hatten heute Vormittag den Vet-Check, praktischerweise ganz am anderen Ende des Stallareals, das die meisten Leute, wie wir Medienvertreter nicht betreten dürfen. Macht ja auch Sinn, aber es gab nochmal eine strenge Verwarnung seitens der Organisation, unter Androhung schärfster Strafen wie Akkreditierungsentzug, sollte sich einer widerrechtlich ein Stallbändchen besorgen. Bekanntlich haben ja Journalisten nichts anderes im Sinn, als unauffällig Pferde zu dopen. Nach einem längeren Marsch um den Zaun herum, vorbei an LKW-Parkplatz und netten kleinen Häusern, dem „Grooms Village, trafen wir ein, als gerade alle deutschen Pferde den Vet-Check passiert hatten und jetzt für ein Foto anstanden. Ein Foto vom Pferd vor einer grünen Wand, dann noch eins von den Reitenden und Pflegenden (so muss das, glaube ich, zwar nicht korrekt, aber modern heißen).

Ich stand zum ersten Mal direkt neben Dominator von Christian Ahlman, ein Gebirge von Pferd, einfach riesig. „Wenn er irgendwo hintritt, ist es besser, man hat seinen Fuß nicht darunter“, grinste Ahlmann. Stargold von Marcus Ehning hatte wenig Lust auf ein schickes Porträt. Drei Leute bemühten sich, ihm mit allerlei Sperenzchen einen wachen Blick ins Gesicht zu zaubern. Schließlich zog einer eine Kassette mit Stutengewieher aus der Tasche, aber das hatte Stargold natürlich sofort durchschaut und ließ sich zu keinem Temperamentsausbruch hinreißen.

Marcus Ehnings Stargold hatte wenig Lust, für die Kamera zu posieren.

Zu Beginn unserer Wanderung zum Vet-Check trafen wir Dressurchef Klaus Roeser und fragten ihn nach seiner Meinung  zum Covid-infizierten britischen Dressurreiter Gareth Hughes. Die war eindeutig. „Das geht gar nicht, ich bin menschlich sehr enttäuscht. Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir bei der Siegerehrung mehr Abstand gehalten.“ So gab es auf dem Podium das übliche allgemeine Geküsse und Umarmen, an dem sich auch Hughes beteiligte, zuvor hatte er Prinzessin Benedikte, immerhin mit ihre 78 Jahren einer Risikogruppe zugehörig, herzlich die Hand geschüttelt. Bekannt wurde der Covid-Fall bei der Pressekonferenz nach dem Grand Prix, als der britische Reiter Richard Davison erklären musste, warum Hughes nicht da war. Keine offizielle Stellungnahme der Equipechefin, die vorsichtshalber gar nicht erst gekommen war. Keine Information der Reiterkollegen und dazu noch ein pampiges Statement der britischen Dressurchefin Winnie Murphy, man habe sich an alle in Dänemark geltenden Regeln gehalten, die da lauten, jeder kann machen, wie er es für richtig hält. Man solle lieber über die wunderbaren Ritte der wunderbaren Athleten sprechen. Und überhaupt seien Coronaviren überall und Covid 19 sei nicht schlimmer als ein Schnupfen. Da sind die Meinungen freilich geteilt. Und wenigstens eine Info an die Mitstreiter hätte die ganz normale Rücksichtnahme wohl geboten.
Die schwedischen Zeitungen waren voll von dem Vorfall. Hätte  Hughes dem Wettkampf fernbleiben müssen, wie es in anderen Sportarten, zuletzt bei der Fußball-Europameisterschaft der Frauen, üblich ist, wäre die Bronzemedaille nach Schweden gegangen. Und Silber nach Deutschland, aber das hat natürlich keiner laut gesagt. Sonst denkt noch einer, wir wären schlechte Verlierer.

Duke of Britain, das Pferd von Frederic Wandres, wurde vor dem Special zurückgezogen, nicht fit to compete hieß die lapidare Diagnose. Manch ein scharfes Auge hatte schon gestern im Grand Prix ungleiche Tritte entdeckt. Klaus Roeser äußerte einen ganz anderen Verdacht:. „Nachts passiert ja schnell mal was.“ Klar, das wissen wir doch spätestens seit dem Film „Nachts im Museum“: Da sind die Dinosaurier los.

Heute morgen hatten wir einen netten Termin in der „Equine Lounge“ im VIP-Bereich. Steffi Hoy hatte eingeladen, vorgestellt wurde von der Firma Grohe eine Art Nasszelle für Pferde, groß wie ein kleines Wochenendhaus, mit Solarium, Pferdedusche, extra Duschen für die Beine, Putzautomat, Deckenwaschmaschine, Trockner – alles stylisch und aus besten Materialien, wie Holz, Leder, Aluminium, natürlich ohne Ecken und Kanten. Wow. So was ist natürlich kein Schnäppchen, 400.000 Euro ohne Vorinstallationen wie Abwasser- und Stromanschluss. Aber ich bin sicher, den Pferden tut es gut und darauf kommt’s ja schließlich an.

 


  1. Catharina

    Wie immer ein toller Beitrag. Ich habe wieder geschmunzelt über Ihre neckische Art zu schreiben. Ihre Kommentare zu den großen Meisterschaften verschlinge ich seit Rio und freue mich immer sehr über das Geschehen zu lesen.


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