KOMMENTAR zum FEI Workshop in Lausanne zur Rollkur

Eines hat der FEI Workshop auf jeden Fall geschafft: Das Wort Rollkur ist igitt, Hyperflexion soll das Verfahren jetzt heißen. Ein Kommentar von ST.GEORG-Chefredakteurin Gabriele Pochhammer.

Eine Trainingsmethode, deren Schaden nicht erwiesen sei, könnte man nicht verbieten. Diese Rechtfertigung der „Rollkur“ und aller mit ihr verwandten Trainingsmethoden lieferte kein Reiter, kein Hippologe und kein Ausbilder, sondern ein Tierarzt. Dem Niederländer van Weeren sei zugestanden, dass Veterinäre die Probleme, mit denen die Dressur derzeit zu kämpfen hat, anders behandeln als es die Reitlehre tut. Auch wenn auf diese Weise allen möglichen Tricks Tor und Tür geöffnet wird. Künftig wird man erst einmal wissenschaftlich beweisen müssen, dass man mit einer noch so zweifelhaften, der Reitlehre widersprechenden Ausbildungsmethode dem Pferd bleibenden Schaden zufügt.
Dass die beim Expertentreffen in Lausanne vorgelegten Ergebnisse weitgehend unvollständig und ihre Aussagen dünn waren, dass die Methoden, nach denen sie zustande gekommen sind, häufig wissenschaftlich anfechtbar und deswegen wertlos waren, ist die eine Seite. Viel schlimmer ist die sich offenbar immer weiter verbreitende Annahme, dass allein der Erfolg zählt, der sich in hohen Richternoten niederschlägt. Auf die Frage, was denn mit der „Rollkur“, also der extrem tiefen Einstellung des Pferdeshalses, erreicht wird, was andere Methoden, die im Einklang mit der Reitlehre und der Skala der Ausbildung stehen, nicht können, fiel dem Trainer und Ehemann der zweifachen Olympiasiegerin Anky van Grunsven vor allem eins ein: „Zehn Goldmedaillen.“
Erlaubt ist, was erfolgreich ist? Die Rollkur, die ja neuerdings euphemistisch „Überdehnung des Halses“ genannt wird , sei ein „Tool“, hieß es immer wieder, auch von der Vorsitzenden des Dressurauschusses Mariette Withages. Werkzeuge statt Hilfen, warum denn kein Klicker-Training und keine Stimmkommandos, nach denen die Pferdchen wie im Zirkus tanzen? Der Pferdekörper als Modelliermasse für eine von der FEI vorgeschriebene „Backform“? Wo ist der Anspruch der Dressur geblieben, das Ergebnis der richtigen gymnastizierenden Ausbildung zu präsentieren? Einer Ausbildung, die die natürlichen Bewegungen und Körperhaltungen des Pferdes nicht vergewaltigt und es nicht in eine Form zwingt, die es in der Natur so gut wie nie einnimmt und von selbst nicht beibehalten kann? Zumindest letzeres wurde in Lausanne nicht angezweifelt.
Erfahrene Reiter richten mit der „Rollkur“ keinen Schaden an, hieß es. Woher weiß man eigentlich, dass unerfahrene Reiter ihrem Pferd damit schaden? Denn auch das ist ja nicht bewiesen. FEI-Dressurchefin Mariette Withages wies auf die Vorbildfunktion der Spitzenreiter hin, von daher verbieten sich die Rollkur-Bilder eigentlich von alleine auf den Turnierplätzen. Es könnten ja nicht ganz so geniale Reiter zugucken. Die Stewards sollen jetzt besser geschult werden, um einzuschreiten, wenn es kritisch wird. Bevor etwa die Tierschützer auf die Idee kommen, sich den Sport etwas genauer anzusehen.

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