Weitere mysteriöse Vorfälle im Distanzsport

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Gabriele Pochhammer, Herausgeberin St.GEORG (© Foto: Bugtrup, Montage: st-georg.de)

Gabriele Pochhammer über neue Entwicklungen im Distanzsport, einen Verband in Erklärungsnot und die Haltung von Olympiasiegern.

Arabische Männer sind nicht bekannt dafür, dass sie Angst vor Frauen haben und schon gar nicht, wenn sie zur Spezies Scheich gehören. Die Frau, vor der sich der Dubai-Herrscher Scheich Mohammed bin Rashid als Maktoum vermutlich am meisten fürchtet, ist die britische Pferdesportjournalistin Pippa Cuckson.

Seit Jahren recherchiert und archiviert sie mit Akribie alle Vorfälle rund um das pferdesportliche Treiben im Wüstensand, das sich Distanzreiten nennt und in Wirklichkeit häufig nichts anderes ist als organisierte Pferdequälerei. Gebrochene Beine, kollabierte Pferde, vertauschte Startnummern, falsche Altersangaben – in keiner anderen Pferdesportdisziplin wird so haarsträubend gelogen und betrogen, das Wohl des Pferdes so arrogant missachtet wie hier. Das verdirbt das Image des gesamten Pferdesports und natürlich auch derjenigen Distanzreiter, die den fairen Wettbewerb suchen. Was ja wohl immer noch die meisten sind, zumindest in Europa.

Erschreckende Bilder, nachgewiesener Betrug

Die FEI, deren Präsidentin viele Jahre die Scheichgattin Prinzessin Haya war, reagierte lustlos und unentschlosssen, wenn überhaupt und dann nur auf Druck von außen, etwa wenn mal wieder ein Video im Netz kreiste, das zeigte wie ein zu Tode erschöpftes Pferde von Scheich-Schergen durch die Ziellinie geprügelt wird.

Ergebnisse von Ritten, die nie stattgefunden haben, wurden bei der FEI registriert, ohne dass jemandem etwas aufgefallen wäre. Auf diese Weise wurden Qualifikationen vorgetäuscht, die nie erbracht wurden. Zwar wurden die Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) daraufhin eine Zeit lang als Verband suspendiert, aber sie sind lange wieder in Gnaden aufgenommen. Geändert hat sich fast nichts. Allein im Winter 2016/2017 starben sechs Pferde bei Distanzritten in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Doch halt, etwas ist doch neu: Eine Regel, nach der jeder, auch ein Zuschauer oder Journalist, berechtigt ist, einen Fall von Tierquälerei vor das FEI-Tribunal zu bringen, wurde geändert. Jetzt soll zunächst die FEI-Führung eine Art Vorauswahl treffen und entscheiden, ob der Fall wichtig genug für ein Verfahren vor dem Tribunal ist.

Übermäßig viele Pferde neu registriert

Bei ihrer Fakten-Sammeltätigkeit hat Cuckson jetzt festgestellt, dass zu Beginn der Wintersaison hunderte von Distanzpferden für die UAE neu registriert wurden. Die Emirate stellen nun fast die Hälfte aller FEI-registrierten Distanzpferde, 6255 von 13.270, ein Zuwachs von 600 Prozent in zehn Jahren, berichtet Cuckson in der britischen Pferdezeitschrift Horse & Hound. Damit kommen auf jeden registrierten Reiter sechs Pferde.

Wenn man bedenkt, wie aufwändig das Training für einen 160-Kilometer-Ritt ist, kann man sich vorstellen, wieviel Zeit die morgenländischen Herrenreiter pardon, die Herren Reiter, auf die Vorbereitung ihrer Wettkampf-Pferde verwenden müssten. In der Realität überlassen sie das ihren Bediensteten. Gezogen sind die Pferde zu 95 Prozent außerhalb der UAE, etwa in Frankreich, Spanien, Südafrika oder Australien. Soviel zur Mär, die arabischen Distanzpferde seien Nachkommen der legendären Orientalen, die mit ihren Herren einst das kuschelige Zelt teilten. Obwohl das ja noch nicht so lange her ist. Viele der jetzt auf einen Schlag registrierten Pferde wurden seit Jahren nicht eingesetzt, dümpeln nun in der FEI-Statistik vor sich hin. Über den Grund der Masseneintragung schweigt sich die FEI aus. Ob einfach der Ordnung halber, also ob viele dieser Pferde bisher unregistriert im Einsatz waren, darüber kann nur spekuliert werden.

Eher per Zufall entdeckte ein neuseeländischer Züchter, dass ein von ihm vor neun Jahren in die UAE verkaufter inzwischen 19-jähriger Wallach als „zehnjährig“ zum Verkauf angeboten wurde, er konnte ihn retten.

Britische Olympiasieger kritisieren ihren Verband

Die Skandale rund um Endurance reichen bis nach England, wo Scheich Mohammed großzügig das Distanzreitzentrum Euston unterstützt. Dort richtete er, wie berichtet, in diesem Sommer einen von der britischen FN genehmigten 80-Kilometer-Ritt aus, („UK Endurance Masters“) mit dem sagenhaften Preisgeld von zwei Millionen Euro. Just an dem Wochenende, an dem die FEI-Europameisterschaft in Belgien stattfand, veranstaltet von Pierre Arnault, einem Erzfeind des Scheichs, nachdem er die tierschutzrelevanten Vorfälle in den Emiraten kritisiert hatte.

Anders als in den olympischen Disziplinen, ist der Championatstermin nicht geschützt und auch für das Preisgeld gibt es von der FEI keine Vorschriften. Jetzt wird, wie Eurodressage berichtet, gegen die britische FN unter anderem wegen Einschüchterungsversuchen und Korruption ermittelt. Die Vorsitzende Clare Salmon ist mit dem Hinweis auf Missstände zurückgetreten. Am 13. Oktober wurde eine unabhängige Kommission eingesetzt, die die Vorfälle untersuchen soll. Am 1. Dezember werde der Bericht erwartet, schreibt der Londoner „Telegraph“.

Zu denen, die ihre FN kritisieren, gehören auch Dressurstar Carl Hester und der Olympiasieger von 2016, Nick Skelton. Letzterer beklagte öffentlich, dass immer mehr Nicht-Pferdeleute immer mehr zu sagen hätten. Man könne alle Qualifikationen dieser Welt haben, sagt er, aber am Ende müsse derjenige, der den Hut auf hat, ein Pferd von innen und außen kennen. Wie wahr! Und das gilt wohl nicht nur für Großbritannien.


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  1. Tanja

    Übelst schlecht recherchiert. Man könnte doch wirklich erwarten dass ein Jounalist seine Arbeit korrekt und gewissenhaft ausübt…. aber leider Fehlanzeige!


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