10 Dinge über Bundestrainer Jonny Hilberath zum 65. Geburtstag

Jonny-Hilberath

Disziplintrainer Jonny Hilberath (© www.sportfoto-lafrentz.de)

Heute vollendet Bundestrainer Jonny Hilberath sein 65. Lebensjahr. Rente ist für den gebürtigen Holsteiner aber kein Thema. Wir haben 10 Dinge über den Dressurreiter, Ausbilder und Bundestrainer zusammengetragen

Ohne Reiterhintergrund

Pferde kannte Jonny Hilberath schon früh. Aber nur vor Pflug und Wagen. Reitpferde spielten für den Jungen aus Kellinghusen in Schleswig-Holstein zunächst keine Rolle. Dann sah er ein Mädchen zur Reithalle reiten. Er folgte ihr und es war um ihn geschehen. So die Legende. Nicht das Mädchen hatte ihn in den Bann gezogen, sondern die Ästhetik der Pferde. „Voltigieren, Reiterwettbewerb, Quadrillen … – ich hab das alles mitgemacht“, erzählt er von seiner ganz normalen Jugend im Reitstall in den 1960er Jahren. Dass daraus mal ein Beruf wurde und später der Bundestrainer Jonny Hilberath, ist einem Zufall geschuldet.

Rosemarie Springer – Lehre per Zufall

Als ein Bereiter, der bei Rosemarie Springer arbeitet und einmal wöchentlich Unterricht in Hilberaths Reitverein gibt, eine Urlaubsvertretung sucht, fragt er Hilberath. Der ist zu diesem Zeitpunkt ein begeisterter Vielseitigkeitsreiter, packt aber die Chance beim Schopf und reitet zwei Wochen bei Rosemarie Springer.

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Rosemarie Springer daheim auf Gut Halloh. (© www.toffi-images.de)

Vier Jahre später schließt er die Lehre bei der Olympia-Siebten und fünffachen Deutschen Meisterin ab. Die Ausbildung hatte er antreten können, weil besagter Bereiter telefonisch aus dem Urlaub den Dienst quittiert hatte. „Die Jahre bei Frau Springer haben mich geprägt, als Persönlichkeit und auch reiterlich. Ich bin ihr für ewig dankbar!“

Ihre Disziplin und das Credo, dass der gute Sitz der Schlüssel zum Erfolg ist, weil nur wer gut sitzt, auch gut fühlen kann, haben mich geprägt.

In allen Sätteln erfolgreich

Begeistert von der Vielseitigkeit, bei einer der besten Dressurreiterinnen der damaligen Zeit ausgebildet, kommt Jonny Hilberath später auch in den Genuss, bei Herbert Rehbein zu reiten. Beruflich geht es aber zunächst gen Westen. In Ganderkesee tritt er in einem Stall eine Stelle an, in der seine vielseitigen Talente gefordert sind. Dressur, Springen aber vor allem Vielseitigkeit stehen im Mittelpunkt seiner Arbeitstage. Parallel bildet er Pferde aus und gibt auch Unterricht, nicht nur in der Dressur. Die rückt wieder vermehrt in den Fokus, als er nach Bremerhaven in den Stall Saul wechselt. Dort bleibt er zwölf Jahre. Gerne würden wir die vielen Erfolge von Jonny Hilberath hier zusammengefasst darstellen, aber das gibt die Erfolgsstatistik der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) leider nicht her. Da Hilberath aktuell keine Turnierlizenz beantragt hat, wird er lediglich als „Züchter und Ausbilder“ geführt – finde den Fehler … Fest steht: Er hat M/A-Springen gewonnen und ist in Springen bis 1,50 Meter platziert.c

Apropos Vielseitigkeit und Ganderkesee: Diese beiden Komponenten sind heutzutage klar von einer Frau besetzt: von Sandra Auffarth! Und die Weltmeisterin von 2014 trainiert nun schon länger mit Jonny Hilberath. So sieht man ihn auch in Luhmühlen mitfiebern. Und vermutlich juckt es ihn ein bisschen, wenn er die Wassereinsprünge, Sunken Roads und Hecken in der Westergellerser Heide sieht.

Pauline von Hardenberg

Dressur-Co-Bundestrainer Jonny Hilberath beobachtet genauestens, was Sandra Auffarth und Viamant du Matz da aufs Viereck zaubern. (© Pauline von Hardenberg)

Deutscher Champion der Berufsreiter, Medaille bei der DM

Soviel steht aber fest: Bundestrainer Jonny Hilberath ist Träger des Goldenen Reitabzeichens und hat so einiges auf seiner Erfolgsliste, das irgendwie mit „Bundes-“ zu tun hat. So hat er unter anderem das Championat der Berufsreiter, ausgelobt von der Bundesvereinigung der Berufsreiter (BBR), gewonnen. Für den Bundesadler war er auch in Stiefeln und Frack unterwegs, ritt mehrere Nationenpreise für Deutschland.

Viele internationale Erfolge, darunter zehn Podiumsplätze mit den Pferden Amüsant OLD, Fariano und Wenckstern, hat der Mann aus Kellinghusen erritten. Er war mehrfach platziert beim CDI Aachen. Sein vielleicht erfolgreichstes Pferd war der Hannoveraner Fuchs Fariano. Mit ihm gewann er unter anderem 2007 Bronze bei den Deutschen Meisterschaften der Herren.

Schülerinnen auf allen Kontinenten

Dass ein deutscher Bundestrainer Schüler in Europa hat, ist wenig verwunderlich. Jonny Hilberath coacht auch beispielsweise in der Schweiz regelmäßig. Doch Hilberath ist weltweit aktiv. Einen wahren Coup landete er, als seine für Mexiko reitende Schülerin Bernadette Pujals mit dem kleinen Weltmeyer-Sohn Vincent bei der Weltmeisterschaft in Aachen 2006 ins Kürfinale vorrückte. Damit zählt also auch der amerikanische Kontinent zu seinem „Einzugsgebiet“.

Julia Rau

Bernadette Pujals und Vincent (MEX), hier bei den Olympischen Spielen in Hongkong 2008 (© Julia Rau)

Den Dunkelfuchs Wenckstern, auch mit dem „Vornamen“ Callaho versehen unterwegs, ritt Hilberath zeitweise selbst. Für Südafrika war der Hannoveraner unter Natalie Hobday bei der WM in Aachen am Start. Aber auch Schülerinnen aus dem asiatischen Raum, aus Südkorea und Japan beispielsweise, wurde das reiterliche Feingefühl im Stall Hilberath nähergebracht. Und selbst Australien hat schon von Hilberaths Coaching-Künsten profitiert: Die Australierin Hayley Beresford hat eine Zeitlang bei Isabell Werth trainiert. Als die beiden 2008 in Hongkong an den Olympischen Spielen teilnahmen, überschnitten sich die Abreitezeiten. Werth konzentrierte sich auf Satchmo, Hilberath brachte Beresford auf Spur.

Das W-Blut

Hilberath hat Pferde aus allen Zuchtgebieten ausgebildet. Er kaufte Iren, denen er Dressur beibrachte – ein gutes Pferd hat weder Farbe noch Abstammung. Doch eines ist auffällig: Hannoveraner, vor allem solche aus der Linie des Fling – entweder über Wendekreis oder Woehler – scheinen ihm besonders zu liegen. Fariano v. Wanderbursch, Wenckstern v. Weltmeyer, die er selbst geritten hat, oder Vincent, den er bis ins WM-Finale als Trainer brachte. Züchterisch ist Hilberath äußerst versiert und man sagt ihm ein gewisses Faible für Trakehner nach. Das hatte Rosemarie Springer auch.

Bundestrainer Jonny Hilberath kannte die „Großen“ schon, als sie noch ganz klein waren

Zunächst hatte Jonny Hilberath im Nachwuchsbereich Trainertätigkeiten für das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR) übernommen. Aus dieser Zeit kennt er viele Reiterinnen und Reiter, die damals aus den Ponyklassen kamen und auf Großpferde wechselten. Reiterinnen wie zum Beispiel Helen Langehanenberg und Kristina Bröring-Sprehe, die beide schon die Nummer eins der Weltrangliste waren. Matthias Rath ist für Hilberath ein alter Bekannter. „Mit seiner Mutter Tita bin ich zusammen Reiterprüfung geritten. Ihn kenne ich tatsächlich seit seiner Geburt. Der war immer dabei, auf der Tribüne, in der Sattelkammer.“

Pauline von Hardenberg

High Five: Jessica von Bredow-Werndl nach ihrem Ritt mit Bundestrainer Jonny Hilberath, EM Rotterdam 2019 (© Pauline von Hardenberg)

Auch die Geschwister Werndl kennt Hilberath schon seit über zwei Jahrzehnten.

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Jonny Hilberath und Sönke Rothenberger feiern die Mannschaftsgoldmedaille bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 (© von Hardenberg)

Was sagt er über Bundestrainerin Monica Theodorescu?

Nach dem plötzlichen Tod von Dressur-Bundestrainer Holger Schmezer, der beim Weltcup-Finale 2012 leblos in seinem Zimmer aufgefunden worden war, hatte Jonny Hilberath das Amt übernommen. Mit Schmezer verband ihn eine lange und intensive Freundschaft. Als dessen Assistenztrainer war er schon viel unterwegs. Aber bevorzugt an den Wochenenden. Zum Heimtraining fuhr Schmezer. Hilberaths Arbeitsplatz war der Abreiteplatz. „Da hat es ja geheißen, ob ich nicht vielleicht ein Zelt dort aufbauen wollte“, erinnert er sich. Nach den Olympischen Spielen von London 2012, so der ursprüngliche Plan, wollte er sich aber wieder vermehrt dem eigenen Reiten widmen. Das änderte sich als sich die Konstellation abzeichnete, die seitdem bei Championaten von Mannschaftsgold zu Mannschaftsgold reist (mit einer Ausnahme, der EM in Aachen 2015): Bundestrainerin Monica Theodorescu, Bundestrainer, offiziell „Disziplintrainer Dressur“, Jonny Hilberath. Ein Fan seiner „direkten Vorgesetzten“ ist Hilberath nach wie vor:

Pauline von Hardenberg

Sechs Augen, Zwei im Fokus: Bundestrainer Jonny Hilberath, Monica Theodorescu und Equipechef Klaus Roeser konzentrieren sich auf Jessica von Bredow-Werndl und Dalera (© Pauline von Hardenberg)

An Monica imponiert mir ihre Disziplin. Wenn sie ins Viereck kommt, dann denke ich immer, das ist Dressur. Ihre Art, Reiten zu zelebrieren, hat fast schon etwas Aristokratisches.

Turnierabschied vor zehn Jahren

Trainieren, den eigenen Betrieb führen, ein Leben zwischen Koffer ein- und auspacken, zwischen Autobahn, Flughafen und Scheeßel (das zwischen Hamburg und Bremen liegt und wo Hilberath seinen Stall mit 36 Boxen betreibt) – für Frack, Zylinder und eigene Turnierauftritte blieb da irgendwann keine Zeit mehr. Sein letztes internationales Turnier bestritt Bundestrainer Jonny Hilberath vor ziemlich genau zehn Jahren. Mit Amüsant OLD ritt er beim Nationenpreis im norwegischen Falsterbo.

Fisch und Espresso

So wie er sich an gutem Reiten berauschen kann, ist Hilberath auch anderen Genüssen nicht abgeneigt. Als Holsteiner Jung aus dem Land zwischen den Meeren, steht Fisch bei ihm hoch im Kurs. Merke: Die Aussicht auf eine gegrillte Dorade lässt Hilberath aufhorchen, Sauerfleisch oder Sülze hingegen lassen ihn die Flucht ergreifen! Um die zu unterbinden, sollte man schnell einen doppelten Espresso ins Spiel bringen. Auf das Angebot kommt er vermutlich gerne zurück!

Herzlichen Glückwunsch, Jonny Hilberath!