Tierschutz: Beschlagnahmte Pferde in Brandenburg – tragende Stuten teilweise erst eineinhalb Jahre alt

Nachdem der Amtstierarzt im
brandenburgischen Linow 160 Pferde beschlagnahmt hat, steht nun die
Identifizierung der Tiere an. Mit der Zeit kommen allerdings immer weitere
Missstände ans Licht.

Wie viele Pferde es tatsächlich sind, weiß Amtstierarzt Matthias Rott immer noch nicht. Ob es nun 162 oder 164 oder noch mehr sind können wir erst in ein paar Tagen sagen, erklärt er gegenüber St.GEORG-online. Zählen konnte er die am letzten Dienstag im brandenburgischen Linow beschlagnahmten Tiere noch nicht. Außerdem tauchten immer mehr Pferde auf, die auf Reithöfen mutmaßlich ohne Bezahlung eingestellt wurden und auch noch zu dem Duo aus Linow gehören. Die 52-jährige Betreiberin des Hofes in Linow lebte seit kurzem mit einem 60-Jährigen zusammen, der schon in der Uckermark ein Haltungsverbot erhalten hatte. Seine Pferde habe sie danach auf dem Papier übernommen, sagt der Amtstierarzt.
Die Tiere sind den Leuten jetzt aber endgültig weggenommen, erzählt Rott erleichtert. Zusätzlich zum Haltungsverbot habe er Strafanzeige gegen die Halter gestellt. Denn schließlich mussten zwei Stuten der riesigen Herde wegen unbehandelter Wunden eingeschläfert werden. Den Tieren seien dauerhaft und unnötig Schmerzen zugefügt wurden, erklärt der Amtstierarzt. Das ist eine Straftat, die mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden kann. Insgesamt laufen mittlerweile Ermittlungen gegen sechs Personen, teilte Oberstaatsanwalt Detlef Hommes von der Staatsanwaltschaft Neuruppin mit. Denn die Halter der Pferde hatten im letzten Jahr beständig gewechselt.
Insgesamt vier verschiedene Halter hatten die Pferde in der Zwischenzeit, erzählt Rott. Jedem neuen Halter müsse dann zunächst die Möglichkeit gegeben werden nachzubessern. Als die Pferde nun im Winter ohne Futter und Unterstand im Freien standen im Sommer hatten sie sich laut Rott auf den umliegenden Feldern quasi selbstversorgt sahen die Behörden Gefahr im Verzug und beschlagnahmten die Tiere. Auf vier verschiedenen Standorten werden sie nun von eigens beauftragten Pferdewirten und einem Tierarzt versorgt. Doch auch das sei nicht so einfach, denn die Pferde seien wild und keine Menschen gewöhnt. Welche Stuten tragend sind, ist deshalb nur dann klar, wenn sich der Bauch schon durch die fortgeschrittene Trächtigkeit wölbt. Allein unter den ersten dreißig Pferden befanden sich allerdings schon sechs, höchstens eineinhalbjährige, tragende Stuten. Eine Untersuchung wäre für uns lebensgefährlich, sagt Rott. Zunächst müssten die Pferde an Menschen gewöhnt werden. Jetzt würden sie in Rinder-Zwangsständen eingefangen und danach mit einem Halsriemen identifiziert. Das ist noch mal für jeden Standort etwa zwei Tage Arbeit. Erst wenn jedes Pferd nach Chip, Brand und Abzeichen identifiziert ist, kann geklärt werden, wer überhaupt der Besitzer ist. Die Zuchtverbände unterstützen Rott dabei. Es melden sich auch Pferdebesitzer, die ihre Tiere seit Jahren in Linow eingestellt hatten, so Rott. Diese geben an, nichts von den Zuständen gewusst zu haben und beschweren sich, dass die Behörde die Pferde nicht herausgibt. Die Kosten für die Aktion belaufen sich laut Rott mittlerweile auf ca. 200.000 Euro. Jeder weitere Monat kostet uns etwa 50.000 Euro, sagt der Amtstierarzt. Er schätzt jedoch auf noch mindestens zwei Monate, in denen die Pferde auf Kosten der Neuruppiner Behörde versorgt werden müssen. Bei früheren Fällen habe der Verkauf der Pferde die Kosten keinesfalls decken können. Kürzlich habe die Behörde für zwölf Pferde 30.000 Euro ausgegeben. Durch den Verkauf kamen jedoch nur 17.000 Euro wieder herein und die Ausgleichszahlungen, zu denen die früheren Besitzer verurteilt wurden, haben wir nie gesehen, bemerkt Rott. Auch in diesem Fall hat er da wenig Hoffnung, denn die Hofbetreiberin lebe von Hartz IV.

Kirsten Stamer

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