Blog 11 aus Tryon: Ertrunkene Kameras, Vet Check der Springpferde, Erkenntnisse über North Carolina

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Pret a Tout völlig unbeeindruckt beim WEG-Vet Check an der Hand von Marcus Ehning – kein Wunder, dass er so entspannt ist! Wie alle Pferde bei Ehnings kommt er täglich auf die Weide. (© Pauline von Hardenberg)

Die Weltreiterspiele 2018 nähern sich dem Ende. Eigentlich schade, denn so langsam fühlte man sich im Tryon Equestrian Center richtig heimisch. Wobei einige Fotografen insbesondere den Geländetag der Vierspänner mit höchst gemischten Gefühlen in Erinnerung behalten werden …

Heute war Geländetag für die Vierspänner, nicht so toll für die deutschen Fahrer, die wohl als einzige von sieben Disziplinen ohne Medaille nach Hause kommen. (Distanzreiten wurde ja abgebrochen). Im Pressezentrum gab es eine Art Picknick-Lunch nach dem Motto: Heute basteln wir uns einen Burger. Da lagen also Tomaten, Zwiebeln, kleine Buletten und Salat , die man sich nach Gusto zwischen die Hälften eines Bagels bugsieren musste. Inzwischen wird man kontrolliert, ob man auch das blaue Bändchen hat, das erst den Weg frei macht für die Futterkrippe. Denn als sich herumgesprochen hatte, dass es im Pressezetrum was zu Essen gibt, wurde die Schlange der Hungrigen jeden Tag länger. Jetzt steht da ein Schild: „Strictly Media only“.

Große Aufregung im Gelände unten am See: Ein TV-Kabel war so schlau durchs Wasser gelegt worden, dass es sich am Wagenrad der amerikanischen Fahrerin Misdee Wrigley-Miller verfing und einige Meter mitgeschleift wurde. Dabei machten es mehrere teure Kameras einen Kopfsprung ins kühle Nass. Die Fotografen schrien auf und versuchten, ihre Apparate zu retten. Ich hoffe, der Veranstalter ist gut versichert. Fernsehbild wie auch Anzeigentafel waren natürlich umgehend mausetot.

Vet Check-Impressionen

Heute Vormittag gingen wir zum Vet Check für die Springpferde, die morgen im Finale starten sollen. Die Anstrengung sah man ihnen nicht an, Alice und Simone Blum trabten über die Sandpiste, als hätten sie nicht drei schwere Parcours in den Knochen, sondern einen gemütlichen Spazierritt.  Die Fuchsstute fand sogar noch Zeit, einen langen Hals zu machen und die Fotografen misstrauisch zu beäugen. Dass zwei schwere Runden noch vor ihr liegen im Kampf um den WM-Titel, dass ihre Reiterin in Führung liegt mit 2.47 Punkten, das wusste sie natürlich nicht. Auch Catch me if you can von Laura Klaphake tat, als ob nichts gewesen wäre, Pret A Tout schlurfte gelangweilt durch den Sand, ein 15-jähriger Routinier findet den Vetcheck wahrscheinlich doof. Alle passierten, auch die israelische Reiterin mit der sonderbaren Frisur, Danielle Golstein: In die überlange Wuschelmähne sind bunten Federn eingeflochten. So reitet sie tatsächlich auch. Wenn das George Morris sehen würde, der Prediger der ordentlich unter der Kappe verstauten Haare!

Heute mal ganz normale Touristen

Langsam denken wir wieder ans Kofferpacken und ob man die Mitbringsel, ohne die man sich ja nicht nach Hause traut, auch mit ins Gepäck bekommen wird. Heute haben wir uns die erste und einzige Mini-Shopping Tour gegönnt, in Rutherfordton. Das „Historische Zentrum“ bestand aus einer vierspurigen Straße gesäumt von großen Backsteinwürfeln mit Geschäften, am Ende ein Memorial aus grauem Stein. Für wen, weiß ich nicht mehr. Was auffällt, wenn man durchs Land fährt, ist die hohe Kirchendichte. Buchstäblich an jeder Ecke steht entweder eine dieser hübschen Backsteinkirchen mit weiß abgesetzten Fenstern und Türen oder zwei bis drei Hinweisschilder auf die nächste Kirche; die Konkurrenz scheint hart zu sein. Jedenfalls gibt es mehr Kirchen als Supermärkte oder Tankstellen und da muss ja kein Fehler sein. Heute morgen haben wir das erste und ich fürchte einzige Mal auf unserer Terrasse gefrühstückt und meine Freundin war von einem kleinen auf der Stelle flatternden Vogel begrüßt worden. Die umgehend tätigte Internet-Recherche ergab, dass es sich um einen Kolibri handelt, die sind hier so häufig wie bei uns Spatzen. „Andere wollen einen Löwen sehen, ich schon immer einen Kolibri“, sagte meine Freundin. Heute empfing uns wieder das „Kläfferle“, wie meine Freundin mit schwäbischen Wurzeln den kleinen schwarzen Pudel des Hauses nennt. Unserer Gastgeberin Sharon gelang es, seiner habhaft zu werden, so, dass er für ein Foto mal eine Sekunde nicht zappeln konnte. Er heißt Paris, nicht wie die Stadt, sondern wie jener Jüngling aus der griechischen Sage, der den Trojanischen Krieg entfachte, weil er meinte, die Dame Helena rauben zu müssen.

Heute dann das große Finale mit der Einzelentscheidung im Springen. Haben wir heute Abend eine deutsche Weltmeisterin? Auch da gilt: gnadenloses Daumendrücken!

 

 


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