89-Prozent-plus-Weltcupsieg zum Geburtstag für Jessica von Bredow-Werndl in Neumünster

Neumünster – VR Classics 2020

Ein Geburtstagsgeschenk von "Queen Dalera" für ihre Reiterin Jessica von Bredow-Werndl in der Weltcup-Kür von Neumünster. (© www.sportfotos-lafrentz.de)

Jessica von Bredow-Werndl hat sich selbst das schönste Geburtstagsgeschenk gemacht: Mit der Trakehner Stute Dalera siegte sie in der Weltcup-Kür in Neumünster. Das Paar erzielte persönliches Bestergebnis, knapp 90 Prozent.

34 Jahre jung am heutigen Tag, 35 Zehnen im Protokoll, 89,64 Prozent in der Weltcup-Kür von Neumünster – persönliche Bestleistung, Happy Birthday Jessica von Bredow-Werndl! Mit der Trakehner Stute Dalera gab es für die Kür zu Klängen aus dem Musical-Film „La La Land“ heute in Neumünster die bislang höchste Bewertung in der gemeinsamen Karriere der beiden.

Beinahe 90 Prozent für Dalera

Bislang lag das PB, „Personal Best“, die persönliche Bestleistung des Paares bei 89,017 Prozent. Diese Summe hatte die Kombination in Rotterdam bei den Europameisterschaften 2019 erhalten. Damit hatten „Jessi“ und „Queen Dalera“ Bronze gewonnen, der bislang größte Erfolg für die Kombination aus Aubenhausen – bislang.

Mit 89,64 Prozent setzte sich das Paar knapp vor Isabell Werth und Emilio. Dalera ging eine gute Prüfung. Höchstschwierigkeit reihte sich an Höchstschwierigkeit. Die Stute brillierte in den Piaffe-Pirouetten und Passagen. Lediglich in den fliegenden Galoppwechseln zu zwei Sprüngen tauchte die Stute etwas im Hals ab. Schon gestern hatte es in der Galopptour in der Halle, die einige Dressurreiter als „die schwierigste der Welt“ bezeichnen, Momente von leichter Spannung gegeben. Die Zuschauer sitzen in Neumünster so nah an den Pferden, dass sie diese beinahe streicheln könnten in der Prüfung. Sonst ging Dalera in sicherer Anlehnung und tanzte sich in die Herzen der Zuschauer in der ausverkauften Holstenhalle in Neumünster.

Zuhause, sagt Jessica von Bredow-Werndl, sei Dalera „wie ein Hund, so läuft sie hinter einem her und in der Halle ist sie dann ein Rockstar und will sich präsentieren.“

Zum Geburtstag hat Jessica übrigens von „ihren Männern“, Ehemann Max und Sohn Moritz, etwas Praktisches bekommen. Und etwas Emotionales. „Einen Rucksack, den ich mir gewünscht habe, weil ich so viel reise und von Moritz ein großes Herz – „weil ich dich so liebe““!

Isabell Werth hat Emilio auf den Punkt konzentriert

Vier Richter sahen die Kombination auf Platz eins. Lediglich der Chefrichter Magnus Ringmark aus Schweden sah Isabell Wert vorne. Nachdem deren Westfale Emilio im gestrigen Grand Prix noch recht unkonzentriert wirkte und Isabell Werth im versammelten Schritt kaum zu atmen gewagt hatte, wirkte das Paar heute, als sei es sich 100 Prozent einig. Die Belohnung: 88,45 Prozent für das immens komplexe Kürprogramm zu Opernarien aus der italienischen Belcanto-Ära. Leichtfüßig passagierte Emilio zu „Funiculi, funicula“ in die Bahn. Und im Anschluss klappte alles, inklusive einer Fächer-Piaffe, bei der lediglich das wortwörtliche Gewicht der Zügel die Anlehnung bestimmten. Bislang stand für Emilio das Aachener Kür-Ergebnis von 2018 als persönliche Bestleistung zu Buche: 87,625 Prozent. Seit heute hat also auch Emilio ein neues Bestergebnis. Werth hätte ein Jubiläum feiern können. Neunmal hat sie bislang gewonnen. „Ich sollte nicht so viel denken“, sagt Isabell Werth. Denn ein kleiner Haken zum Abschluss der fliegenden Wechseln von Sprung zu Sprung habe möglicherweise Punkte gekostet. „Da hatte ich vorher noch überlegt, ob ich noch zwei weitere reiten soll“, dann kam der kleine Fehler.

Knapp wurde es auf den folgenden Plätzen: Am Ende landete Helen Langehanenberg und Damsey auf Rang drei. Der 18-jährige Hannoveraner Hengst war voll bei seiner Reiterin. Zu keltisch anmutender Musik mit Geigen und Querflöten ging der Dressage Royal-Sohn sein Programm. Höhepunkte: der starke Schritt – kein Pferd im internationalen Sport geht auch nur annähernd derart großartigen Schritt – und die doppelten Galopppirouetten. Die 18 Jahre sähe man Damsey nicht an, sagt Helen Langehanenberg. „Im Vet-Check war er nicht zu handeln.“ Der Grand Prix sei noch etwas holperig an einigen Stellen gewesen, aber „die Kür, das ist seine Aufgabe.“ 85,22 Prozent bedeuteten Platz drei.

Um Haaresbreite schlug die Kombination damit Benjamin Werndl und Famoso OLD. Der Oldenburger, 2020 elf Jahre jung, hat sich mit der Runde heute einmal mehr für, noch, größere Aufgaben empfohlen. 85,165 Prozent erschienen auf der Anzeigetafel. In Bilderbuch-Anlehnung marschierte der braune Farewell III-Sohn durch die Prüfung. Das Genick immer oben, immer ruhig. Stellung und Biegung, korrektes Reiten – schön! An manchen Stellen fehlte noch ein bisschen „der Sprit im Tank“. So musste sich Famoso ein paar mal neu sortieren beim Piaffieren. Es waren nur kurze Momente. Sie zu erwähnen ist Jammern auf Höchst-Niveau: 85,165 Prozent – jenseits der deutschen Grenzen ist man mit solch einem Ergebnis ein gefeierter Superstar. Mit einem elfjährigen Pferd im Februar! Auch für diese Kombination war es das persönliche Bestergebnis. Und für Benjamin Werndl der best bewertete Ritt seiner Karriere im Grand Prix-Sport.

Platz fünf ging an die Niederländerin Adelinde Cornelissen mit dem Jazz-Sohn Zephyr. Der elegante, nicht zu große Wallach ging eine sichere Prüfung mit viel Ausdruck in den Passagen. Eines aber kann Zephyr nicht: piaffieren. Der Braune tritt vorne über Kreuz und tritt sich dabei auf die Hufe. 82,15 Prozent, die fünfte Wertnote über 80 Prozent im Feld.

Überraschung: Santiano R und Sönke Rothenberger

Noch ein Reiter sorgte für eine Überraschung: Beinahe 80 Prozent erzielte Sönke Rothenberger mit seiner Nachwuchshoffnung Santiano R. Der San Amour-Sohn, ein hochbeiniges, schlankes Reitpferdemodell, kann das, was die Richter sehen wollen: Passagen und Piaffen. Zwölf Jahre alt ist Santiano alt. Er ging zu einem Medley von Simon and Garfunkel, „Cecilia“ zur Trabtour, „Miss Robinson“ zu dem Galopp. Das Pferd war nicht konstant in der Selbsthaltung, aber viele Dinge, die im Grand Prix noch nicht geklappt hatten, gelangen heute. Inklusive Höchstschwierigkeiten wie ein fließender Übergang von den fliegenden Galoppwechseln zu zwei Sprüngen direkt in die Einerwechsel. 79,285 Prozent, das sind mehr als nur eine Duftmarke im internationalen Sport. In Neumünster war das Platz sechs.

Während der Prüfung gab es einmal Unruhe. Nach dem Ritt des Österreichers Stefan Lehfellner mit Fackeltanz sprang der Richter bei H, Hennig Lehrmann, auf und ging zum Chefrichter Magnus Ringmark. Am Ende diskutierte ein Juroren-Trio an der kurzen Seite. Hintergrund: Lehfellner hatte mehr als die erlaubten zwei 360-Grad-Drehungen in der Galopppirouette gezeigt. Wie weit die dritte Drehung ausgeführt worden war und wie das zu bewerten sei, habe man besprochen, sagte Ringmark im Anschluss gegenüber St.GEORG. Der Österreicher landete mit 74,315 Prozent auf Rang elf.

Weihegold nach Las Vegas

Das Paar Dalera und Jessica von Bredow-Werndl werden die Zuschauer nicht beim Weltcup-Finale in Las Vegas Mitte April erleben. Das steht schon jetzt fest. Die Aubenhausenerin führt aktuell das Ranking an. Mit ihrer Stute Zaire wird sie noch eine weitere Etappe reiten. Isabell Werth, als Titelverteidigerin gesetzt, plant in das Spielerparadies in der Wüste Nevadas mit Weihegold zu fliegen. Emilio wird aber auch noch eine weitere Etappe gehen. Weihegold könnte in Las Vegas Geschichte schreiben. Siegt sie 2020, wäre sie das erste Pferd, das das Weltcup-Finale fünf Jahre in Folge gewonnen hat.

Die Ergebnisse finden Sie hier.

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