Matthias Janßen zum zweiten Mal Berufsreiterchampion Springen

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V.l.n.r. Wilfried Schormann vom RV Bad Oeynhausen, Kevin Martsch, Champion Matthias Janßen und Henrik Griese. (© St.GEORG)

Erfahrung und Hartnäckigkeit zahlten sich heute im Bad Oeynhausener Sielpark aus. Dort konnte das Berufsreiterchampionat Springen zum zweiten Mal nach 2013 der Pferdewirtschaftsmeister Matthias Janßen für sich entscheiden.

Das ganze Wochenende „volle Hütte“ – darüber freuten sich Veranstalter Wilfried Schormann ebenso wie der Ehrenpräsident der Bundesvereinigung der Berufsreiter (BBR), Burkhard Jung. Und nicht zuletzt bereitete es auch den Reitern Freude, vor vielen Zuschauern und bei bestem Wetter ihre Pferde zu präsentieren.

Letztere mussten gut in Form sein, wollten sie sich für das Finale des Berufsreiterchampionats qualifizieren. Denn nach den zwei schon schweren Qualifikationen wird im Finale traditionell ein etwas kürzerer Parcours auf S**-Niveau von den Pferden verlangt – und zwar unter allen drei für das Finale qualifizierten Reitern. Drei Runden auf S**-Niveau, Stimmen waren da zuletzt laut geworden, diesen Modus im Sinne der Pferde ein wenig zu entschärfen. 2022 sollte nun im Finale jeder Reiter nur noch die fremden Pferde reiten – um jedem Finalpferd einen schweren Parcours zu ersparen. Doch macht es das wirklich besser für die Pferde?

Nein, so schätzten am Vormittag des Ostermontags alle Beteiligten die Lage ein. Den Pferden mit ihren eigenen Reitern in der ersten Parcoursrunde nochmal Sicherheit geben und auch einmal selbst den Parcours reiten, um Distanzen mit den Fremdpferden in den folgenden Runden besser einschätzen zu können – das erschien letztlich pferdefreundlicher. Kurzerhand wurde also doch wieder nach altem Modus geritten, die Pferde in Top-Form gezeigt, ohne Müdigkeitserscheinungen oder Kraftverlust.

Sieg mit eigenem Zuchtprodukt

Einen besonderen Erfolg feierte Pferdewirtschaftsmeister Matthias Janßen, der in Brmasche einen eigenen Betrieb führt. Während sein ehemaliger Lehrling Tim Rieskamp-Goedeking 2013 hinter Janßen Zweiter und auch in der letzten Ausgabe des Berufsreiterchampionats Springen im Jahr 2020 Zweiter geworden war, setzte sich nach neun Jahren nun wieder der heute 56-Jährige Janßen gegen die Konkurrenz durch.

Das Besondere: für das Finale qualifizieren konnte er Chandor v. Comme il faut, den er selbst aus einer Almox Prints J-Stute gezogen hat. Und das ist noch nicht alles: Noch nie zuvor saß im Parcours auf einem Turnier jemand anderes im Sattel des nun zwölfjährigen Fuchswallachs als sein Züchter und Ausbilder Matthias Janßen. Sechsjährig wurde das Pferd zwar verkauft, blieb aber in Beritt von Janßen, und war für die anderen Reiter wohl am schwersten nachzureiten. Kein Wunder, schließlich war das für den Comme il faut-Sohn auch völliges Neuland, jemand anderen auf seinem Rücken sitzen zu haben. „Er ist sehr sensibel“, bestätigte Janßen. So zeigte er unter Matthias Janßen zunächst eine Null-Fehler-Runde, bekam dann mit seinem zweiten Reiter Henrik Griese jedoch 16 Strafpunkte, mit dem dritten Finalisten Kevin Martsch acht Strafpunkte.

Janßen hingegen leistete sich auch mit den anderen beiden Finalpferden keine Abwürfe. Damit war ihm der Sieg sicher. „Vielleicht bin ich da wirklich im Vorteil, dass ich auch ein paar Jahre älter bin“, so der Pferdewirtschaftsmeister aus Bramsche zu seinen drei Null-Fehler-Ritten, „dieses Mal war das Glück auch auf meiner Seite“.

Quando Vengo bestes Finalpferd

Nun, mit insgesamt 24 Strafpunkten aus drei Umläufen hatte Chandor von Matthias Janßen als Finalpferd jedoch am meisten Strafpunkte gesammelt. Ein anderer Fuchswallach beließ hingegen mit allen drei Finalisten im Sattel alle Stangen in ihren Auflagen und wurde dafür zum besten Pferd des Finals gekürt: Quando Vengo v. Quadros.

Der zehnjährige Holsteiner aus einer Come On-Mutter steht in taiwanesischem Besitz und befindet sich seit Ende sechsjährig in Beritt von Kevin Martsch. Der ist ebenfalls Pferdewirtschaftsmeister und seit 2014 selbstständig in Syke, nahe Bremen. „Ein traumhaft vorsichtiges Pferd“, so lautete das Urteil des Champions Matthias Janßen über den Quadros-Sohn, der für seinen Reiter alles tue, um null zu gehen. Das gelang! Kevin Martsch freute sich über den zweiten Platz und die Auszeichnung für das Pferd, gerade auch weil die Entscheidung zur Teilnahme am Championat erst kurzfristig gefallen sei und es zudem die erste Teilnahme überhaupt für den 32-Jährigen war.

St.GEORG

Quando Vengo unter seinem Bereiter Kevin Martsch, bestes Finalpferd Berufsreiterchampionat Springen 2022 in Bad Oeynhausen. (© St.GEORG)

Martsch hatte auf dem ersten Fremdpferd Zinordanos sowie auch auf Chandor von Matthias Janßen jeweils acht Strafpunkte gesammelt. Damit bekam er die Silbermedaille überreicht.

Noch ein Paar, das sich gut kennt

Dass es einem Pferd auch gut tun kann, länger in der Ausbildung eines einzelnen Reiters zu sein, stellte auch das dritte Finalpferd unter Beweis. Zinordanos v. Zento war fünfjährig in den Beritt des dritten Finalteilnehmers Henrik Griese gekommen, ebenfalls Pferdewirtschaftsmeister und 41 Jahre alt.

Unter Griese, der einen eigenen Betrieb in Borgholzhausen in Nordrhein-Westfalen führt, ging Zinordanos dann sechsjährig auf den Weltmeisterschaften der jungen Springpferde  und sammelte bis heute – nun neunjährig – schon einiges an Erfahrung bis zu internationalen 1,45 Meter-Springen. National platzierte sich der Wallach aus einer Lordanos-Mutter auf diesem Niveau auch bereits mehrfach. Nach einer vertrauensvollen Null-Runde unter Henrik Griese bekam der westfälische Zento-Sohn zwar acht Strafpunkte unter Kevin Martsch, blieb dann jedoch nochmal fehlerfrei in der dritten Runde unter Janßen. Seit Jahren der alleinigen Ausbildung durch Griese das Pferd unter den anderen beiden Reitern, vor allem unter Janßen so gut springen zu sehen, sei für Griese „ein schönes Gefühl“ gewesen. Ausbildungsmäßig ist Zinordanos offenbar auf einem guten Weg.

Griese selbst war mit 16 Strafpunkten somit punktgleich mit Kevin Martsch und rangierte somit ebenfalls an zweiter Stelle. Über den Modus des Championats mit einer Anfangsrunde auf dem eigenen Pferd waren sich alle Reiter einig: „Es war genau richtig, das (den Modus, Anm. d. Red.) kurzfristig zu ändern“, so Griese. Das habe Pferden wie Reitern gut getan.

BBR-Ehrenpräsident Burkhard Jung zog ebenfalls ein positives Fazit von der Veranstaltung: „Wenn gute Ausbildung stattfindet, kann daraus Spitzensport entstehen. Spitzensport haben wir heute gesehen.“ Auch bedankte er sich bei den Veranstaltern vom Reitverein Bad Oeynhausen für die mit Leidenschaft und Herzblut ausgetragenen Turniertage mit dem Berufsreiterchampionat der Springreiter im Sielpark.

Die Ergebnisse vom Berufsreiterchampionat Springen 2022 finden Sie hier.

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