Amsterdam: Vierecks-Gegner verzweifelt gesucht!

Man muss leider sagen: Dressur ist wieder langweiliger geworden. Nach dem Ende der Ära Helen Langehanenberg/Damon Hill gibt es international nur wenige Paare, die Charlotte Dujardin und Valegro die Stirn bieten könnten, und bei der Weltcup-Qualifikation in Amsterdam war keines am Start.

Gut, Matthias Alexander Rath und Totilas haben die Weltmeister bekanntlich 2014 in Aachen zweimal hinter sich gelassen. Allerdings ging Valegro da auch unter Form. Davon konnte in der Grand Prix Kür für die Weltcup-Qualifikation von Amsterdam nicht die Rede sein. Da hätte auch der einstige Weltmeister der Holländer mit seinem neuen Reiter es schwer gehabt, die dreifachen Weltrekordhalter zu schlagen. Nur die Reiterin plagte sich nach der Heimkehr von einem Trip nach Neuseeland noch mit Jetlag. Valegro war während ihrer Abwesenheit von Trainer Carl Hester fit gehalten worden und präsentierte sich in Bestform. Das Protokoll ihrer Kür zur Musik des Films „Drachen zähmen leicht gemacht“ weist gleich mehrfach die Bestnote 10 auf. Die 9 ist ja bereits Standard. Die doppelt zählenden versammelten Lektionen, also Piaffen, Passagen, Übergänge dazwischen und Pirouetten wurden ebenso mit „ausgezeichnet“ bewertet wie die Serienwechsel, der starke Trab und die Galopptraversalverschiebungen nach Rechts. Nicht alle Richter, aber immer mal wieder einer zückte die 10. Und auch in den in der Kür vierfach gewerteten Fußnote gab es maximale Punktzahl, insbesondere im Bereich „Harmonie zwischen Reiter und Pferd“, hier waren sich sogar alle einig, dass das nicht besser geht. Wobei die Reiterin heute auch zufrieden war, nachdem sie gestern „wirklich sauer auf sich selbst war“, weil sie fand, dass sie im Qualifikations-Grand Prix so schlecht geritten sei den sie gleichwohl ebenfalls mit haushohem Vorsprung gewann. Und so war es auch heute. 93,900 Prozentpunkte standen auf der Anzeigentafel und damit über zehn Prozent mehr als ihre Verfolgerin, Danielle Heijkoop mit Siro.

Für Valegro lautet das nächste Ziel nun Weltcup-Finale in Las Vegas. Als Titelverteidiger ist er ohnehin qualifiziert und wird bis dahin frei haben. So erklärte es seine Reiterin: „Bis dahin wird er gar nichts tun. Er ist nicht die Art Pferd, die ständig auf Turniere müssen. Also wird Las Vegas unser nächster Auftritt sein, und danach konzentrieren wir uns auf die Vorbereitung auf die Europameisterschaften.“

Zufrieden mit ihrer heutigen Leistung war auch die Zweitplatzierte, Danielle Heijkoop. Im Interview erklärte sie: „Wir hatten mehr Punkte im Dezember in Mechelen, aber ich bin sehr glücklich damit, wie wir uns heute geschlagen haben.“ Und mit Augenmerk auf ihre Trainerin Anky van Grunsven erklärte die 27-Jährige: „Wir denken gleich. Unsere Einstellung ist, dass es immer noch ein bisschen besser geht. Aber das Wichtigste ist für mich derzeit, dass unser Ergebnis überall ein wenig höher ist als im vergangenen Jahr. Alles verbessert sich.“ Heute kam sie mit ihrem 16-jährigen Gribaldi-Sohn mit 82,375 Prozent aus dem Viereck. Wobei wie bei dem Paar üblich insbesondere die Piaffe-Passage-Tour Punkte brachte.

Über Platz drei konnte sich wie schon im Grand Prix Jessica von Bredow-Werndl auf dem zweiten von vier (!) Gribaldi-Nachkommen im 15-köpfigen Feld freuen, dem nun 14 Jahre alten Unee BB. 80,900 Prozent ist bei weitem nicht das höchste Ergebnis, das die beiden zusammen erzielt haben. Da ist also noch Luft nach oben, die man beispielsweise mit gelungeneren Linkspirouetten füllen kann. Die gelangen heute nicht wie sonst.

Dennoch reichte das locker, um den WEG-Nachrücker Diederik van Silfhout mit dem zehnjährirgen KWPN-Hengst Arlando v. Paddox hinter sich zu lassen, 79,950 Prozent, Platz vier. Fünfter wurde Hans-Peter Minderhoud auf dem aus Schweizer Zucht stammenden Florestan-Sohn Flirt (79,250).

Auf den ersten fünf Plätzen blieb die Grand Prix-Rangierung unverändert. Dahinter wurde in der Kür einiges durcheinander gewirbelt. War Isabell Werth mit El Santo gestern noch Sechste gewesen, musste sie heute mit Rang acht Vorlieb nehmen (76,775). Sechste wurde die Dänin Agnete Kirk Thinggaard auf Jojo AZ mit 78,050 Prozent und Platz sieben ging mit 77,325 Prozent an den Weltcup-Newcomer Sönke Rothenberger (der seit neuestem ebenfalls mit Anky van Grunsven trainiert) im Sattel von Favourit, jenes Paar, das gestern Achtes geworden war.

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In der Gesamtwertung der Westeuropa-Liga des Weltcups Dressur führt weiterhin Jessica von Bredow-Werndl, die nach ihrem dritten Platz in Amsterdam nun über 69 Punkte verfügt. Zweitbester Deutscher ist Sönke Rothenberger mit 56 Punkten auf Platz fünf. Sechste ist Fabienne Lütkemeier (Paderborn) mit 54 Punkten und auf Platz acht folgt Isabell Werth mit 39 Punkten.