Die Turniere gehen wieder los! Von Hetzel über Wulschner nach Chemnitz

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Holger Hetzel kann zufrieden auf sein Post-Corona-Turnier schauen. (© Thomas Hartwig)

Die beiden Holgers, Hetzel und Wulschner, haben am vergangenen Wochenende demonstriert, was zuvor auch schon Luhmühlen gezeigt hat: Turniere in Zeiten von Corona sind möglich. Die nächsten stehen schon in den Startlöchern.

Am Wochenende hatte Holger Hetzel auf seine Anlage nach Goch am Niederrhein eingeladen, und wer weiter nordöstlich in der Republik beheimatet ist, der war wahrscheinlich bei Holger Wulschner in Mecklenburg-Vorpommern im Einsatz.

Bei Holger Hetzel waren vom 14. bis 16. Mai fast 600 Pferde am Start. Es gab Springpferdeprüfungen von Klasse A bis M und Springprüfungen von L bis S.

Holger Hetzel: „Wir haben das für den Sport, die Reiter und die Pferde gemacht. Verdienen können wir an einem solchen Turnier natürlich nichts. Aber darum geht es auch gar nicht. Für Pferde und Reiter ist es wichtig Wettkampfroutine zu erhalten. Würde der Turnier-Stop noch länger weitergehen, so würden gerade die jungen Pferde ein ganzes Jahr in ihrer Ausbildung verlieren.“

Es gehe aber auch noch um etwas anderes: „Wir wollten aber auch ein Zeichen für alle anderen Reitvereine und Turnierveranstalter setzen, dass mit Phantasie und Engagement auch in diesen schwierigen Zeiten, Turniersport möglich ist.“

Dabei konnte er auch auf die Unterstützung der Behörden zählen: „Ein ganz dickes Kompliment muss ich der Stadt Goch machen. Wir haben unser Konzept bezüglich der Sicherheitsmaßnahmen der Stadt vorgelegt und die Verantwortlichen haben es für gut befunden.“

Mannschaftsolympiasieger Lars Nieberg hatte seinen Sohn Gerrit nach Goch begleitet und war voll des Lobes für die Organisation von Hetzel und Team: „Alles hat reibungslos geklappt. Auch die Sicherheitsauflagen wurden von allen genau befolgt. Ganz bemerkenswert finde ich, dass wir bis 24 Stunden vor dem Turnier nennen konnten, ohne dafür Extra-Gebühren zahlen zu müssen. Auch der Umstand, dass die Preisgelder in voller Höhe ausgezahlt wurden, kommt gerade den Berufsreitern, die mit der zweimonatigen Zwangspause erhebliche finanzielle Einbußen zu verzeichnen hatten, sehr entgegen. Holgers Turnier zeigt einmal mehr, was alles möglich ist, wenn man zu 100 Prozent für den Sport brennt.“

Das S*-Springen, krönender Abschluss am Samstag, ging an das 17-jährige Nachwuchstalent Alina Sparwel auf ihrer Championatsstute Ma Petite, mit der sie im vergangenen Jahr Mannschaftssilber bei den Europameisterschaften der Junioren gewann. Mit mehr als einer Sekunde Vorsprung ließen die beiden nicht nur den Hausherrn hinter sich, sondern auch Profis und Promis wie Sandra Auffarth, Markus Renzel, Kathi Offel, Angelique Rüsen, Judith Emmers und viele weitere.

Holger Wulschner

Zu 100 Prozent für den Sport brennen, das tut auch Holger Wulschner, der zu sich nach Groß Viegeln eingeladen hatte! Das liebevoll gemachte Turnier zählt ohnehin zu den Highlights im Turnierkalender des Nordens.

Auch hier setzte ein S*-Springen den Schlusspunkt. Der Sieg blieb in der Familie. Benjamin Wulschner ritt die zehnjährige Emilion-Tochter Fabiélla BH zum Sieg vor Steffen Krehl auf Conchito und Thomas Kleis mit Silberpfeil M.

Late Entry in Wipperfürth

Auch im nordrhein-westfälischen Wipperfürth wurde wieder geritten. Hier waren sogar mehrere S-Springen bis Zwei-Sterme-Niveau ausgeschrieben. Das erste sicherte sich der Italiener Emanuele Gaudiano auf Calgary, gefolgt von Nachwuchstalent Pia Stieborsky mit Carry, die im Mai 2019 in Wipperfürth ihr Goldenes Reitabzeichen verliehen bekam.

Und die auch an den anderen Tagen dieses Wochenendes kräftig abräumte. Tags darauf holte sie auf Orlanda Platz zwei in einem von S**-Zwei-Phasen-Springen hinter Cedric Wolf mit Dutch Apple. Bei der zweiten Prüfung dieser Kategorie saß sie im Sattel der Rheinländer Stute Coleen und konnte Cedric Wolf diesmal hinter sich lassen.

Großer Preis von Sachsen

Es wird auch 2020 einen Großen Preis von Sachsen geben. Die Ausschreibung für das Turnier in der Chemnitzer Messe vom 6. bis 8. November ist demnächst online. Dies hat der Veranstalter bekannt gegeben.

„Es wird sicher einige Änderungen und Anpassungen an die aktuellen Auflagen geben müssen. Aber wir werden den Pferdesportfreunden wie gewohnt ein abwechslungsreiches Programm aus Springprüfungen und Show zusammenstellen“, berichtet Messechef Dr. Ralf Schulze.

Das weitläufige Messegelände ermögliche es, sich auf die neuen Anforderungen flexibel einzustellen. Außerdem sei geplant, das Showprogramm, die Chemnitzer Pferdenacht 2020, an zwei Abenden zu organisieren, um die mögliche Besucherzahl unter 1.000 Besuchern halten zu können. So könnte auch der Sicherheitsabstand von 1,5 Metern eingehalten werden.

Riesenbeck International

Auch im Reitsportzentrum Riesenbeck International können die Turniervorbereitungen wieder los gehen. Von morgen, 19. Mai, bis zum 21. Mai stehen 16 Prüfungen der Klassen M und S für Youngster und ältere Pferde auf dem Programm. Zuschauer sind nicht gestattet, aber Clip My Horse ist live dabei.

Karsten Lütteken, Geschäftsführer bei Riesenbeck International, sagt: „Ich bin davon überzeugt, dass die positive und engagierte Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt der Stadt Hörstel und dem Pferdesportverband Westfalen wesentlich dazu beigetragen hat, ein gutes Konzept für den Wiedereinstieg der Berufsreiter in den Turniersport auszuarbeiten.“

Besagtes Konzept sieht so aus:

  • Pro Turniertag sind maximal 100 Personen zugelassen.. Aufgeteilt ist diese Gruppe in 40 Sportler plus 40 Begleiter, daneben sind 20 Offizielle (Richter, Parcourschef, Sanitäter, Tierarzt, usw.) erlaubt. Zuschauer sind nicht gestattet.
  • Die Meldestelle arbeitet kontaktlos, abgerechnet wird per Überweisung.
  • Es gibt feste Zugangszeiten für die beiden Abreiteplätze, für den Vorbereitungsplatz mit Hindernissen, damit wird vermieden, dass sich jeweils mehr als sechs Reiter auf einer Sportfläche aufhalten.
  • Eine Siegerehrung findet nicht statt, die Ergebnisse werden verlesen und online veröffentlicht.
  • Eine Bewirtung findet nicht statt. Das Tragen von Alltagsmasken ist – außerhalb der sportlichen Aktivität – vorgeschrieben.
  • Es werden umfangreiche Möglichkeiten zur Handhygiene zur Verfügung gestellt.
  • Außerdem gilt explizit: Eine Teilnahme ist grundsätzlich nur möglich wenn weder bei Reiter, Begleiter noch bei Offiziellen COVID19-typische Symptome (Husten, Fieber usw.) vorliegen.

Das Turnier richtet sich ausschließlich an Berufsreiter. Karsten Lütteken verspricht aber: „Die Profis müssen jetzt ihre Pferde unter Wettkampfbedingungen reiten können, das ist für sie existentiell und eine Lebensgrundlage. Sobald es eine Genehmigung für den Amateur-Wettkampfsport gibt, werden wir unser Angebot anpassen.“