Aachen: Bohemian und Cathrine Dufour siegen klar, Helgstrand und Jovian Fünfter

m-22-23-d1045-Catherine Dufour-DEN-Bohemian-WESTF

Cathrine Dufour und Bohemian, CHIO Aaachen 2022 (© von Korff)

Die Dänin Cathrine Dufour hat mit Bohemian klar den Grand Prix der CDI4*-Tour in Aachen gewonnen. Es war das einzige Duo, das über 80 Prozent erhielt. Die mit Spannung erwartete Aachen-Premiere von Jovian und Andreas Helgstrand (DEN) endete mit Rang fünf. Frederic Wandres Dritter.

Bohemian steht bei G, seine Reiterin Cathrine Dufour hat gegrüßt, das Publikum schreit, applaudiert und pfeift. Der Westfale steht da wie ein Fels, guckt einmal keck gen Ausgang und scheint die Ovationen zu genießen. Dann geht er entspannt schreitend aus der Bahn, auch der Aufschrei als das Endergebnis, 80,413 Prozent, bekanntgegeben wird, lässt den Bordeaux-Sohn cool.

Dufour: „musste ihn einfach nur präsentieren“

In der Rückschau gibt es nicht, was nicht nach Plan verlief. Vom sicheren Gruß zum Auftakt, einem sehr guten Rückwärtsrichten nach etwas offenem Halten, das Genick oben, die Schrittfolge diagonal, die Traversalen zuvor sicher gestellt und gebogen, nicht in Endgeschwindigkeit geritten. Der starke Trab gelaufen, nicht die Paradelektion des Zwölfjährigen. Ansonsten: einfach schönes Reiten. Ruhig und ohne nennenswert zu erkennende Hilfengebung reitet Dufour Lektion für Lektion. Gleitende Übergänge zwischen Piaffen und Passagen, präzise eingeteilte Zick-Zack-Traversalen, 8,7 für die Links- wie auch die Rechtspirouette. Die letzte Mittellinie dann noch mal fließend, federnd und unerschütterlich im Takt die Passage-Piaffe-Passage-Tour. Und dann besagter Schlussgruß. „Der Sieg ist das eine“, sagte Cathrine Dufour, „aber vor allem war es das Wie er sich gezeigt hat. Ich musste gar nicht viel machen, ich musste ihn einfach nur präsentieren.“

Dänemark und USA-Top Stars im CDI4* Grand Prix

von Korff

Adrienne Lyle (USA) und Salvino, CHIO Aachen 2022 (© von Korff)

Bohemian geht in Aachen nicht im Nationenpreis, und auch die USA haben ihr Top-Teampferd Salvino in der CDI4*-Tour am Start. Adrienne Lyle (USA) und Salvino hatten zuvor im Licht der sich allmählich verabschiedenden Sonne mit 76,891 Prozent für einen Führungswechsel gesorgt. Die US-Amazone mit ihrem Olympiapferd lieferte eine fehlerfreie Runde ab. Lediglich der fliegende Galoppwechsel nach der Zick-Zack-Traversale war etwas kurz. Ansonsten zeigte der Sandro Hit-Sohn ausdrucksstarke Passagen und die dritte Piaffe bei X kurz vorm Schlussgruß war eine der besten des gesamten CDI4*-Grand Prix. Die ruhig und gestreckt sitzende US-Amazone zelebrierte die Möglichkeiten ihres Hannoveraners, der hier und da mal etwas unausbalanciert im versammelten Trab war.

Wandres und Bluetooth Dritter

Kurz vor Schluss gelang Frederic Wandres mit Bluetooth ein Ritt, bei dem der PSI-Bereiter vom Hof Kasselmann geschickt um jeden Punkt kämpfte. Der Oldenburger, väterlicherseits ein Halbbruder zum Sieger Bohemian, war schon bei den Deutschen Meisterschaften in Balve in bestechender Form gegangen. Und genau die bestätigte er heute.

Schon die erste Piaffe gelang energisch und aktiv, die beiden weiteren geforderten zeigte das Paar mit noch größerer Selbstverständlichkeit. Im Schritt war gerade im versammelten Tempo der Viertakt nicht immer klar. Diese Lektion geht mal zwei in die Wertung ein. Das gilt auch für die Pirouetten. Die Rechtspirouette war etwas unausbalanciert und Bluetooth verlor den Galoppsprung im Hinterbein. Mit der letzten Piaffe konnte das Paar aus Hagen dann aber noch einmal richtig Prozentpunkte einsammeln. 100 Prozent am Punkt, gleichmäßig und energisch dabei aber auch gleichmäßig gefußt. 75,217 Prozent bedeuteten Platz drei.

Total Hopes dritter „echter“ Grand Prix

Mit runden 75 Prozent hatte die Norwegerin Isabell Freese lange Zeit in Führung gelegen. Die Bereiterin im Stall von Paul Schockemöhle hatte gleich mehrere Gründe zu feiern: Für ihren elfjährigen Louisdor-Sieger Total Hope, den Totilas-Sohn von Isabell Werths dreimaliger Weltcupsiegerin Weihegold, war es erst der dritte „lange“ Grand Prix, und für die Reiterin der erste Start in der großen Tour in Aachen. „Als ich hier in der kleinen Tour reiten durfte, dachte ich schon ein Traum wird wahr“. Präzise Piaffen, weiche Übergänge – vieles gelang den beiden bestechend gut, hat man die wenige Prüfungsroutine in dieser Aufgabe im Hinterkopf. Nur bei den Einerwechseln, eigentlich eine der Paradelektion des Rapphengstes, gab es einen Fehler. Mit 75 Prozent war es schlussendlich Platz vier.

Platz fünf für Helgstrand und Jovian

Mit Spannung erwartet worden war der Auftritt von Andreas Helgstrand und Jovian. Der Däne möchte unbedingt zuhause bei der Weltmeisterschaft in Herning an den Start gehen. Und zwar mit dem erst achtjährigen Jovian, dem Jungpferde-Weltmeister von 2021. Der niederländische Hengst, national hoch bewertet und auch schon international auf Grand Prix Niveau siegreich, kam auf 74,761 Prozent.

Starker Trab, starker Galopp und Passage sind sehenswert bei dem großen Apache-Sohn. Vieles andere ist aber noch im Werden. Angesichts des Alters des Pferdes kaum verwunderlich. In den Piaffen, die noch nicht gleichmäßig waren, weder im Takt, noch im Fleiß und gleichmäßig hohem Abfußen, war Helgstrand sichtlich bemüht, ein komplettes Abtauchen des Pferdes im Hals zu vermeiden. Von einer tragenden Hinterhand ist Jovian aber noch weit entfernt (Noten zwischen 5,0 und 6,5). Ziemlich gut und noch etwas besser ist es, wenn die fliegenden Wechsel von Sprung zu Sprung möglichst weit nach links und rechts schwanken, so sahen es zumindest die Juroren mit Noten zwischen 7,0 und 7,5.

Ein Highlight der Prüfung war die zweite Pirouette, schon die erste war gut, die nach rechts dann gesetzt, zentriert ohne den Galoppsprung zu verlieren. Die Richter sahen das Paar zwischen den Plätzen vier und neun.

Deutsche auf Platz 6 bis 9

Beste Deutsche war Isabell Werth mit Superb, die einen insgesamt sichereren Eindruck als von den Grand Prixs in Wiesbaden und Mannheim hinterließ. Nach wie vor wünschte man sich eine konstantere Anlehnung und ein stabileres Genick. Die Hannoveraner Stute zeigte alle drei Piaffen ohne größere Probleme, verlor aber mehrfach den Fluss und fußte hinten mehr als einmal deutlich ungleich hoch. Den ersten der 15 Einerwechsel sprang die Surprice-Tochter kurz. Die Platzziffern variierten zwischen drei und zwölf – und zwischen knapp 71 und 76,3 Prozent.

Dahinter ein ähnliches Bild in der Bewertung des Ritts von Benjamin Werndl und Daily Mirror, die heute nicht die schnellsten waren, 74,391 Prozent, Platz sieben. Aber in punkto Sitz und Harmonie, sicherer leichter Anlehnung, Stellung, Biegung und Geschmeidigkeit war das Auabenhausen-Duo ganz weit vorne anzusiedeln. Hier gab es zwischen 71,957 und 76,739 Prozent, Platzziffern drei bis elf.

Mit 73,630 folgten Helen Langehanenberg und Annabelle auf Rang acht vor Carina Scholz und Tarantino (72,478).

Die Ergebnisse finden Sie hier.

Morgen steht der Grand Prix der CDIO5*-Tour auf dem Programm, die Nationenpreis-Prüfung. Für Deutschland reiten Benjamin Werndl/Famoso (10.33 Uhr), Ingrid Klimke/Franziskus (12.03 Uhr), Frederic Wandres/Duke of Britain (14.42 Uhr) und als letzte Starterin der Prüfung Isabell Werth/Quantaz (16.12 Uhr). Dort wird Cathrine Dufour den Weltcup-Zweiten Vamos Amigos an den Start bringen (15.45 Uhr).

Prix St. Georges an Wandres und Quizmaster

von Korff

Frederic Wandres und Quizmaster CHIO Aachen 2022 (© von Korff)

Zum Auftakt der Kleinen Tour gab es einen deutschen Sieger: Frederic Wandres und Quizmaster lieferten eine makellose Runde ab. Mit 75,059 Prozent setzte er sich vor Ingrid Klimke und Freudentänzer (73,912). Dritte wurde die Schweizerin Adrina Suter mit Del Cuorte, der schon für das Finale um den Nürnberger Burg-Pokal qualifiziert ist  (72,441).

Die Ergebnisse finden Sie hier.